
Diako nach der Übernahme: Medizinisches Spektrum unverändert
Wie ist die Nachricht von der Übernahme in der Ärzteschaft der Diako aufgenommen worden?
Die Nachricht hat viele Beschäftigte unvorbereitet getroffen und nach der Bekanntgabe in der Personalversammlung herrschte erst einmal Stille. Bei manchen Mitarbeitenden war anfangs auch stilles Entsetzen zu spüren. Das ist auch nachvollziehbar, wenn man bedenkt, wo wir herkommen: Erst die Belastungen durch die Pandemie, dann die schwierige Phase der Insolvenz, jetzt die Übernahme durch einen anderen Träger. Die Beschäftigten der Diako haben in den vergangenen Jahren viel mitgemacht und trotzdem immer mit vollem Einsatz die medizinische Versorgung gesichert.
Da war die Nachricht von einer Übernahme bestimmt nicht leicht zu verkraften. Man darf nicht vernachlässigen, dass sich viele Beschäftigte dem Haus und seiner Tradition verbunden fühlen. Für sie ist es traurig, dass es nicht möglich war, das Krankenhaus unter der gewohnten Trägerschaft weiterzuführen.
Mit etwas Abstand ist bei vielen aber auch ein wenig Erleichterung darüber zu spüren, dass die Malteser der übernehmende Träger sind und nicht etwa ein privater Konzern. Viele Diako-Beschäftigte haben sich bewusst für einen konfessionellen Träger entschieden und schätzen den christlichen Spirit und die umfangreiche Seelsorge in diesem Haus. Deshalb glaube ich, dass es für die meisten Beschäftigten die optimale Lösung ist, dass die Malteser die Diako übernehmen.
Was wird sich für die Ärztinnen und Ärzte ändern?
Wir können zunächst so weiterarbeiten wie bislang - diese Zusage haben wir bei der Bekanntgabe der Übernahme erhalten und ich baue darauf, dass wir mit überzeugender Medizin dazu beitragen, dass dies auch so bleibt.
In den beiden vergangenen Jahren haben wir nach der Insolvenz gezeigt, dass wir mit einem stimmigen Gesamtkonzept schwarze Zahlen schreiben und damit zugleich Leistungen vorhalten können, die wirtschaftlich allein nicht tragfähig gewesen wären - für die medizinische Versorgung aber wichtig sind. Ich bin unserem scheidenden Geschäftsführer Dr. John Näthke persönlich sehr dankbar, dass uns dies gelungen ist.
Das halte ich für eine wichtige Botschaft und ich bin optimistisch, dass das medizinische Gesamtkonzept nicht geändert wird.
Wichtig ist für die Ärzteschaft auch, dass es Bestandsschutz gibt: Tariflich wird sich für die Kolleginnen und Kollegen, die schon bei uns sind, nichts ändern. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man Ärztinnen und Ärzte tariflich einschränken möchte. Klar ist, dass für neue Kolleginnen und Kollegen der Caritas-Tarifvertrag gelten würde.
Beim Erhalten des medizinischen Leistungsspektrums könnte helfen, dass die beiden Krankenhäuser schon seit Jahren abgestimmt arbeiten...
Tatsächlich haben wir in Flensburg schon seit Jahren keine Konkurrenzsituation mehr, weil die Häuser sich schon seit dem Jahr 2006 im Leistungsspektrum abstimmen. Und aus den Gesprächen über das neue Fördeklinikum wissen wir, wie das künftige Leistungsspektrum aussehen soll. Beide Krankenhäuser finden sich dort wieder.
Sie haben Erfahrungen mit beiden Trägern. Als Chefarzt der Anästhesie sind Sie der einzige Arzt, der seit Jahren zur Hälfte bei den Maltesern und zur Hälfte bei der Diako angestellt ist. Was unterscheidet die beiden Träger?
