Ein Mann mit Vollbart lächelt frontal in die Kamera (Kopfportrait).
Patrick Stolp ©privat
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Digitale Präsenz: „Rezensionen helfen, sich ein Bild zu machen“

Welche Rolle spielt die digitale Präsenz einer Praxis oder einer Klinik für eine gelingende Arzt-Patienten-Kommunikation? Was auf diesem Gebiet nützt und was eher schadet, erläuterte der Lübecker SEO-Analyst Patrick Stolp im Gespräch mit Eike Ina Lamberty.

Warum ist es für Praxisinhaber (und Kliniken) wichtig, seine Google-Rezensionen und die eigene Online-Auffindbarkeit im Blick zu haben?

Google-Rezensionen helfen Patienten, sich ein erstes Bild vom Anbieter zu machen. Gleichzeitig beeinflussen sie die Platzierung in den lokalen Google-Ergebnissen. Gerade für jüngere Menschen gehört die Suche im Internet selbstverständlich zur Auswahl eines Anbieters. Das betrifft auch Ärzte. 

Lässt sich die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten durch SEO gezielt verbessern? 

Der Nutzen einer guten Website reicht deutlich über die Gewinnung neuer Patienten hinaus. Wenn dort verständlich erklärt wird, wie die Terminvergabe funktioniert, welche Unterlagen benötigt werden oder wie man sich auf eine Untersuchung vorbereitet, entlastet das den Empfang. SEO kann die Kommunikation also sehr konkret verbessern. 

Wie bewerten Sie den Status quo in den schleswig-holsteinischen Arztpraxen? Tun die Ärztinnen und Ärzte genug? Und tun sie das Richtige?

Entscheidend ist, ob eine Praxis oder Klinik ihr Fachwissen dort einsetzt, wo es für ihre Patienten hilfreich ist. Eine Hausarztpraxis mit lokalem Einzugsgebiet hat andere Aufgaben als eine Klinik, die für eine spezialisierte Behandlung überregional gefunden werden möchte. Die eigene fachliche Erfahrung muss auf der Website erkennbar werden. Welche Fragen stellen Patienten vor einer bestimmten Untersuchung immer wieder? Welche Missverständnisse begegnen dem Behandlungsteam? Wie läuft die Versorgung in dieser Einrichtung tatsächlich ab? Gute Chancen haben aus meiner Sicht Praxen und Kliniken, die solche konkreten Patientenfragen hilfreich beantworten und dabei etwas ergänzen, das sich nicht schon auf hundert anderen Websites findet.

Welche Maßnahme würden Sie als Erstes umsetzen, um eine Praxis online sichtbar werden zu lassen bzw. das Google-Ranking zu verbessern?

Für eine lokal tätige Praxis gehört ein korrekt eingerichtetes Google-Unternehmensprofil zur Grundlage. Name, Adresse, Telefonnummer, Fachgebiet und Website sollten zutreffend hinterlegt sein und mit den Angaben auf der eigenen Website sowie auf externen Portalen wie Branchenverzeichnissen übereinstimmen. Bei einer spezialisierten Klinik kann dagegen die unzureichende Darstellung einer wichtigen Behandlung das größere Problem sein. Grundsätzlich gilt: Eine Suchmaschine muss eine Website kennen, sie verstehen und ihr vertrauen. Eine erste Fehlerprüfung ist mit der kostenlosen Google Search Console möglich. Komplexere Probleme sollte jemand untersuchen, der sich mit technischer SEO auskennt. 
Beim Verstehen geht es darum, ob die Maschine die Inhalte dem richtigen fachlichen Zusammenhang zuordnet.
Beim Vertrauen muss man sich klarmachen, dass eine Suchmaschine die medizinische Qualität einer Praxis nicht selbst prüfen kann. Suchsysteme leiten ihre Bewertung deshalb aus verschiedenen Signalen wie etwa nachvollziehbaren Qualifikationen ab.
 

Was kann jeder Arzt und jede Ärztin selbst dafür tun?

