Knapp 20 Menschen stehen nebeneinander und lächeln , im Vordergrund halten vier Männer einen überdimensionalen Scheck in die Kamera.
Förderverein Klinik Niebüll ©Reinhard Witt
Förderverein Klinik Niebüll ©Reinhard Witt

Bürger engagieren sich für ihr Krankenhaus

Ein neues MRT, die Auftritte der Klinik-Clowns, die Anstellung einer Diätassistentin: In vielen Krankenhäusern fehlt es dafür an Geld. Oft springen Fördervereine in die Bresche. Seit Jahrzehnten leisten sie an vielen Standorten wertvolle Unterstützung. Die Mitglieder dieser Vereine wertschätzen die Arbeit der örtlichen Klinik damit in besonderer Weise.

Dirk Schnack

Ein MRT der modernsten Generation mit einer Feldstärke von 1,5 Tesla, KI-unterstützt, mit höchster Qualität in der bildgebenden Diagnostik: Mehr als eine Million Euro kostet dieses Gerät. Ist das für ein kleines Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung realistisch?

MRT in Niebüll erspart Patienten weite Wege
Für den Standort Niebüll des Kreiskrankenhauses Nordfriesland schon. Derzeit wird das MRT im OP-Anbau installiert und voraussichtlich im März 2026 in Betrieb genommen. Anfang des Jahres 2025 erhielt die Klinik einen entsprechenden Scheck von seinem Förderverein für die Anschaffung des MRT. Wie außergewöhnlich die Förderung eines solch teuren Gerätes ist, machte Landrat Florian Lorenzen, der Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums ist, deutlich. „Heute ist ein ganz besonderer Tag für unsere Region und unser kleines, aber bedeutendes Krankenhaus. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Kraft der Gemeinschaft wahrhaft Großes bewirken kann“, sagte Lorenzen. Der Vorsitzende des Fördervereins ist zugleich der Bürgermeister der kleinen Stadt im Norden: Thomas Uerschel. Die hohe Summe sieht er gut angelegt, weil den Bewohnern in Südtondern damit weite Wege zum nächsten MRT erspart bleiben. Klinik-Geschäftsführer Stephan W. Unger zeigte sich von der Höhe der Unterstützung, aber auch vom Zusammenhalt in der Region beeindruckt. „Sie setzen damit ein wichtiges Signal für unsere Klinik in Niebüll und deren Belegschaft“, sagte Unger. Möglich wurde die Unterstützung, weil der Förderverein mit regionalen Wind- und Solarpark-Betreibern kooperierte. 

„Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Kraft der Gemeinschaft wahrhaft Großes bewirken kann.“

Florian Lorenzen

Das Beispiel zeigt, wie wichtig Fördervereine für Kliniken in vielen Regionen des Landes inzwischen sind, wenn es darum geht, medizinisch sinnvolle Anschaffungen zu bewältigen. Geräte wie MRT sind aus der modernen Medizin nicht wegzudenken, zugleich aber in der Anschaffung so teuer, dass die Kliniken dies oft weder aus der Investitionskostenförderung, noch aus eigenen Mitteln stemmen können. Viele, aber nicht alle Kliniken Schleswig-Holstein erhalten inzwischen Unterstützung durch Fördervereine. Im Fall von Nordfriesland gilt dies für alle drei Kliniken an den Standorten Husum, Niebüll und am Inselkrankenhaus Föhr-Amrum. Jeder der drei Standorte hat einen eigenständigen Förderverein, der die Klinik vor Ort finanziell und ideell unterstützt. Das Klinikum misst dem Engagement der Fördervereine große Bedeutung bei. 

Zusammenarbeit: politisch, finanziell und kritisch begleitend
Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Klinik und Fördervereinen? In Nordfriesland geschieht dies auf drei Ebenen:
Politisch: Die Fördervereine engagieren sich laut Klinik „intensiv, kreativ und wenn erforderlich auch lautstark“, etwa für den Erhalt der stationären medizinischen Akutversorgung in Nordfriesland. Gemeinsam mit dem Klinikum engagieren sie sich, um auf die besonderen Notwendigkeiten einer ländlich strukturierten Region aufmerksam zu machen. „Die Fördervereine stellen sich dabei stets hinter die Belegschaft und erklären sich mit dieser solidarisch“, teilte die Klinik dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt mit.

