
Erste Daten zur Notfallversorgung von Kindern und Jugendlichen
Welche Patienten werden in pädiatrischen Notaufnahmen versorgt? Eine wichtige Frage, wenn es etwa um die Einrichtung integrierter Notfallzentren geht, erfordern diese doch möglichst valide Daten. „Während für erwachsene Patienten bereits zahlreiche Analysen vorliegen, existieren für Kinder und Jugendliche bislang nur wenige Studien“, erklärte Dr. Domagoj Schunk, Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme und Kindernotaufnahme am UKSH in Kiel. Zusammen mit Kollegen aus Magdeburg und München haben die Kieler Forschenden Behandlungsdaten von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren aus 31 deutschen Notaufnahmen (AKTIN-Notaufnahmeregister des Netzwerks Universitätsmedizin) ausgewertet. Analysiert wurden im Rahmen des vom Gemeinsamen Bundesausschusses geförderten Innovationsfondsprojekts EDCareKids über 660.000 Notfallkontakte aus dem Jahr 2023.
Kinder und Jugendliche kommen meist selbst oder mit Eltern in die Notaufnahme
„Im Kleinkindalter dominierten nicht-traumatologische Krankheitsbilder wie Fieber und Atemwegsinfekte. Ab Schuleintritt überwogen vor allem traumatologische Beschwerden wie Schmerzen oder Verletzungen an den Extremitäten“, sagte Denise Peters, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kieler Notaufnahme. Die meisten Kinder und Jugendlichen (86,4 Prozent) kamen selbst oder mit ihren Eltern in die Notaufnahme. Bei rund elf Prozent der jungen Patienten war ein Transport mit dem Rettungswagen erforderlich. Diese Subgruppe zeigte „erwartungsgemäß“, so Peters, einen höheren Anteil akuter Krankheitsbilder, wie etwa Krampfanfälle, die insgesamt jedoch nicht zu den zehn häufigsten Beschwerden gehörten, mit denen eine Notaufnahme aufgesucht wird.

„Im Kleinkindalter dominierten nicht-traumatologische Krankheitsbilder wie Fieber und Atemwegsinfekte. Ab Schuleintritt überwogen vor allem traumatologische Beschwerden wie Schmerzen oder Verletzungen an den Extremitäten.“
Meist nur niedrige Dringlichkeitsstufe
Auch zur Triagierung brachte die Untersuchung wichtige Erkenntnisse: über 60 Prozent der versorgten pädiatrischen Patienten wurden den niedrigen Dringlichkeitsstufen 4–5 zugeordnet, während kritischste Notfälle der Stufe 1 nur rund 0,5 Prozent der Fälle ausmachten. Auf die Intensivstation – so das Ergebnis einer weiteren Kieler Untersuchung in diesem Projekt – werden mehrheitlich männliche Kinder und Jugendliche verlegt, die zuvor vom Rettungsdienst in die Notaufnahme gebracht wurden. Fazit Schunks: „Die Ergebnisse unserer Untersuchungen können eine erste Grundlage für die weitere Ausgestaltung der aktuell heterogenen Notfallstrukturen für Kinder und Jugendliche in Deutschland sein.“
„Leitung der INZ muss bei Kliniken liegen"
Die Einrichtung Integrierter Notfallzentren für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche ist im Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums für die Reform der Notfallversorgung vorgesehen. Das wurde von der DIVI und 18 weiteren Fachgesellschaften ausdrücklich begrüßt. Allerdings gebe es bei der geplanten Steuerung und Koordination noch Nachbesserungsbedarf, wurde während des Kongresses in Hamburg kritisiert. „Die Leitung der Integrierten Notfallzentren muss zwingend bei den Krankenhäusern liegen“, erklärte Prof. Sabine Blaschke aus Göttingen. „Es gilt, unbedingt stringente Prozessabläufe in der Patientensteuerung sowie der fachlichen Akut- und Notfallversorgung sicherzustellen.“
13 Millionen Notfälle in 2024 in Kliniken versorgt
Das Statistische Bundesamt hat aktuell mitgeteilt, dass die Zahl der ambulant behandelten Notfälle in Krankenhäusern so hoch wie nie ist. 2024 wurden in Kliniken in Deutschland rund 13 Millionen Notfälle versorgt. Das waren 5 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit Beginn der Erfassung im Jahr 2018. Bundesweit gab es im Schnitt 156 Behandlungen je 1.000 Einwohner – mit erheblichen regionalen Unterschieden: Während Stadtstaaten wie Hamburg und Berlin mit 213 und 208 Fällen je 1.000 Einwohner besonders hohe Werte zu verzeichnen hatten, lag dieser in Hessen lediglich bei 123 Fällen. Die niedrigste Quote aller Bundesländer hat Schleswig-Holstein mit 119 Behandlungen je 1.000 Einwohner.