Vieles beginnt im eigenen Praxisalltag. Das Team weiß, welche Fragen ständig am Telefon gestellt werden, welche Angaben Patienten fehlen und an welchen Stellen Missverständnisse entstehen. Ich würde diese Fragen sammeln und prüfen, ob die Website darauf bereits brauchbare Antworten gibt. Ärzte sollten das medizinische Wissen und die Erfahrungen aus ihrer Arbeit beisteuern. Bei der Ausarbeitung kann Unterstützung sinnvoll sein, um diese Informationen verständlich zu formulieren und technisch so aufzubereiten, dass Menschen und Suchsysteme darauf zugreifen können.
Die laufende Pflege – aktuelle Sprechzeiten, Urlaubsvertretungen, Kontaktdaten – lässt sich gut im Team organisieren. Wichtig ist eine klare Zuständigkeit. Sonst bleibt die Pflege zwischen anderen Aufgaben liegen. Auch Bewertungen sollten regelmäßig gelesen werden. Wiederkehrende Kritik an der Erreichbarkeit oder Organisation kann auf Probleme hinweisen, die sich tatsächlich verbessern lassen. Patienten können außerdem neutral auf die Möglichkeit hingewiesen werden, eine ehrliche Bewertung abzugeben.

Wo sollten besser Profis ran?

Professionelle Unterstützung wird dort wichtig, wo die Ursache eines Problems nicht mehr durch einfache Pflege zu beheben ist. Allerdings gibt es auch nicht „den einen SEO“, der sämtliche Aufgaben gleichermaßen beherrscht. Deshalb sollte man zunächst das eigene Problem kennen, bevor man jemanden mit seiner Lösung betraut. Hier liegt die Aufgabe der analytischen SEO: Sie untersucht, weshalb eine Website bei den relevanten Suchanfragen nicht ausreichend sichtbar wird, und leitet daraus ab, was verändert werden sollte. Anschließend lässt sich entscheiden, welche Fachkenntnisse für die Umsetzung gebraucht werden. Die medizinische Verantwortung für die Inhalte bleibt bei dieser Zusammenarbeit in der Praxis. 

Woran kann ich erkennen, ob ein Angebot für SEO etwas taugt? 

Ich würde einen Dienstleister wählen, der sich allein auf SEO konzentriert und innerhalb dieses Fachgebiets die benötigte Kompetenz mitbringt. SEO nebenbei anzubieten, reicht für die komplexen Herausforderungen vieler Websites nicht aus. 
Auch Listen mit Überschriften wie „Die besten SEO-Agenturen Deutschlands“ würde ich kritisch betrachten. In Agenturverzeichnissen können Anbieter für zusätzliche Sichtbarkeit bezahlen. So lange keine nachvollziehbare fachliche Prüfung erkennbar ist, würde ich eine solche Bestenliste nicht als Kompetenznachweis heranziehen.

Welche Fragen sollte ein seriöses Angebot beantworten?

Ein gutes SEO-Angebot muss erklären, welches Problem gelöst werden soll und warum die vorgeschlagenen Maßnahmen dazu passen. Dafür braucht der Anbieter zunächst ein Verständnis der Praxis: Welche Leistungen sind wichtig, welche Patienten sollen erreicht werden und aus welchem Einzugsgebiet kommen sie? Ein Dienstleister sollte erklären können, warum ein bestimmtes Problem für diese Website wichtig ist. Bei garantierten Spitzenpositionen oder festen Zeitversprechen wäre ich skeptisch. SEO ist strategische Arbeit, deren Ergebnis auch vom Wettbewerb und von der bisherigen Entwicklung einer Website abhängt. Suchsysteme berücksichtigen historische Nutzungsdaten bis zu 13 Monaten und teilweise darüber hinaus. Vertrauen und Bekanntheit entstehen deshalb nicht einfach mit dem Hochladen neuer Texte. Wer kurzfristig zusätzliche Präsenz benötigt, kann dafür Suchanzeigen einsetzen, für deren Sichtbarkeit aber bezahlt werden muss.
Am Ende sollte ein Angebot nachvollziehbar machen, wie aus der Arbeit ein Nutzen für die Praxis entstehen soll. Je nach Ziel können das passende Terminanfragen, die bessere Auffindbarkeit einer spezialisierten Leistung oder weniger organisatorische Rückfragen sein. Rankingpositionen helfen bei der Beurteilung, erklären diesen Nutzen aber nicht allein.

Vielen Dank für das Gespräch.

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