
Die aktuellen Herausforderungen in der Ärztekammer
Zu Jahresbeginn hatten Vorstand und Geschäftsführung die zahlreichen Herausforderungen und Aufgaben der Kammer priorisiert und daraus Leuchttürme abgeleitet. „Ein wichtiger Punkt ist dabei die eigene Mitarbeiterschaft“, betonte der Präsident. Verschiedene Maßnahmen und Tools sollen dazu beitragen, dass Prozesse innerhalb der Kammer und nach außen, insbesondere im Kontakt mit den Mitgliedern, effizienter gestaltet werden können. „Wir erhoffen uns davon eine schnellere Bearbeitung, weniger Rückfragen und weniger Papier. Das passt auch zu unserem Leuchtturm der Nachhaltigkeit, den wir weiter ausbauen und verbindlicher machen wollen. Wir werden uns als Kammer Ziele geben und diese auch nachvollziehbar machen,“, so Herrmann.
Entwicklungen in der Ärzteschaft zeigen sich bei den Einnahmen
Immer ein Thema : die Finanzen. Nachdem die die Kammer über viele Jahre dank steigender Mitgliederzahlen auch steigende Mitgliedsbeiträge verzeichnen konnten, scheint sich dieser Trend nicht fortzusetzen. Zwar steigen die Mitgliederzahlen noch, die Beiträge aber sind rückläufig. Herrmann nannte mehrere Gründe: Die Baby-Boomer gehen zunehmend in Rente, Teilzeittätigkeiten nehmen zu, die Steigerungen im ambulanten Bereich sind nicht mehr so hoch und es gibt im ambulanten Bereich mehr angestellte Ärztinnen und Ärzte – was dazu führt, dass das direkte ärztliche Einkommen geringer wird und Gewinne des Unternehmens nicht in die Berechnung des Mitgliedsbeitrages einfließen. „Diese Entwicklung wird uns zukünftig stärker beschäftigen“, kündigte Herrmann an.
Auswirkungen der Krisen auf die Versorgungswerke
Ein weiteres Finanzthema: Die ärztlichen Renten. Die über Jahrzehnte geräuschlos arbeitenden ärztlichen Versorgungswerke sind zunehmend in die Diskussion geraten. Dazu haben globale Herausforderungen wie Börsenschwankungen, Inflation, Wirtschaftskrisen, Migrationsbewegungen, Pandemie, Kriege und der Klimawandel mit seinen Folgen beigetragen. Deren Auswirkungen betreffen auch die Erträge der Versorgungswerke. Daraus resultierende Kritik ist nach Überzeugung Herrmanns aber nicht immer berechtigt. Er gab zu bedenken, dass die Struktur des Versorgungswerkes demokratisch gewählt von der Kammerversammlung vorgegeben wird: „Die Kammerversammlung beschließt das Satzungswerk unseres Versorgungswerks, wählt die beiden ehrenamtlichen Gremien Verwaltungsrat und Aufsichtsrat, bestellt deren Geschäftsführung und genehmigt den Jahresabschluss samt Entlastung des Aufsichtsrats. Das operative Geschäft obliegt allein den Gremien des Versorgungswerks.“
Bessere Kommunikation und Transparenz angestrebt
Kritik am Versorgungswerk hatte sich an vermeintlich zu geringen Rentendynamisierungen entzündet. Hinzu kamen Berichte über Verluste und Abschreibungen auf einzelne Kapitalanlagen, was die Verunsicherung zusätzlich erhöhte. Herrmann sagte dazu: „Auch unser Versorgungswerk hat Abschreibungen hinnehmen müssen, dies wurde hier kommuniziert – wer selber Geld anlegt, weiß, dass man nicht immer gewinnt. Wir als Kammer sind transparent damit umgegangen.“ Er verwies u.a. auf eine Moderation durch ihn und Vizepräsidentin Prof. Doreen Richardt zwischen Versorgungswerk und Kritikern, die zu konstruktiven Ergebnissen führte. So ist etwa eine Satzungsänderung geplant, die spätestens im März 2028 durch einen Kammerversammlungsbeschluss abgeschlossen werden soll. Ziele sind eine bessere Kommunikation und Transparenz.
Weiterbildung: „Ärztekammern gefragt wie nie"
Immer im Fokus der Ärztekammer steht die Weiterbildung. Nach Medienberichten über eine zum Teil bestehende „Willkür“ sieht Herrmann die Ärztekammern „gefragt, wie wir Ehrlichkeit und eine Bildungskultur schaffen.“ Er setzt u.a. auf den bevorstehenden Deutschen Ärztetag in Hannover, wo über die Weiterentwicklung der Muster-Weiterbildungsordnung beschlossen werden soll. Eine der wichtigsten Änderungen aus seiner Sicht: Die Allgemeinen Inhalte, die jetzt in die beiden Kompetenzblöcke unterteilt sind und teilweise wegen der gebietsspezifischen Ausprägungen Probleme bereiten, sollen in Haltungen und Rollen analog der CanMEDS-Rollen umgewandelt werden. „Das wäre ein wirklich großer Fortschritt, zu dem man 2018 noch nicht bereit war“, sagte Herrmann. Für noch wichtiger hält er aber die Diskussion über die Zukunft der Weiterbildung: „Welche didaktischen Konzepte bringen wir auf den Weg, wie sehen verlässliche Evaluationen mit Konsequenzen aus, wie können Handlungskompetenzen geprüft werden, welche Skills und Simulationen sind sinnvoll und realisierbar, brauchen wir die über 25 neuen Bezeichnungen, die jetzt schon beantragt sind?





