Zwei Ärzte im weißen Kittel stehen mit verschränkten Armen im OP und schauen in die Kamera.
Gennadii Ivanov (links) und Dr. Claudio C. Conrad ist es gelungen, die angeborene Verengung des Zwölffingerdarms bei einem 13 Tage alten Säugling ohne chirurgischen Eingriff endoskopisch zu behandeln. © UKSH
Gennadii Ivanov (links) und Dr. Claudio C. Conrad ist es gelungen, die angeborene Verengung des Zwölffingerdarms bei einem 13 Tage alten Säugling ohne chirurgischen Eingriff endoskopisch zu behandeln. © UKSH

Duodenalatresie endoskopisch behandelt

Bei der seltenen angeborenen Fehlbildung des Zwölffingerdarms ist der Darm vollständig verschlossen oder hochgradig verengt. Die Erkrankung führt bei Neugeborenen typischerweise zu galligem Erbrechen, eingeschränkter Nahrungsaufnahme und vermindertem Stuhlgang. Statt der üblichen OP mit Bauchschnitt kurz nach der Geburt haben Ärzte des UKSH die Engstelle erstmals endoskopisch behandelt.

Den Kieler UKSH-Teams der Kinderchirurgie und der Interdisziplinären Endoskopie ist es gelungen, die angeborene Engstelle bei einem Säugling ohne chirurgischen Eingriff endoskopisch zu behandeln. Verantwortlich waren Gennadii Ivanov, Facharzt für Kinderchirurgie an der Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie, und Dr. Claudio C. Conrad, Leiter der Interdisziplinären Endoskopie an der Klinik für Innere Medizin I.
„Wir konnten die Engstelle erfolgreich durch die endoskopische Ballondilatation erweitern, ohne einen Bauchschnitt durchführen zu müssen. Für den erst 13 Tage alten Säugling bedeutet dies eine deutlich geringere Belastung, weniger Schmerzen und eine schnellere Erholung.“, wurde Ivanov einer Meldung des UKSH zitiert. 

Schnelle Entlassung nach Hause
Dank der schonenden Behandlungsmethode konnte das Kind noch am Tag des Eingriffs wieder normal trinken. Ein längerer Aufenthalt auf der Intensivstation war nicht notwendig. Wenige Tage nach der Behandlung konnte der Säugling nach Hause entlassen werden. Möglich wurde dies durch den Einsatz eines speziellen, sehr dünnen Endoskops: Über den Mund des Neugeborenen konnte die Engstelle zunächst dargestellt werden und anschließend mithilfe eines Ballons erweitert werden. So konnte eine Operation vermieden werden. „Endoskopische Therapien bei angeborenen Duodenalfehlbildungen sind international bislang nur in wenigen Fallberichten beschrieben und gelten als seltene, hochspezialisierte Eingriffe – insbesondere bei Neugeborenen. Der nun erfolgreich durchgeführte Eingriff unterstreicht das Potenzial minimalinvasiver endoskopischer Verfahren auch bei sehr jungen Säuglingen", sagte Dr. Claudio C. Conrad laut Mitteilung des UKSH. Nach Angaben von Ivanov konnten die Teams  erstmals eine Therapie ganz ohne Schnitte und äußere Wunden durchführen.

Therapiekonzept mit Potenzial
Für das UKSH zeigt der Eingriff das Potenzial moderner und interdisziplinär abgestimmter Therapiekonzepte in der Kinderchirurgie. „Unser Ziel ist es, bewährte chirurgische Standards dort zu ergänzen, wo schonendere Verfahren für die kleinsten Kinder möglich sind. Dieser Fall zeigt, dass innovative endoskopische Konzepte bei sorgfältiger Indikationsstellung und entsprechender Expertise eine echte Alternative zur klassischen Operation darstellen können“, so Ivanov. (PM/RED)

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