Finanziell: Dies verdeutlicht die Klinik an drei Beispielen. Die Inselklinik Föhr-Amrum, mit 18 Betten und rund 1.000 stationären Patienten eine der kleinsten Kliniken Deutschlands, hätte über die Pauschalfördermittelzuweisungen des Landes nicht die Geräte anschaffen können, über die es heute verfügt. U.a. beteiligte sich der Förderverein an der Finanzierung des Computertomografen oder stellte Klimageräte für die Patientenzimmer bereit. In Niebüll sind in den vergangenen Jahren etwa die Sanierung des Bewegungsbades oder des Aufzugs ermöglicht worden. Für den größten Standort in Husum hat der Bürgerwindpark Reußenköge mehr als 800.000 Euro zweckgebunden an den Förderverein gespendet. Dieser Betrag soll ebenfalls für einen MRT eingesetzt werden. Er soll 2026 ein Altgerät ersetzen.

Kritischer Wegbegleiter: „Unsere Fördervereine geben uns immer wieder Hinweise auf Verbesserungspotenziale in unseren Kliniken – häufig aufgrund von Berichten aus der Mitgliedschaft. Das ist für uns wichtig, um unser Leistungs- und Serviceangebot immer wieder kritisch zu hinterfragen“, so die Klinik. Fest steht, dass neben den genannten größeren Anschaffungen auch viele kleine Projekte an den drei Standorten ohne die Arbeit der Fördervereine nicht möglich wären. Dies reicht von der Sanierung eines Wartebereiches in der Klinik Husum über Bewegungsschienen in Niebüll bis hin zur Unterstützung des Umbaus und der Ausstattung der zentralen Notfallaufnahme auf der Insel Föhr. 

Wie bewerten Kliniken die Tatsache, dass solche Anschaffungen durch einen Förderverein erfolgen müssen? In Nordfriesland verweist man auf das Krankenhausfinanzierungsrecht. Danach sind die Bundesländer für die Investitionskosten in einem Krankenhaus zuständig, auch für die vollumfängliche Abdeckung von Wiederbeschaffungen. „An dieser Stelle werden die Fördervereine jetzt quasi kompensatorisch tätig“, so das Klinikum. Es stellt aber auch klar: „Ambulante Anteile an diesen Investitionen müssen die Kliniken selbst tragen – d.h. aus den ambulanten Erlösen generieren. Dies ist illusorisch. An dieser Stelle helfen uns die Fördervereine besonders, was insofern segensreich ist, da der Umfang der ambulanten Leistungsangebote und -mengen in unseren Kliniken von Jahr zu Jahr steigt.“ Kein Wunder, dass die Kliniken um einen kurzen Draht zu den Fördervereinen bemüht sind. Die Geschäftsführung des Klinikums Nordfriesland entsendet bei allen wichtigen Versammlungen einen Vertreter in die Fördervereine. Darüber hinaus gibt es quartalsweise Sitzungen mit Vertretern der Fördervereinsvorstände. Ebenso werden die Fördervereine bei größeren Veranstaltungen des Klinikums eingeladen und sind dort stets präsent.

Besonders viele Förderer auf den Inseln
Der 1991 gegründete Verein für die Klinik in Niebüll hat zurzeit 433 Mitglieder und ist damit größer als der für das Husumer Krankenhaus (rund 70), aber deutlich kleiner als der für die Inselkrankenhäuser (882 Mitglieder bei rund 10.800 Einwohnern auf beiden Inseln). Die hohe Zahl für das kleinste Haus führt das Klinikum auf die Insellage und das dort herrschende Bewusstsein zurück, wie wichtig eine Notfallversorgung rund um die Uhr ist. Klinikübergreifend finanzieren sich die Fördervereine durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Das Klinikum Husum erhielt im Jahr 2024 finanzielle Förderung in Höhe von rund 860.000 Euro, Niebüll von 68.000 Euro und die Inselkrankenhäuser von 77.000 Euro. Seit 1989 wurden für Föhr und Amrum bereits rund 3,2 Millionen Euro gespendet. Dort sinkt die Spendenbereitschaft für die Klinik leicht, weil sie sich auf immer mehr Organisationen verteilt. In Husum wird sie als gleichbleibend, in Niebüll als „schwankend auf gutem Niveau“ eingeschätzt.

