
Dialogforum: „Berufspolitik kann richtig Spaß machen."
Wie wirkt ärztliche Selbstverwaltung auf junge Ärztinnen und Ärzte? „Langweilig, abstrakt, undurchsichtig, unnahbar und zeitintensiv" fiel Andrej Weissenberger dazu ein. Der Arzt in Weiterbildung im Städtischen Klinikum Solingen ist selbst engagiert, hört solche Umschreibungen von seinen jüngeren Kolleginnen und Kollegen aber immer wieder. Nach Wahrnehmung von Allgemeinärztin Theresa Buuck aus Neubukow erleben junge Ärztinnen und Ärzte Selbstverwaltung „nicht als etwas, das sie meint.".
Wie sich der ärztliche Nachwuchs einbinden ließe
Im Dialogforum am Vortag des 130. Deutschen Ärztetages in Hannover suchten die Beteiligten unter Moderation des Hamburger Ärztekammer-Präsidenten Dr. Pedram Emami nach Ursachen für das bescheidene Image und nach Lösungen. Buuck hatte gleich drei Vorschläge:
- Selbstverwaltung sollte junge Ärztinnen und Ärzte gezielter ansprechen, einladen und sie auch ermutigen.
- Sie sollte Strukturen vereinbar machen für die junge Zielgruppe und stärker auf deren Arbeitsweisen eingehen, etwa in Form hybrider Sitzungen.
- Sie sollte stärker als bislang unterschiedliche Perspektiven zulassen und Engagement nicht durch Machtpolitik beenden.
Gut gelungen ist dies nach Wahrnehmung der jungen Allgemeinmedizinerin in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Landesärztekammer einen früheren Arbeitskreis aus und mit jungen Ärztinnen und Ärzten inzwischen zu einem Ausschuss gewandelt hat, Buuck selbst ist Vorsitzende des Ausschusses.
Appell an den ärztlichen Nachwuchs, sich zu beteiligen
Klar ist für Weissenberger und Buuck, dass Mitwirkung nur erreicht wird, wenn die jungen Ärztinnen und Ärzte sich auch interessieren und entsprechende Signale aussenden. „Wer sich nicht beteiligt, überlässt anderen die Entscheidung, wie unsere Zukunft gestaltet wird", stellte Buuck klar. Sie mahnte, die Entscheidung für ein Engagement nicht auf irgendwann zu verschieben und auf einen perfekten Zeitpunkt zu verschieben - den gebe es ohnehin nicht. Auch Weissenberger machte deutlich, dass fehlendes Engagement fatal wäre, denn: „Wir schimpfen über Regeln, an deren Veränderung wir uns nicht beteiligen." Darauf zu waren, dass man dem Nachwuchs den roten Teppich ausrollt, sei keine Option.
Bei der Mitwirkung ist noch viel Luft nach oben
In der Diskussionsrunde wurde deutlich, dass längst noch nicht alle Möglichkeiten zur Einbindung des ärztlichen Nachwuchses ausgeschöpft werden. Jana Pannenbäcker, Co-Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, regte ein intensiveres Mentoring an. Auch gezielte Veranstaltungen nur für diese Zielgruppe könnten sinnvoll sein, um zu zeigen: „Berufspolitik kann richtig Spaß machen.” Allerdings müssten dann auch die Themen so gewählt sein, dass sich die junge Ärzteschaft angesprochen fühlt, etwa aus der Weiterbildung.
Dr. Felix Lüdecke, geschäftsführender Arzt in der Hamburger Ärztekammer, nimmt noch viele Wissenslücken bei jungen Ärztinnen und Ärzten wahr und erklärt häufig, was Selbstverwaltung ist und macht. Nach seiner Erfahrungen wird häufig unterschätzt, was Kammerarbeit leisten und bewirken kann.
Bei Missständen Ross und Reiter nennen
Die Diskussion zeigte auch, dass das Thema Weiterbildung besonders gefragt ist. Ein Teilnehmer äußerte sein Unverständnis darüber, wie lax in manchen Einrichtungen mit Vorschriften der Weiterbildungsordnungen umgegangen wird. Wie sollte man auf solche Missstände reagieren? Eine Ombudsstelle und regelmäßige Evaluationen wurden u.a. genannt. Das Problem: In der Weiterbildung fühlen sich junge Ärztinnen und Ärzte in einer Abhängigkeit, in der sie bei den Weiterbildungsbefugten nicht anecken möchten - und deshalb Missstände akzeptieren, statt sie zu benennen. „Man muss klar sagen, was und wo etwas falsch läuft", forderte Weissenberger. Buuck regte an, dass die Weiterbildungssprecher in den Kliniken sich hierzu verständigen.
Weitere Vorschläge zur besseren Einbindung des Nachwuchses in die ärztliche Selbstverwaltung wurden anschließend in einem World-Café erarbeitet.





