Eine Person benutzt eine Lanzette am Finger, um ihren Blutzuckerspiegel zu messen. Das Blutzuckermessgerät liegt daneben auf einem Holztisch.
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Diabetes verstärkt Arthrose

Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickeln nicht nur häufiger eine Arthrose, sie benötigen auch überdurchschnittlich oft ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk. Gleichzeitig tragen sie ein erhöhtes Risiko für Komplikationen rund um den operativen Eingriff: Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel beeinträchtigt die Wundheilung, fördert Entzündungsprozesse und steigert das Infektionsrisiko. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE) Anfang Dezember bei ihrer Jahrestagung in Berlin aufmerksam gemacht.

Uwe Groenewold

Diabetologin PD Dr. Svenja Meyhöfer, I. Medizinische Klinik und Leiterin der Adipositas-Tagesklinik am UKSH in Lübeck, kennt das Problem aus dem klinischen Alltag. „Patientinnen und Patienten in der Diabetesversorgung sind häufiger von Arthrose betroffen als Stoffwechsel-gesunde Personen. Hinzu kommen Begleitfaktoren wie Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Bewegungsmangel, die die Gelenkdegeneration weiter beschleunigen“, erklärte Meyhöfer im Interview mit dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt. Sie verwies auf die Bedeutung einer guten Diabetes-Einstellung. „Damit kann eine Arthrose zwar nicht vollständig verhindert werden, jedoch lässt sich vermutlich der Krankheitsverlauf verlangsamen und das Risiko für besonders aggressive oder früh mit Komplikationen versehene Arthrosen verringern.“ Insgesamt verbessere eine stabile Stoffwechselführung nicht nur die Prognose für mikrovaskuläre Organsysteme, sondern wirke sich auch positiv auf den Erhalt knorpelgebundener und anderer kollagenreicher Strukturen aus. „Eine gute Diabeteskontrolle bedeutet daher nicht nur metabolischen Schutz, sondern begünstigt auch einen physiologischeren Gelenkverlauf über die Zeit.“

Ziel: Ernährungstherapie personalisieren
Dass sich eine Diabeteserkrankung ungünstig auf eine Endoprothesen-Operation auswirken kann, bestätigte auch Prof. Babak Moradi, Direktor der Orthopädie am UKSH in Kiel: „Es ist tatsächlich so, dass ein schlecht eingestellter Zucker bei Diabetikern zu einer erhöhten Infekt-Rate führen kann.“ Dies werde im Rahmen der präoperativen Vorbereitung abgeklärt, so Moradi, denn künftig solle diesen Patienten in Kiel vor dem geplanten Eingriff noch besser als bisher geholfen werden. 
Sein Klinikkollege Prof. Hadrian Platzer ergänzte: „Basierend auf einem ausführlichen Ernährungs-Assessment bieten wir 2026 in Kooperation mit dem Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde der Christian-Albrechts-Universität eine Arthrose-spezifische Ernährungsberatung an.“ Mittelfristiges Ziel sei hierbei, das Therapiepotential von Ernährung in Abhängigkeit vom Arthrose-Subtyp zu definieren und die Ernährungstherapie zu personalisieren. „Bis dahin können wir uns auf sehr gute Daten zur mediterranen Ernährung bei Arthrose stützen. Diese fordern aus meiner Sicht eine Empfehlung einer anti-inflammatorischen Ernährungsform bei Arthrose“, so Platzer. Begleitend solle untersucht werden, wie sich die Ernährungsform der Patienten und Patientinnen auf das postoperative Outcome insbesondere nach einer Endoprothesen-Implantation auswirke.

Enge Zusammenarbeit der Fachgruppen wichtig
Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik hat bei ihrem Kongress empfohlen, Patienten mit Diabetes gezielt auf eine Gelenkoperation vorzubereiten. Dazu gehöre etwa, den HbA1c auf unter 7 % zu senken, körpereigene Blutreserven zu stärken, Gewicht zu reduzieren, moderat körperlich aktiv zu sein und die Atmung zu trainieren. „Eine sorgfältige Vorbereitung und die enge Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Orthopäden und Anästhesisten sind entscheidend, um das Risiko für Infektionen und Wundheilungsstörungen zu minimieren“, betonte Prof. Robert Hube, Präsident der Fachgesellschaft aus München.

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