„Die Gründung des Fördervereins Flensburger Kliniken im Oktober 2024 stellt für uns einen bedeutenden Gewinn dar. Beide Flensburger Krankenhäuser – das St. Franziskus-Hospital und die Diako – profitieren gleichermaßen vom Engagement des Vereins.“
 

Kerstin Ganskopf

Ähnlich sieht es bei anderen Kliniken in Schleswig-Holstein aus – aber nicht in allen. Die Sana Kliniken Lübeck, die Schön Kliniken und das Klinikum Itzehoe etwa teilten auf Anfrage des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes mit, dass es keine Fördervereine für ihre Häuser gebe. In Dithmarschen dagegen gibt es zwei Fördervereine, jeweils für die Kliniken in Heide (112 Mitglieder) und Brunsbüttel (133). Beide wollen die Krankenversorgung unterstützen. Für den kleineren Standort ist außerdem ausdrückliches Ziel, das Krankenhaus zu erhalten. In beiden Städten empfinden viele Menschen die Kliniken als prägend für das Stadtbild und als wichtigen Bestandteil der örtlichen Gesellschaft, den man stärken oder erhalten möchte.

Dithmarschen: Interesse sinkt
Allerdings beobachten die Kliniken in Dithmarschen, „dass das Interesse an Fördervereinen sinkt und insbesondere jüngere Menschen schwer für die Arbeit oder die Förderung der Vereinsarbeit gewonnen werden können. Das liegt nach unserer Beobachtung an dem allgemeinen Trend, dass eher einzelne Projekte als Vereine unterstützt werden.“
Dennoch kamen für Heide im Jahr 2024 insgesamt 25.000 Euro und in Brunsbüttel 11.500 Euro an Unterstützung zusammen. Die Klinikleitung stellt dazu klar: „Ein Förderverein ist und kann kein Ersatz für die nicht auskömmliche Klinikfinanzierung sein. Er sorgt eher für das gewisse Extra. Daher bewerten wir eine Anschaffung über einen Förderverein nicht negativ, sondern freuen uns, dadurch eine noch bessere Leistung Patienten wie auch Mitarbeitenden und Besuchern zur Verfügung stellen zu können.“ Eine weitere Erfahrung, die nicht nur in Dithmarschen gesammelt wird: Oft hängt es an Einzelpersonen, die mit ihrem Engagement andere überzeugen. In Brunsbüttel gibt es einen Unternehmer, der aus Dankbarkeit für seine Behandlung jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag für das kleine Krankenhaus sammelt. 

Pinneberg: Unterstützung ist kein Selbstgänger
Auch im Kreis Pinneberg haben beide Krankenhäuser ihren Förderverein. Der 1998 gegründete „Verein der Freunde des Regio Klinikums Pinneberg“ hat es sich zum Ziel gesetzt, „das Krankenhaus menschlicher zu machen, die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verbessern und ihren Aufenthalt angenehmer zu gestalten“. Der Verein besteht aus 185 Mitgliedern, oft waren sie oder ihre Angehörigen selbst schon Patient im Haus und haben erkannt, wie wichtig zusätzliche Unterstützung ist. 2024 kamen dafür 8.000 Euro zusammen, die etwa für ein Gartenprojekt in der psychiatrischen Tagesklinik, für Auftritte der Klinikclowns oder den Kauf einer Simulationspuppe für die Zentrale Notaufnahme eingesetzt wurden. In der Klinikleitung weiß man, dass die Unterstützung kein Selbstgänger ist. Zwar sei weiterhin zu spüren, dass Menschen generell bereit seien, einmalig zu spenden. Aber die Bereitschaft für ein langfristiges und verbindliches Unterstützen gehe – vergleichbar mit der Erfahrung in Dithmarschen – eher zurück: „Die Zahl derjenigen, die sich langfristig über eine Mitgliedschaft mit regelmäßigem Beitrag engagieren, sinkt.“

„Wenn schon Krankenhaus, dann wenigstens nett untergebracht“, lautet der Leitgedanke des 2005 gegründeten Fördervereins für die Klinik in Elmshorn. Die 83 Mitglieder sind „Elmshorner Bürger, die sich freuen, ein Krankenhaus in Elmshorn zu haben“. Rund 17.000 Euro konnten 2024 an Unterstützung vergeben werden. Rund 5.000 Euro davon kamen über vom Amtsgericht verhängte Geldbußen zusammen, die an den gemeinnützigen Verein weitergeleitet wurden. Auf die Frage, was es für die Gründung eines effizienten Fördervereins brauche, antwortet man aus Elmshorn kurz und knapp: „Engagierte Gründer mit Ideen und Mut.“ 

