Zwei Frauen in Hilfswesten stehen an der Tür eines Mercedes Sprinters und schauen in die Kamera.
Dr. Birke Schneider (rechts) mit der Projektleiterin des Gesundheitsmobils, Sabine Steen. © Gemeindediakonie Lübeck
Dr. Birke Schneider (rechts) mit der Projektleiterin des Gesundheitsmobils, Sabine Steen. © Gemeindediakonie Lübeck

Dr. Birke Schneider hilft Menschen in Not

2019 las sie im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt, dass das Gesundheitsmobil Lübeck Ehrenamtliche sucht. Kurz darauf gehörte Dr. Birke Schneider (74) zum Team des Projektes der Gemeindediakonie Lübeck und der Johanniter-Unfall-Hilfe. Seitdem behandelt sie unentgeltlich Menschen, die aus der Regelversorgung herausgefallen sind.

Kardiologin Dr. Birke Schneider war hauptberuflich Chefärztin der Medizinischen Klinik für Kardiologie und Angiologie an den Sana Kliniken Lübeck. Die Idee, im Ruhestand unentgeltlich Menschen in Not zu helfen, sprach sie an. Ihre erste Fahrt auf dem Gesundheitsmobil führte sie ins Lübecker Bodelschwingh-Haus, einer Unterkunft für obdachlose Männer. Für Schneider war der Einsatz eine besondere Erfahrung. Sie konnte einem Mann, dem es gesundheitlich schlecht ging, helfen und gewann sofort das Vertrauen der Bewohner. Bei wohnungslosen Menschen müssten oft Wunden behandelt werden, die sich zum Teil auch infizieren, sagte die Ärztin. Manchmal gebe das Ärzteteam Antibiotika und Schmerzmittel. Das sei dank vieler Apothekenspenden möglich.

Menschen sind dankbar und offen
Im Gesundheitsmobil seien die Patienten in der Regel offen, dankbar und berichteten viel über sich und ihre Lebenssituation. Nicht selten sei sie berührt von den Schicksalen etwa junger Drogenabhängiger und davon, was diese in ihrer Kindheit und Jugend erlebt hätten. „Ich könnte für mich selbst nicht garantieren, dass ich unter solchen Umständen nicht auch zu Drogen gegriffen hätte“, so die Ärztin. Umso mehr freue es sie, „wenn man diesen Menschen bei einem gesundheitlichen Problem helfen und ihnen zur Seite stehen kann“.

Von Begegnungen eher betrübt als schockiert
Immer wieder würden es Menschen schaffen, sich aus einer problematischen Lebenssituation zu befreien. Von ihren Begegnungen mit den Patienten im Gesundheitsmobil ist sie eher betrübt als schockiert. Es gebe viele alte Menschen mit zu wenig Rente, die vor den Ausgabestellen der Tafel stehen und die sich oft auch keine Medikamente leisten könnten. Das Gesundheitssystem sei aus ihrer Sicht viel zu teuer. Daran könne sie nichts ändern, wohl aber an den Auswirkungen: „Solange man fit ist, kann man sich engagieren. Und man bleibt in Übung“, sagt die gebürtige Marburgerin.

Niedrigschwelliger Zugang schon seit 2007 in Lübeck
Das Gesundheitsmobil Lübeck, ein als Behandlungsraum umgebauter Mercedes Sprinter, bietet seit 2007 einen niedrigschwelligen Zugang zu medizinischer Versorgung und psychosoziale Beratung von Menschen in schwierigen Lebenslagen an. Es ist an fünf Tagen in der Woche an elf Haltstellen in verschiedenen Lübecker Stadtteilen unterwegs. Zum Team gehören zwei hauptamtliche und 16 ehrenamtliche Mitarbeitende. Sie versorgen rund 650 Klientinnen und Klienten pro Jahr. Das Gesundheitsmobil wird aus Spenden, Stiftungsgeldern und Eigenmitteln der beiden Träger finanziert. Weitere Informationen unter www.gesundheitsmobil.org (PM/RED)

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