Ein schlanker Mann in dunkelrotem Hemd und blauer Hose dirigiert ein Orchester bei der Probe in einer Kirche. Alle sind zwanglos gekleidet.
Prof. Jan Löhler probt mit dem Deutschen HNO-Orchester in der Hamburger Martin-Luther-Kirche ©Eike Ina Lamberty
Prof. Jan Löhler probt mit dem Deutschen HNO-Orchester in der Hamburger Martin-Luther-Kirche ©Eike Ina Lamberty

Deutsches HNO-Orchester: „Das Schönste ist es, Gemeinschaft zu erleben“

Mit sechs Jahren lernte er Flöte, mit elf Klavier, mit 16 Orgel. Und seit 2014 leitet er gleich ein ganzes Ärzteorchester: Der in Bad Bramstedt niedergelassene HNO-Facharzt Prof. Dr. Jan Löhler, Präsident seines Berufsfachverbands und frisch im Amt bestätigter Vorsitzender der Landesgruppe Schleswig-Holstein im Virchowbund, brennt für Musik mindestens so leidenschaftlich wie für seinen Berufsstand.

Eike Ina Lamberty

Wenn jemand mir vor 15 Jahren gesagt hätte, dass ich mal ein Orchester gründen und leiten würden, hätte ich abgewinkt. Das hätte ich mir nie zugetraut“, sagt Löhler. Gleichzeitig verfügte er über genug musikalische Kompetenz, Erfahrung und Anspruch, dass der missglückte Auftritt eines Klavierduos bei der Eröffnung des jährlichen HNO-Kongresses ihn einst nachhaltig ärgerte. Das spornte ihn an. Mit seinem damaligen, ebenfalls enttäuschten und ebenfalls hochmusikalischen Sitznachbarn, dem Bochumer HNO-Ordinarius Prof. Stefan Dazert, war er sich einig: „Das können wir selbst besser machen.“

Prof. Jan Löhler, ein schlanker Mann im dunkelroten Hemd, steht mit Taktstock in einer Kirche vor einem Buntglasfenster und hebt den Taktstock.
© Eike Ina Lamberty

Wenn man sich beruflich sehr engagiert, ist es gut, dass man nebenbei etwas hat, was einen geistig so fordert, dass man abschalten kann.“

Prof. Jan Löhler

Kurzentschlossen startete Löhler einen Aufruf in der HNO-Verbandszeitschrift, suchte Musiker für ein HNO-Orchester. Mit Erfolg. „Es meldeten sich direkt genug Interessenten für ein erweitertes Streichorchester plus Cembalo“, sagt der Mediziner. Premiere feierte das frischgebackene Deutsche HNO-Orchester bei der Eröffnung des Verbandskongresses 2014. 

Orchester umfasst 50 Mitglieder, zwei aus Schleswig-Holstein
Heute umfasst das Ensemble etwa 50 HNO-Ärztinnen, -Ärzte, Angehörige und Freunde aus ganz Deutschland, zwei davon aus Schleswig-Holstein: Dr. Verena Steinmann arbeitet in Bad Bramstedt, Dr. Janusz Ingwersen in Kiel. Zweimal pro Jahr treten sie auf: bei der Eröffnung des HNO-Fachkongresses und bei der Tagung der wissenschaftlichen Fachgesellschaft. „Wir haben als Gruppe wirklich viel Spaß miteinander“, sagt Löhler. „Das Schönste an der Orchesterarbeit ist es, diese Gemeinschaft zu erleben.“

 

Die will gepflegt werden. Nur an zwei Probenwochenenden pro Jahr sehen sich alle Ensemblemitglieder in Präsenz, feilen gemeinsam am Gesamtklang. Ansonsten übt jede und jeder den eigenen Part für sich in seinem jeweiligen Winkel der Republik. 

Durchorganisierter Arbeitsprozess
Der Arbeitsprozess ist straff durchstrukturiert: „Ich gebe frühzeitig bekannt, was wir spielen werden“, zählt Löhler auf. Die Musiker laden sich die Noten herunter, Löhler gibt Tempo und Dynamik vor und die Erste Geige als Konzertmeisterin richtet zusammen mit den übrigen Stimmführern die sogenannten „Striche“ ein, das synchrone Auf und Ab der Geigen-, Bratschen-, Cello- und Bassbögen. „Alle sind sehr motiviert, viele spielen auch in anderen Orchestern. Das ist ein großer Schatz“, sagt Löhler, „von diesen Kolleginnen und Kollegen habe ich sehr viel gelernt“.

