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Der Eingang zur Messehalle des Deutschen Krebskongresses 2026 mit einem grünen Banner über dem breiten Portal.
© Peter-Paul Weiler
© Peter-Paul Weiler

Deutscher Krebskongress: Junge Talente für die Onkologie gesucht

Der Deutsche Krebskongress (DKK) 2026 bot in diesem Jahr mehr als 300 wissenschaftliche Sitzungen. Für den gemeinsamen Kongress der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe interessierten sich insgesamt 12.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Unter dem Motto „zusammen – gezielt – zukunftsfähig“ informierten sie sich über neueste Entwicklungen in der Onkologie.

Uwe Groenewold

Der Deutsche Krebskongress (DKK) 2026 in Berlin ist Geschichte: In mehr als 300 wissenschaftlichen Sitzungen haben sich rund 12.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter dem Motto „zusammen – gezielt – zukunftsfähig“ über neueste Entwicklungen in der Onkologie informiert und gemeinsam diskutiert. Besonders gefreut haben sich die Veranstalter – Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Krebshilfe – über die vielen jungen Menschen, die zum Krebskongress nach Berlin gekommen sind.

Demografischer Wandel macht sich bemerkbar
Deutlich wurde auf dem Kongress: Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel beeinflussen auch die Onkologie stark. Die Veranstalter stellten die Nachwuchsgewinnung so prominent wie nie zuvor in den Mittelpunkt. „Für eine zukunftsfähige Onkologie benötigen wir junge Talente mit Begeisterung und frischen Ideen – etwa bei der Entwicklung von KI-Modellen und ethischen Fragestellungen“, betonte Kongresspräsidentin Prof. Anke Reinacher-Schick aus Bochum. Neue Formate wie ein „Speeddating“ der onkologischen Fachdisziplinen oder auch Workshops zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zu Frauen in Führungspositionen sowie die Möglichkeit, sich mit Unterstützung von Mentoren im wissenschaftlichen Programm zu präsentieren, sollten während der Kongresstage helfen, Nachwuchswissenschaftler für die Onkologie zu begeistern. 
 

Prof. Claudia Baldus, Kopfportrait einer lächelnden Frau mit rotbraunen kurzen Haaren und Brille
Prof. Claudia Baldus ©UKSH

„Der Zugang zu neu zugelassenen Medikamenten ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union sehr gut.“ 

Prof. Claudia Baldus

Auch Schleswig-Holstein war in Berlin wieder mit zahlreichen Expertinnen und Experten, insbesondere aus dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), vertreten. Für Prof. Claudia Baldus, Direktorin der Klinik für Hämatologie und Onkologie in Kiel, ist der Kongress ein „breites Informations- und Weiterbildungsportal mit der Möglichkeit, eigene Daten und Themen sichtbar zu präsentieren“, wie sie auf Anfrage des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes erklärte. Exemplarisch dafür stehe das Symposium „Noch Kind oder schon erwachsen? Pädiatrisch- und internistisch-hämatologische Konzepte für Patientinnen und Patienten ´dazwischen´“. Dabei schilderte Dr. Annika Rademacher aus der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin den Fall eines 18-jährigen Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie. PD Dr. Martin Neumann aus der Klinik für Hämatologie und Onkologie stellte das internistisch-hämatologische Konzept der Kieler Klinik vor. 

Viele Beiträge aus Schleswig-Holstein 
Besonders sichtbar war die Rolle des UKSH in Berlin durch die Keynote von Prof. Anne Letsch, ebenfalls aus der Klinik für Hämatologie und Onkologie in Kiel. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Optimierung onkologischer Behandlungskonzepte und die patientenzentrierte Supportiv- und Palliativversorgung als integraler Bestandteil moderner Krebsmedizin. Prof. Katrin Hertrampf aus Kiel präsentierte ein nationales Präventionsprojekt zur besseren Früherkennung von Tumoren der Mundhöhle, Dr. Björn-Ole Bast einen seltenen Fall von isolierten Knochenmetastasen bei einem Spindelzellsarkom. Aus Lübeck war unter anderem Dr. Nikolas Tauber als Referent in Berlin im Einsatz. Tauber stellte die Ergebnisse einer von der AG Mamma der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe organisierten Online-Befragung von Onkologen und Gynäkologen zur medikamentösen Brustkrebstherapie vor. Prof. Christian Doehn aus dem Urologikum Lübeck hob in einem Vortrag die Bedeutung der Früherkennung beim Urothelkarzinom hervor.
 

Prof. Anke Reinacher-Schick, Halbportrait einer schlanken blonden Frau im dunklen Blazer in einem hellen, verglasten Foyer
Prof. Anke Reinacher-Schick ©Peter-Paul Weiler

„Für eine zukunftsfähige Onkologie benötigen wir junge Talente mit Begeisterung und frischen Ideen – etwa bei der Entwicklung von KI-Modellen und ethischen Fragestellungen.“

Prof. Anke Reinacher-Schick

Baldus selbst hatte den Vorsitz in dem Symposium „Zugang zu Arzneimitteln in der Krebsmedizin“. Darin ging es einerseits um den Einsatz von Medikamenten außerhalb der Zulassung (Off-Label-Use) für Patienten mit seltenen Tumorerkrankungen oder seltenen molekularen Veränderungen. Dieser sei schwierig und mühsam in der Beantragung, so Baldus: „Hier braucht es klare Absprachen und Grundsätze, wie für ausgewählte und begründete Fälle diese Medikamente den Patienten zur Verfügung gestellt werden können.“ Zum anderen wurden mögliche Versorgungseinschränkungen thematisiert – die in Deutschland und auch in Schleswig-Holstein für Krebsmedikamente in aller Regel kein gravierendes Problem seien, wie Baldus betonte. „Auch der Zugang zu neu zugelassenen Medikamenten ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union sehr gut.“ 

