
Diabetesversorgung belastet Familien
Prof. Julia Szendrödi, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Klinikleiterin aus Heidelberg, erläuterte während einer Kongress-Pressekonferenz, dass Diabetes nicht nur in Praxen und Kliniken behandelt werde, sondern dass ein großer Teil der Versorgung im Alltag stattfinde.
Familien gleichen Versorgungslücken aus
„Angehörige übernehmen dabei viele Aufgaben, die im Versorgungssystem bislang kaum sichtbar sind“, so Szendrödi. Versorgungslücken würden demzufolge häufig von Familien ausgeglichen werden. Dies zeige sich insbesondere bei Kindern mit Typ‑1‑Diabetes: Die Insulintherapie sei komplex, erfordere ständige Aufmerksamkeit – Eltern müssten oft rund um die Uhr Glukosewerte kontrollieren, Insulin anpassen und auf Notfälle reagieren, so die DDG-Präsidentin. Gleichzeitig fehlten in vielen Kitas und Schulen verlässliche Strukturen für medizinische Unterstützung, sodass Eltern selbst während der Betreuungszeiten zentrale Aufgaben übernehmen müssten, was sich auch häufig unmittelbar auf ihre eigene berufliche Situation auswirke.
School Nurses sind in Schleswig-Holstein die Ausnahme
Die DDG unterstützt einen aktuellen Bericht eines interdisziplinären Expertenbündnisses zur Schulgesundheitspflege, in dem die gesetzlich verankerte Implementierung sogenannter School Nurses an allen Schulen gefordert wird. Diese könnten erwiesenermaßen Kinder mit chronischen Erkrankungen unterstützen, Gesundheitskompetenz vermitteln, Lehrkräfte entlasten, Eltern Sicherheit geben und Inklusion ermöglichen, so die DGG. Bislang ist die Zahl solcher School Nurses deutschlandweit niedrig, laut Bericht gibt es in Schleswig-Holstein bislang zwei dieser Schulgesundheitsfachkräfte.
Info: Diabetes in Deutschland
Bundesweit leben aktuell 9,3 Mio. Menschen mit Diabetes (11,6 % der Männer, 9 % der Frauen), jährlich erkranken 450.000 Menschen neu. Diabetiker haben ein 1,5-fach erhöhtes Sterberisiko und verursachen doppelt so hohe Gesundheitskosten (ca. 30 Mrd. im Jahr) wie stoffwechselnormale Menschen. Diabetes bleibt 4 bis 7 Jahre unerkannt, Hausärzte versorgen im Schnitt 100 Menschen mit Diabetes. Quelle: DDG
Adipöse Menschen sind „Hard Loser"
Aus dem UKSH Campus Kiel stellte Jule Ziegler, Klinik für Innere Medizin, eine Studie vor, die untersuchte, warum manche Menschen trotz Überernährung kaum zunehmen („Hard Gainers“), während andere trotz Diäten nur schwer abnehmen („Hard Losers“). Dazu wurden sehr schlanke und adipöse Personen 24 Stunden fasten gelassen und ihre Stoffwechselreaktionen verglichen.
Beide Gruppen stellten im Fasten auf Fettverbrennung und Ketonkörperproduktion um, doch die schlanken Teilnehmenden zeigten eine deutlich stärkere metabolische Flexibilität: Sie schalteten stärker auf Fettverbrennung um, produzierten mehr Ketonkörper und steigerten ihren Energieverbrauch. Adipöse Personen zeigten diese Reaktionen dagegen kaum. Ketonkörper wie β‑Hydroxybutyrat könnten künftig als Biomarker für ein erhöhtes Adipositasrisiko oder einen erfolgreichen Gewichtsverlust dienen, so die Schlussfolgerung der Studienautorinnen und -autoren.
Weitere Studien aus dem Norden
Weitere Studien aus Schleswig-Holstein, die beim Kongress vorgestellt wurden, befassten sich unter anderem mit der großen Bedeutung einer Gewichtsreduktion nicht nur für die metabolische, sondern auch für die pulmonale Gesundheit (TrinetX-Analyse), mit der Möglichkeit, einen Prädiabetes durch eine Nicotinsäure-Supplementierung zurückzudrängen (CONCEPT-Studie) und eine Untersuchung, die darauf hindeutet, dass eine gestörte Glukoseregulation zu frühen neuroretinalen Veränderungen, bei Adipösen insbesondere zu einer Abnahme der retinalen Nervenfaserschicht, beitragen könnte.