Einen wirklichen Lieblingskomponisten habe er nicht, sagt der Mediziner. „Es gibt nur gute und schlechte Musik, da unterscheide ich nicht nach klassischer und eher unterhaltender Musik.“ Ein paar musikalische „Hausgötter“ nennt er aber doch: Bach – „man kann aus seinen Werken so viel lernen“ –, Beethoven und Brahms, daneben Mendelssohn-Bartholdy, Schumann und Schubert. „Auch Mozart, aber um seine glasklaren Harmonien richtig gekonnt hinzubekommen, muss man wahnsinnig gut sein.“

Sein Ziel bei der Orchesterarbeit sei ein gutes Klangerlebnis, eine saubere Intonation. „Dass wir gemeinsam Freude haben, das Stück zu spielen.“ Wenn das so gut gelingt, dass die Besucher bereits bei der Generalprobe im Rahmen eines Gottesdienstes spontan Beifall klatschten, „dann ist das einfach schön“.

Die Orgel fasziniert ihn 
Löhlers Kompetenz als Orchesterdirigent kommt nicht von ungefähr. Nach Flöte und Klavier widmete er sich der Orgel. Im Kirchenchor war er von Kindesbeinen an aktiv. „Orgel zu spielen, war mein Lebenstraum, seit ich zwei war.“ Sein erster Orgellehrer, der örtliche Kantor Hans-Jürgen Wulf, war ein Glücksfall für ihn. Wulf ist heute Landeskirchenmusikdirektor der Nordkirche.

Als junger Erwachsener übte Löhler jede Woche elf Stunden Orgel, absolvierte später die Ausbildung zum nebenamtlichen Kirchenmusiker, das C-Diplom. „In keinem anderen musikalischen Fach ist die Ausbildung so vielseitig, man erwirbt ein breites Wissen, das sich auch auf die Ensemblearbeit übertragen lässt.“ Bei Konzerten, Kursen und online schaute er berühmten Dirigenten über die Schulter. Kent Nagano, Christoph von Dohnanyi und Herbert von Karajan begeistern ihn, ebenso Leonard Bernstein – „erfrischend“ – und Christian Thielemann. Menschlich sei dieser ihm eher fern, aber fachlich-musikalisch sei Thielemann top.

Positives Gemeinschaftsgefühl 
Für ihn sei Musizieren pure Entspannung, sagt der Arzt: „Wenn man sich beruflich sehr engagiert, ist es gut, dass man nebenbei etwas hat, was einen geistig so fordert, dass man abschalten kann.“ Beim Musizieren verbänden sich Kontemplation und aktives Tun.

Was erlebt er als größte Herausforderung beim Dirigieren? „Die Koordination auf allen Ebenen“, sagt Löhler. „Dass man alle zusammenbringt und so von einer musikalischen Idee begeistert, dass sie bereit sind dieses Ziel zu verfolgen, und so ein positives Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen.“

Mitspielen dürfe jeder, der anrufe oder eine Mail schreibe. „Als Interessent hört man sich erstmal ein Konzert an, meistens beim Kongress. Wer sich die benötigte Basisfähigkeit zutraut, kommt zur Probe“, sagt Löhler. „Wir haben viele Musiker im Orchester, die sich vorher nie in ein großes Ensemble gewagt haben. Hier sind sie zu starken Persönlichkeiten herangewachsen, die sich etwas trauen.“

Ähnliche Beiträge
Landkarte der bunt eingefärbten sechs Versorgungsregionen in Schleswig-Holstein
©Ministerium für Justiz und Gesundheit
01.07.2026

Die Klinikplanung in Schleswig-Holstein konkretisiert sich. Heute gab Gesundheitsministerin Kerstin…

Mit Audio-beitrag
En großer mann mit brille, in weißem hemd und dunklem Sacko, steht neben ener Frau mit kurzen Haaren, die ein grün-weißes Kleid trägt.
Dr. Christian Kuhnt mit Dr. Gisa Andresen © Katja Willers
07.07.2026

Das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) hat begonnen – und unter den zahlreichen Besuchern sind…

Mann mit kurzen Haaren im weißen Hemd, schwazem Sacko und roter Krawatte lächelt in die Kamera.
Prof. Jan Löhler © Lopata_axentis
01.07.2026

Die Landesgruppe Schleswig-Holstein im Virchowbund hat ihren Vorstand gewählt. Neben dem im Amt…

Ein glatzköpfiger Mann im blauen Arztkasack steht am Praxistresen und lächelt in die Kamera.
Dr. Michael Schroeder © Eike Lamberty
15.06.2026

Nach dem gemeinsamen Auftritt der Gesundheitsorganisationen am 10. Juni in Kiel erläuterten Dr.…

Prof. Henrik Herrmann, ein weißhaariger Mann mit Vollbart und Brille beantwortet im Anzug Interviewfragen.
Prof. Henrik Herrmann © AEKSH
01.06.2026

Die Kritik am Spargesetz von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wird breiter und lauter.…

placeholder
21.05.2026

Eine Nasenkorrektur, bei der es im Ergebnis zu einem Schiefstand der Nase kommt, wünschen sich weder…