
Effektiv miteinander arbeiten
Geschichtlich ist auch die Medizin hierarchisch strukturiert und geprägt gewesen, was bereits im Eid des Hippokrates hinterlegt wurde: Die ärztliche Kunst blieb in der Zunft, durfte unter seinesgleichen weitergegeben werden, sonst aber niemandem. Erste Ansätze, diese Abgrenzungen zu durchbrechen, gab es erst vor gut 50 Jahren, als die Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pflege als ein zentraler Faktor in der Patientenversorgung erkannt wurde. Durch den Ausbau weiterer qualifizierter Gesundheitsfachberufe, geregelt oder nicht geregelt, grundständig oder akademisch ausgebildet, hat sich die interprofessionelle Zusammenarbeit zu einem unverzichtbaren Bestandteil der modernen, werteorientierten Versorgung weiterentwickelt und ist aus der Behandlungsrealität nicht mehr wegzudenken.
Dabei bringen die verschiedenen Berufsgruppen ihre Kompetenzen gezielt als gleichberechtigte Partner in den Versorgungsprozess ein und tragen damit entscheidend zur Sicherheit und Qualität in der Patientenbehandlung bei. Im deutschen Gesundheitswesen gab und gibt es durchaus in der Umsetzung Hürden, Veränderungsprozesse sind nicht immer einfach. Umso wichtiger sind ein gemeinsames Lernen miteinander und voneinander, eine strukturierte Kommunikation und Patientenzentrierung, um ein effektives gemeinsames Handeln im Team zu ermöglichen.
Die Weltgesundheitsorganisation erklärte bereits 2010 die interprofessionelle Zusammenarbeit für fundamental für die globale Gesundheitsversorgung, für Deutschland erarbeitete die Bundesärztekammer danach mehrfach Positionen dazu, zuletzt umfassend 2021 mit dem Fazit: Die Patientenversorgung wird zukünftig stärker als bisher von dem interdisziplinären und teamorientierten Zusammenwirken der Berufsgruppen geprägt sein – Anlass und Grund genug für das Schwerpunktthema in diesem Ärzteblatt mit verschiedenen Blickwinkeln. Das Team steht im Vordergrund, nicht nach dem Motto „toll, ein anderer macht‘s“, sondern vielmehr „toll, effektiv arbeiten miteinander“!