In der Hauptsache nichts. Beides sind Krankenhäuser, deren Arbeit von christlichen Werten geprägt ist und für die im Vordergrund steht, dass sie ihre Patientinnen und Patienten so gut wie möglich versorgen. Damit besteht für mich in den grundlegenden Fragen, auf die es für uns als Ärzteschaft ankommt, eine große Schnittmenge.
Sehen Sie mit der Übernahme auch Chancen verbunden?
Ja, besonders mit Blick auf das künftige Fördeklinikum. Die Diako hätte nicht mehr die Mittel gehabt, um den für einen Neubau erforderlichen Eigenanteil aufzubringen. Die Malteser können diese Mittel offensichtlich aufbringen. Es ist politischer Wille, dass das Fördeklinikum der führende Schwerpunktversorger im Norden wird. Wenn dies unter dem Dach der Malteser gelingt, sehe ich das positiv.
Bereitet der Trägerwechsel von einem evangelischen zu einem katholischen Träger niemandem Probleme? In der regionalen Presse wurde kritisiert, dass nun beide Krankenhäuser ab März in Trägerschaft einer „randständigen Religionsgemeinschaft“ seien…
Da Schleswig-Holstein von einem katholischen Ministerpräsidenten geführt wird, befinden wir uns in guter Gesellschaft. Klar, die Übernahme hat in Flensburg Wellen geschlagen und ich persönlich finde, dass nicht jede Äußerung dazu hilfreich war. Die große Mehrheit der Beschäftigten dürfte nach meiner Wahrnehmung kein Problem damit haben, für einen katholischen Träger zu arbeiten. Für die hier tätigen Ärztinnen und Ärzte kann ich sagen: Für uns nicht entscheidend, ob ein Träger evangelisch oder katholisch ist, sondern, ob wir die richtigen medizinischen Entscheidungen treffen. Es geht um die Ziele für die medizinische Versorgung und um die wirtschaftliche Potenz des künftigen Trägers. Der ist aus meiner Sicht gewillt, die medizinische Versorgung der Region auf einem hohen Niveau sicherzustellen.
Die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch können Sie in der Diako auf jeden Fall nicht mehr treffen. Die Malteser haben klargestellt, dass es keine Abbrüche in einem Haus ihrer Trägerschaft geben wird.
Das ist das Thema, das bei der Übernahme am meisten zu schaffen macht und auf das sich vieles in der öffentlichen Diskussion fokussiert. Aber man sollte auch bedenken, dass diese Frage nur einen kleinen Ausschnitt unserer Arbeit berührt und ich finde es bedauerlich, dass diese Frage in der öffentlichen Diskussion alles andere überlagert.
Zugleich muss man aber auch sagen, dass es vielen Ärztinnen und Ärzten in unserem Haus wichtig war, dass Schwangerschaftsabbrüche bei uns möglich waren. Es gibt große Unzufriedenheit darüber, dass sich dies ändert.
Aber die Rechtslage ist klar: Der Träger darf dies ablehnen. Die Frage der Schwangerschaftsabbrüche ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, das von den Krankenhäusern in Flensburg nicht zu lösen ist. Ich persönlich sehe die Stadt Flensburg in der Verantwortung, Lösungen zu erarbeiten. Die Stadt weiß seit vielen Jahren, wie die Malteser zu dieser Frage stehen und konnte sich darauf vorbereiten. Es war bekannt, dass diese Frage im Zuge der gemeinsamen Krankenhauses am neuen Standort Antworten erfordert. Die müssen jetzt schneller erfolgen.
Stichwort neues Krankenhaus: Am Fahrplan für das Fördeklinikum soll sich nichts ändern. Ist das realistisch?
Linstedt: Ich glaube schon. Aus meiner Sicht spricht die jetzige Übernahme und die alleinige Trägerschaft der Malteser am Fördeklinikum nicht dagegen. So wie ich die Planungen dafür bislang erlebe, wird das neue Haus refolgreich umgesetzt.
Vielen Dank für das Gespräch





