
Eisige Stimmung, monotone Rede
Ein Höhepunkt des Jahres ist immer der Deutsche Ärztetag: der geballte Auftritt der deutschen Ärzteschaft, dieses Jahr in Hannover. Die feierliche Eröffnung ist gleich am Anfang ein Höhepunkt und Pflichttermin für die jeweiligen Bundesgesundheitsminister. Während Frau Warken vor einem Jahr gerade in das Amt kam und noch abtastend auf die Ärzteschaft verbal zugegangen ist, herrschte nun eisige Stimmung, die durch die Monotonie ihrer Rede unterstützt wurde. Die aktuellen Gesetzentwürfe, die zu einer enormen Belastung der Beteiligten im Gesundheitswesen führen werden, seien alternativlos, die Bundesfinanzen können nicht helfen, auch nicht bei versicherungsfremden Leistungen. Es drängte sich der Eindruck auf: Der großen Politik geht es nur ums Sparen. Für echte Reformen und ernst gemeinten Bürokratieabbau dagegen fehlt einfach der Mut!
Danach wurde vier Tage lang über Gesundheits- und Berufspolitik, Versorgung und Kammersatzungen debattiert und Beschlüsse gefasst. Dieses Jahr wurde eine neue Bestmarke mit über 400 Anträgen aufgestellt. Die Zeit von insgesamt mehr als 26 Stunden reicht nicht aus, um alle Anträge abzustimmen – diese werden dem Bundesärztekammervorstand überwiesen. Neben Suchtmedizin im Wandel ist Weiterbildung das zentrale Thema gewesen, einen ganzen Tag wurde sich dafür Zeit genommen - die am Schluss nicht gereicht hat. Wenigstens wurden die geplanten, sinnvollen Änderungen der Muster-Weiterbildungsordnung beschlossen und ein Blick in anstehende Veränderungen der Weiterbildung als solche geworfen: neue didaktische Methoden, mehr Struktur und Feedback, neue Prüfungsformate. Hervorzuheben ist, dass die Allgemeinen Inhalte grundlegend neu definiert wurden, in dem jetzt Haltungen und Rollen formuliert wurden, die in den verschiedenen ärztlichen Rollen hinterlegt sind.
Es ist insgesamt ein guter, gelungener Ärztetag gewesen, der zum Schluss noch gekrönt wurde. Kiel wurde als Ort des 132. Deutschen Ärztetags 2028 gewählt. Ein Imagefilm über das, was uns in Schleswig-Holstein ausmacht, bekam viel Applaus, Lachen und Zustimmung – eine Kurzversion ist in den sozialen Medien zu sehen. Wir freuen uns sehr, dass unsere Ärztekammer Gastgeberin dieses Ärztetages sein wird. Es wird ein etwas anderer, dafür besonderer Ärztetag werden: Nah. Klar.
„Der großen Politik geht es nur ums Sparen. Für echte Reformen und ernst gemeinten Bürokratieabbau dagegen fehlt einfach der Mut!“
Der 130. Deutsche Ärztetag hatte denkwürdige Momente: Medizinstudentinnen berichteten von Übergriffen, es fand eine Rückbesinnung auf ärztliche Werte statt und ein emotionsloser Auftritt der Bundesgesundheitsministerin enttäuschte die Ärzteschaft. Eingeordnet werden diese und mehr Themen von Kammerpräsident Prof. Henrik Herrmann.





