
Die Leuchttürme der Kammerarbeit
Nachhaltigkeit, Kommunikation, Digitalisierung und KI sowie Finanzen zählen zu den Themen, die die Kammerverwaltung in den vergangenen Monaten neben dem Tagesgeschäft besonders beschäftigt haben. Christoph Fülscher, kaufmännischer Geschäftsführer der Ärztekammer, erläuterte in seinem Bericht, wie weit die Kammer bei diesen Themen ist:
- Nachhaltigkeit: Die Ärztekammer hat, wie berichtet, bereits zahlreiche Maßnahmen zur Nachhaltigkeit auf den Weg gebracht – von Photovaltaik bis zur Grauwasseranlage. Derzeit wird an einem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht gearbeitet, der im Dezember vorgestellt werden soll.
- Kommunikation: Wie extern kommuniziert wird, erfahren Mitglieder u.a. über das Ärzteblatt und soziale Medien. Intern ist die Kommunikation in den vergangenen Monaten deutlich forciert worden. Ein Beispiel: Mitarbeitende erfahren einmal im Monat Aktuelles aus der Geschäftsführung, strategische Informationen und Neuigkeiten aus den Fachabteilungen u.a. über das Format „AEKSH Meets“.
- Digitalisierung und KI: Das Thema, das fast jeden berufstätigen Arzt und jede Ärztin im Berufsleben begleitet, verändert auch die Arbeit in der Kammer. Derzeit wird ein Fahrplan zur Optimierung der Prozesse und zum Ausbau der Automatisierung erstellt. Dabei wird u.a. berücksichtigt, welche Anforderungen in den kommenden drei bis fünf Jahren voraussichtlich an die Ärztekammer gestellt werden.
- Finanzen: Die Kammer erstellt derzeit eine Geldanlagerichtlinie mit dem obersten Ziel, das Kapitalvermögen nominal zu erhalten. „Sicherheit und jederzeitige Zahlungsfähigkeit haben Vorrang vor der Erzielung von Erträgen“, betonte Fülscher. Die Anlageentscheidungen sollten auf einer langfristig ausgerichteten Strategie basieren. Die Anlagefrist richte sich nach einer fortzuschreibenden Liquiditätsplanung. Die Anlagepolitik solle der Rangfolge Sicherheit, Liquidität und erst danach Rentabilität folgen.
Satzungsänderung wird vorbereitet
Um Finanzen ging es auch bei den Berichten des Versorgungswerkes. Die Verantwortlichen aus dem Versorgungswerk bereiten derzeit eine Satzungsänderung vor, die in ersten Grundsätzen von ihnen skizziert wurde. Über weitere Schritte wird in den kommenden Sitzungen berichtet. Ziel ist es, die neue Satzung noch vor Ende der noch bis 2028 laufenden Legislaturperiode zu verabschieden.
Die Ergebnisse des World Cafés
Erstmals wurde in der Sommersitzung das Format des World Cafés im Rahmen einer Kammerversammlung getestet. Dr. Gisa Andresen, ärztliche Geschäftsführerin der Ärztekammer, präsentierte in der Septembersitzung die wichtigsten Ergebnisse aus den vier Arbeitsgruppen, die sich mit vier Fragestellungen beschäftigt hatten:
- Welche bisher von Ärztinnen und Ärzten ausgeführten Tätigkeiten können abgegeben werden ? Hier wurden u.a. Impfungen, Wundversorgung, DMP-Betreuung, Dokumentation und Vorbereitung von Arztbriefen, Gutachten und Anträgen genannt. Auch Tätigkeiten, die andere Gesundheitsberufe übernehmen könnten, wurden definiert.
- Welche digitalen Instrumente zur Patientensteuerung können genutzt oder eingesetzt werden? Digitale Ersteinschätzung (Symptomchecker), Chatbots für das Aufnahmegespräch, Self-Check-in in der Praxis, Praxis-Apps, Videosprechstunden und telemedizinische Prozesse, niedrigschwellige digitale Erreichbarkeit und eine zentrale Online-Plattform zur Patientensteuerung anhand von Symptomen wurden herausgearbeitet.
- Wie kann die innerärztliche Kommunikation verbessert werden? Diese Arbeitsgruppe nannte einheitliche digitale Kommunikationsstrukturen, die Standardisierung von Kommunikation und Dokumentation, eine bessere Zusammenarbeit zwischen ambulantem und stationärem Bereich als Beispiele. Empfohlen wurde auch, die Kultur der Zusammenarbeit etwa durch respektvolle Kommunikation zu verbessern und die Kommunikation als Bestandteil der Versorgung anzuerkennen.
- Was ist bei der Konzeptionierung eines Primärversorgungssystems zu beachten? Die Arbeitsgruppe kann sich multiprofessionelle Primärversorgungsteams, in denen ärztliche, pflegerische, therapeutische und soziale Kompetenzen eng zusammenarbeiten, vorstellen. Den Abbau von Sektorengrenzen und eine enge Vernetzung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung halten sie für zielführend. Verbindliche Kommunikations- und Vergütungsstrukturen, die die Zusammenarbeit fördern, würde helfen. Wichtig sind aus ihrer Sicht auch klare Verantwortlichkeiten und eine transparente Finanzierung, um eine koordinierte und effiziente Versorgung sicherzustellen.
Bericht des Präsidenten
Wie ist die „Nutznießer"-Wortwahl des Bundeskanzlers über Ärztinnen und Ärzte einzuordnen? Welche Konsequenzen sind aus dieser Formulierung zu ziehen? Und wie sollte die Ärzteschaft auf die kurzfristige Gesundheitspolitik nach dem Rasenmäherprinzip reagieren? Antworten darauf gab Kammerpräsident Prof. Henrik Herrmann in seinem Bericht in der Kammerversammlung am 9. September 2026.
Weitere Themen stehen auf der Agenda
Die noch deutlich detaillierteren Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen sollen nun vom Vorstand bewertet und priorisiert werden. Die Vorstandsmitglieder wollen aber noch weiteren Themen forcieren, u.a. über die Plattform Agile Kammer. Der Umgang mit den steigenden Temperaturen und die Zusammenarbeit zwischen der Ärzte- und Apothekerschaft sind Beispiele für die Themen, die im Rahmen der Agilen Kammer vorangetrieben werden.