Zytostatika: Lieferengpässen besser vorbeugen
Allerdings habe es kurz vor Kongressbeginn eine Information zu einem Lieferengpass für die Zytostatika Cyclophosphamid und Ifosphamid gegeben. „Diese Einschränkungen der Verfügbarkeit sind kritisch zu beurteilen, da in vielen Indikationen keine therapeutischen Alternativen vorhanden sind. Als Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie bin ich mit meinem Team im engen Austausch mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, das alternative Beschaffungen aus dem Ausland prüft. Insgesamt braucht es geeignete Strategien, um potentiellen Engpässen vorzubeugen.“
 

230.400 Krebstote in Deutschland
Krebs führt bei Menschen im jüngeren und mittleren Alter seltener zum Tod als noch vor 20 Jahren, auch wenn insgesamt die Zahl der an Krebs Gestorbenen steigt. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Weltkrebstages Anfang Februar mitgeteilt. Demzufolge sind 2024 in Deutschland 230.400 Menschen an Krebs gestorben, 10,1 % mehr als im Jahr 2004. Der Anstieg ist vor allem auf die Alterung der Gesellschaft zurückzuführen, 2024 kamen auf 100.000 Einwohner 273,5 Krebstote, 20 Jahre zuvor waren es noch 322,4. Die Sterblichkeit ging in nahezu allen Altersgruppen zurück, Ursachen dafür sind wahrscheinlich verbesserte Behandlungsmethoden, Möglichkeiten zur Früherkennung sowie Prävention. Häufigste krebsbedingte Todesursache ist Lungen- und Bronchialkrebs mit 45.100 Todesfällen, vor Darmkrebs (23.600), Bauchspeicheldrüsenkrebs (19.500), Brustkrebs (18.700) und Prostatakrebs (15.500). Mehr als die Hälfte (55,5 %) aller im Krankenhaus behandelten Krebspatienten war 2024 zwischen 60 und 79 Jahre alt. (Quelle: Statistisches Bundesamt)
 

Jede zweite Person in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Krebs. Schätzungen der OECD zufolge wird die Krebsneuerkrankungsrate bis 2040 in der EU im Vergleich zum Jahr 2022 um 18 Prozent steigen. Neben einer zielgerichteten und personalisierten Therapie und einer auf Risikogruppen ausgerichteten Früherkennung gewinnt die Prävention immer größere Bedeutung.

„Zwei von fünf Erkrankungen wären durch gesundheitsbewusstes Verhalten vermeidbar gewesen. Viele der Schicksale könnten durch Prävention und Früherkennung verhindert oder deutlich abgemildert werden“, sagte Prof. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Trotz dieses enormen Potenzials werde die Prävention im deutschen Gesundheitswesen sträflich vernachlässigt: „Andere Länder liegen da weit vor uns“, sagte Baumann.

CLARO-Studie belegt Wissenslücken in der Bevölkerung
In Heidelberg wurde 2019 zusammen mit der Deutschen Krebshilfe das Nationale Krebspräventionszentrum (NCPC) gegründet, das sich zum Ziel gesetzt hat, in ganz Deutschland eine evidenzbasierte und zunehmend personalisierte Krebsprävention systematisch auszubauen. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte CLARO-Studie, mit der die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung ermittelt werden soll und deren erste Ergebnisse in Berlin vorgestellt wurden. 

Studienkoordinatorin Mona Illmann erläuterte, dass es bei den rund 1.200 befragten Bürgern große Wissenslücken bezüglich Krebsrisikofaktoren gebe. Zwar wisse eine große Mehrheit, dass Rauchen und UV-Strahlung Krebs verursachen, doch schon die Tatsache, dass Alkohol und Bewegungsmangel potenziell kanzerogen sind, sei weniger bekannt. Sehr große Wissenslücken gebe es bei medizinischen Risikofaktoren wie Adipositas, COPD oder HPV-Infektion, außerdem bei ernährungsassoziierten Krebsrisiken wie zu viel rotes Fleisch, zu wenige Ballaststoffe sowie zu fett- oder zuckerreiche Nahrung. 

Bewusstsein für krebsförderndes Verhalten schärfen
Ziel der Studie ist es, Strategien zu entwickeln, mit denen insbesondere Menschen mit geringer Krebskompetenz besser erreicht werden können. Dazu, so Illmann, sollen Informationsmaterialien erstellt werden, die das Bewusstsein für die Veränderbarkeit des eigenen Krebsrisikos langfristig fördern sollen.
 

PD Dr. Markus Zimmermann: Darmkrebs betrifft immer mehr junge Menschen

In Sachen Darmkrebs gibt es viele gute Botschaften: von Innovationen in der Therapie bis zur sinkenden Zahl an Todesfällen. Experte PD Dr. Markus Zimmermann aus der Schön Klinik Neustadt treibt dennoch eine Sorge um: Immer mehr junge Menschen erkranken an Darmkrebs. Wie man gegensteuern könnte, berichtet er im Podcast.

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