Flensburger Förderer: Innovationen im Fokus
Die gab es offensichtlich auch in Flensburg, wo sich im vergangenen Jahr einer der jüngsten Fördervereine im Land gegründet hatte. „Die Gründung des Fördervereins Flensburger Kliniken im Oktober 2024 stellt für uns einen bedeutenden Gewinn dar. Beide Flensburger Krankenhäuser – das St. Franziskus-Hospital und die Diako – profitieren gleichermaßen vom Engagement des Vereins. Perspektivisch gilt dies selbstverständlich auch für das entstehende Fördeklinikum Katharinen-Hospital“, sagt etwa Klinik-Geschäftsführerin Kerstin Ganskopf vom Malteser Krankenhaus in Flensburg. Besonderheit des breit vernetzten Vereins in Flensburg ist, dass insbesondere Innovationen gefördert werden. Im Interview erläutert Vorstandsmitglied Dr. Silke Hopf-Jensen die Hintergründe.

In Kiel steigt die Spendenbereitschaft
Der 2004 gegründete Förderverein „Mein Städtisches“ des Städtischen Krankenhauses Kiel (SKK) stützt das Haus jährlich mit fünf- bis sechsstelligen Beträgen aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Zinsen. Gefördert werden zum Beispiel die Stelle einer Diätassistentin, Wandmalereien und Geräte. Nach Auskunft des SKK steigt die Bereitschaft zu spenden. „Spenden sind inzwischen ein immens wichtiger Faktor bei der Finanzierung von Krankenhäusern“, teilte das SKK auf Nachfrage mit. Zugleich gab die Klinik zu bedenken: „Es ist eigentlich Aufgabe der Länder, für ausreichende Investitionsmittel zu sorgen. Aber nicht alles, was wünschenswert und manchmal auch, was notwendig ist, kann gefördert und aus den Budgetmitteln finanziert werden. Insofern ist der Förderverein ein Instrument, mit dem Finanzierungslücken geschlossen werden können, da die Budgets des Städtischen Krankenhauses Kiel auf das Notwendigste beschränkt sind.“

Reinbek: dauerhaft hohe Spendensummen
Breit aufgestellt ist auch der 1997 gegründete Förderverein für das Krankenhaus Reinbek. 516 ehemalige Mitarbeitende des St. Adolfs-Stifts, Patienten und Firmen unterstützen das Haus an der Landesgrenze zu Hamburg mit Mitgliedsbeiträgen, Einzel- und Dauerspenden – und das nach Klinikangaben kontinuierlich auf einem gleichbleibenden Level mit Summen zwischen 150.000 und 180.000 Euro jährlich. Die große und regelmäßige Unterstützung erklärt das Haus so: „Viele Patientinnen und Patienten erfahren bei uns im Krankenhaus nicht nur eine kompetente medizinische Behandlung, sondern auch menschliche Zuwendung. Sie fühlen sich durch besonders schöne oder auch nach dem Überstehen dramatischer Ereignisse mit dem St. Adolf-Stift verbunden und möchten, dass das Haus auch zukünftig gut aufgestellt ist, um auch anderen Menschen oder ihnen selbst adäquat helfen zu können.“ Die Hilfe ermöglichte zuletzt u.a. neue Sonografiegeräte für die Kardiologie, einen Notfalltransportwagen für die ZNA und ein Polypendektionssystem für die Gastroenterologie.

Neumünster: hohe Identifikation mit dem FEK
Der Förderkreis des FEK besteht aus 184 Menschen aus Neumünster, darunter auch Mitarbeitende. Das FEK erkennt bei ihnen eine hohe Identifikation mit dem Krankenhaus und seinen Aufgaben. Für die Gründung im Jahr 1989 brauchte es engagierte Mitglieder mit Schnittstelle zum Krankenhaus – in diesem Fall der Kreis der Chefärzte – und gute Öffentlichkeitsarbeit. Im vergangenen Jahr kamen durch Spenden und Mitgliedsbeiträge 51.000 Euro zusammen, die das FEK u.a. zur Förderung des Projektes „Klinik Clowns“ in der Kinderklinik und zur Unterstützung des „Bunten Kreises“ für die medizinische Nachsorge in der Kinderklinik verwendete. Einige Spender sind regelmäßig dabei, die Spendenbereitschaft nimmt das FEK aber inzwischen ebenfalls als leicht zurückgehend wahr.

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