
DAK: Ängste nehmen zu bei Kindern und Jugendlichen
Im Fokus der wissenschaftlichen Studie, die in zu ähnlichen Ergebnissen wie andere Studien zu diesem Thema kommt, standen Schleswig-Holsteins Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, da sich in dieser Gruppe die größten Anstiege zeigten: 2024 waren landesweit 2.800 junge Frauen betroffen. Im Vergleich zu 2019 ist dies ein Anstieg um 77 Prozent. Besorgniserregend ist für die DAK, dass die Behandlungszahlen im Norden gegen den Bundestrend weiter anstiegen. DAK-Landeschef Cord-Eric Lubinski sagte dazu laut einer Pressemitteilung seiner Krankenkasse: „Ängste, Depressionen und Essstörungen begleiten viele junge Menschen inzwischen dauerhaft – vor allem Mädchen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einen Teil dieser Generation verlieren.“ Er gab zu bedenken, dass Jugendliche oft auch später als Erwachsene an den Folgen ihrer psychischen Erkrankungen litten - was wiederum ihre Familien oder ihr Arbeitsleben belaste.
Die Zahlen im Überblick
2024 wurden in Schleswig-Holstein rund 23 von 1.000 DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 17 Jahren mit einer Angststörung behandelt. Das entspricht hochgerechnet landesweit rund 8.300 Kindern und Jugendlichen. Seit 2021 sind die Zahlen bei Schulkindern und Jugendlichen auf einem hohen Niveau und stiegen zuletzt weiter. Diese Plateau-Bildung zeigt sich laut DAK besonders deutlich bei jugendlichen Mädchen - 68 von 1.000 mussten mit einer Angststörung ambulant oder stationär versorgt werden. Hochgerechnet waren es landesweit rund 2.800 Teenagerinnen im Alter von 15 bis 17 Jahren.
Besonders starke Anstiege sind bei den sozialen Phobien und Panikstörungen zu verzeichnen. So verdoppelten sich die Behandlungszahlen bei Panikstörungen mit einem Plus von 135 Prozent im Vergleich der Jahre 2019 und 2024. Die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit sozialen Phobien haben in diesem Zeitraum mit einem Anstieg um 285 Prozent knapp vervierfacht.
Gefährliche Komorbiditäten
Auch bei den Komorbiditäten zeigt sich ein besorgniserregender Trend. Die Zahl jugendlicher Mädchen, die zeitgleich an einer Angststörung und einer Depression litten, erhöhte sich 2024 im Vergleich zu 2019 um rund 107 Prozent. Die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit Depressionen stiegen 2024 im Vergleich zu 2019 um gut 18 Prozent. 2024 waren in Schleswig-Holstein hochgerechnet rund 2.800 jugendliche Mädchen mit einer Depression in Behandlung. Seit 2021 sind die Zahlen zwar rückläufig, bewegen sich aber immer noch auf einem erhöhten Niveau. Bei den Essstörungen blieben die Fallzahlen seit 2021 erhöht, aber mit einigen Schwankungen. Im Vergleich der Jahre 2019 und 2024 steht bei jugendlichen Mädchen im Norden ein Plus von etwa 67 Prozent. 2024 waren es in Schleswig-Holstein etwa 900 Teenagerinnen zwischen 15 und 17 Jahren mit einer Essstörung in Behandlung.
Multiple Krisen, digitale Medien, Druck
Für Dr. Manuel Munz, Chefarzt am Zentrum für Integrative Psychiatrie in Kiel, erscheint die Pandemie „weniger als Ursache, sondern als Katalysator neben Entwicklungen bei digitalen Medien, multiplen Krisen, gesellschaftlichem Druck gerade in Familien und wachsender Kinderarmut.“ Er gab außerdem zu bedenken: „Dass Jungen seltener in den Statistiken auftauchen, bedeutet nicht, dass es ihnen besser geht. Vielmehr fehlen im Gesundheitssystem bislang tragfähige Angebote für die oft anders geäußerten Folgen psychischer Belastung wie Substanzkonsum, Aggression, Delinquenz oder problematische Mediennutzung. Gerade weil Jugendliche besonders offen für Veränderung sind, bieten eine zielgerichtete Versorgung, Sekundärprävention und auch selektive Primärprävention erhebliche Chancen.“
Datengrundlage
Für die jüngste DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund mehr als 45.600 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Schleswig-Holstein versichert sind, analysiert. Untersucht wurde der Zeitraum von 2019 bis 2024 mit rund 2,4 Millionen ambulanten Arzt- und Therapeutenbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneimittelverschreibungen. Der Fokus der Analyse lag auf der Altersspanne fünf bis 17 Jahre und insbesondere auf jugendlichen Mädchen. (PM/RED)





