Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski, Leiterin des Brustkrebszentrums am UKSH in Lübeck: Kopfportait einer blonden, schlanken, lächelnden Frau
Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski ©UKSH
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DGS-Kongress: Neue S3-Leitlinie ist gute Nachricht

Eine aktualisierte S3-Leitlinie, klinische Verbesserungen in der medikamentösen Therapie, kritische Blicke auf Social-Media-Aktivitäten – die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) in Stuttgart hatte für die Beteiligten einiges zu bieten.

Uwe Groenewold

Die größte Kongressdelegation kam aus dem Brustzentrum des UKSH in Lübeck, das mit 16 Teilnehmenden vor Ort war. „Besonders war dabei, dass auch fünf Breast Nurses aus unserem Team am Kongress teilnehmen konnten. Für sie waren Sessions zu Kinderwunsch, Psychoonkologie und genetischer Belastung von Bedeutung“, erklärte Prof. Maggie Banys-Paluchowski, die zur Co-Kongresspräsidentin der DGS-Jahrestagung 2026 in Stuttgart gewählt wurde.
Im Fokus stand u.a. die Überarbeitung der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms – ein zentrales Instrument für evidenzbasierte und qualitätsgesicherte Versorgung. „Diese Mammutaufgabe dauerte drei Jahre, nun sind alle Kapitel vollständig aktualisiert“, sagte die Lübecker Ärztin, die an der Überarbeitung mitgewirkt und die AG Operative Therapie geleitet hat. Empfehlungen und Änderungen wurden im Rahmen des Kongresses vorgestellt. Erörtert wurde die Deeskalation der axillären Operation. Dank aktueller Studienergebnisse ist es erstmalig möglich, bei ausgewählten Patientinnen auf die Entnahme des Wächterlymphknotens zu verzichten. Banys-Paluchowski: „Das ist eine gute Nachricht für viele betroffene Frauen. Die Kriterien für den Verzicht der Lymphknotenentnahme haben wir so definiert: Die Patientin ist mindestens 50 Jahre, postmenopausal, und hat einen Hormonrezeptorpositiven HER2-negativen Tumor im Stadium G1 bis G2 von maximal 2 cm Größe mit klinisch unauffälliger Axilla und geplanter brusterhaltender Therapie.“

Zunehmende Bedeutung der molekularen Medizin
Die molekulare Medizin nimmt bei der Behandlung von Brustkrebs eine größere Bedeutung ein. „Es geht aber auch darum, die Patientinnen in ihrer Ganzheit zu sehen und gemeinsam mit ihnen in ihrer Lebensumgebung, unter Berücksichtigung der Ethnie, der körperlichen und auch seelischen Bedürfnisse, eine individuelle maßgeschneiderte Therapie und Betreuung anzubieten“, sagte Dr. Manfred Welslau aus Aschaffenburg. Für das frühe Mammakarzinom bedeute dies bessere Heilungschancen, für das metastasierte Mammakarzinom könne individualisiertes Vorgehen eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Verlängerung des Überlebens bedeuten.
Zu metastasiertem Brustkrebs wurden Ergebnisse von klinischen Studien, die auf dem Krebskongress ASCO präsentiert wurden, diskutiert. Vor allem die Frage, ob es bald einen neuen Therapiestandard beim HER2-positiven Brustkrebs geben werde, teilte das Publikum, wie Banys-Paluchowski erläuterte: Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Deruxtecan in Kombination mit Pertuzumab verlängere das progressionsfreie Überleben in einer klinischen Studie zwar deutlich, jedoch wurde die Toxizität der Behandlung als Nachteil erörtert.
Auch die Chancen und Risiken von Social Media in der Krebsmedizin wurden beleuchtet. Digitale Fortbildungsplattformen werden als zielführend und zeitsparend wahrgenommen, die Rolle von Medizin-Influenzern („Medfluencer“) dagegen kritisch beäugt. Dabei handele es sich oft um Medizinstudierende ohne Studienabschluss, die im Netz jedoch als Ärzte wahrgenommen werden. Hier vermische sich oft Werbung mit nicht immer seriösen Gesundheitstipps, so die Kritik beim DGS-Kongress.

Früherkennung

Regelmäßige Teilnahme an der Brustkrebsfrühkennung führt zu einer höheren Entdeckungsrate kleiner und prognostisch günstiger Karzinome. Das zeigen Auswertungen für das deutsche Mammographie-Screening-Programm. Rund 2,9 Millionen Frauen wurden untersucht, was einer Teilnahmerate von 51 % entspricht. Der größte Anteil der rund 18.000 entdeckten Karzinome wurde im Frühstadium erkannt. 80 % waren maximal 2 cm groß und ohne Lymphknotenbefall. Vor Einführung des Screenings waren lediglich 57 % der Brustkrebsfälle im prognostisch günstigen Stadium.

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