
Bessere Versorgung: das Netz-MVZ in Neumünster
Standort für das einzige MVZ, das in Schleswig-Holstein von einem Praxisnetz betrieben wird, ist seit März ein Gebäude, in dem früher die AOK arbeitete: in der Parkstraße, mitten in der Innenstadt. An Krankenkasse erinnert in den heutigen Praxisräumen nur noch eine schwere Tresortür, hinter der früher Bargeld lagerte, das als Krankengeld an die Versicherten ausgezahlt wurde. Geld wird im MVZ weder gehortet, noch verdient. Denn zum Start kann das MVZ noch nicht gewinnbringend arbeiten. Geschäftsführer Thomas Rampoldt, früher in gleicher Funktion für die Ärztegenossenschaft Nord tätig, erwartet für das Jahr 2026 eine „leichte schwarze Null“. Um durch das Jahr zu kommen, benötigte das MVZ einen Kredit der Stadt Neumünster in Höhe von 50.000 Euro, der verzinst ab 2027 getilgt werden muss. Der Aufbau des MVZ wurde außerdem mit rund 500.000 Euro aus dem landeseigenen Versorgungssicherungsfonds gefördert.
Probleme bei der Praxisnachfolge
Die Idee eines netzeigenen MVZ entstand in Neumünster schon vor Jahren. Praxisinhaber machten die Erfahrung, dass sie Probleme bei der Suche nach Nachfolgern hatten. Neupatienten konnten in manchen Praxen nicht mehr angenommen werden. Die MPN-Vorsitzende Dr. Dorette Kinzel-Herwig berichtet von Rückmeldungen der Anlaufpraxis im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) und aus der Notaufnahme, dass sich dort viele Patienten ohne Hausarzt meldeten.
Als Folge gab es mehrere Sitzungen, in denen Pro und Kontra eines eigenen MVZ abgewogen wurden. „Das Ergebnis war eindeutig: Die Mitglieder des Praxisnetzes waren für ein eigenes MVZ. Klar war aber, dass wir das nur mit Förderung über den Versorgungssicherungsfonds realisieren können“, sagte Kinzel-Herwig dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt.

„Wir sind nicht von Dritten, nicht von einem Investor abhängig und bekommen keine wirtschaftliche Doktrin übergestülpt, hinter der wir nicht stehen."
Anstellung nach der eigenen Niederlassung
Für den MVZ-Betrieb gründete das Netz eine Genossenschaft. Die stellt das im MVZ tätige vierköpfige Team aus der Allgemeinmedizin und eine Ärztin in Weiterbildung an. Zum Ärzteteam zählt Dr. Katharina Zenner, die zuvor in Gemeinschaftspraxis mit Maysaa Sami Issa niedergelassen war. Sami Issa ist heute Ärztliche Leiterin des MVZ, Zenner ihre Kollegin. Für sie ist die Lösung ideal, sie arbeitet nach Jahrzehnten in der Niederlassung heute nur noch 21 Stunden pro Woche. „Für mich war die MVZ-Gründung der ideale Zeitpunkt. Ich wollte gerne weniger arbeiten, aber nicht aufhören“, berichtet sie. Auch die Idee, dass „ihr“ Netz das MVZ gründete, fand sie überzeugend: „Damit haben wir es selbst in der Hand, wie wir arbeiten und Versorgung gestalten wollen. Wir sind nicht von Dritten, nicht von einem Investor abhängig und bekommen keine wirtschaftliche Doktrin übergestülpt, hinter der wir nicht stehen“, sagte Zenner. Auch ein MVZ des Krankenhauses wäre für sie keine Ideallösung gewesen: „So haben wir die Gewissheit, dass Patienten nicht an eine Einrichtung gebunden sind.“
Patientenresonanz ist positiv
Das Gesundheitszentrum hat bereits das erste Mal seinen Standort in Neumünster gewechselt, um mehr Platz zu bekommen. Der Patientenzuspruch ist positiv: von 1.850 im ersten Quartal auf rund 2.400 GKV-Patienten im vierten Quartal 2025, bei weiter steigender Tendenz. Laut Rampoldt könnten bis zu 4.000 Patienten pro Quartal versorgt werden – was eventuell bis zum Jahresende 2026 erreicht werden könnte.

„Die Netzmitglieder müssen einbezogen werden“
Vorbereitung, Einbeziehung der Mitglieder, seriöse Finanzierung
Damit die Gründung eines MVZ durch ein Praxisnetz gelingt, ist es aus Sicht der Akteure in Neumünster wichtig, sich ausreichend Zeit für die Vorbereitung zu nehmen: mehr als zwei Jahre. Außerdem brauche ein MVZ die Unterstützung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte vor Ort. „Die Netzmitglieder müssen einbezogen werden“, betonte Kinzel-Herwig. Dritte Bedingung: Die Finanzierung muss seriös kalkuliert sein. In Neumünster wäre eine Realisierung ohne die Förderung über den Versorgungssicherungsfonds nicht möglich gewesen. Genauso wichtig seien realistische Ziele. Die ursprünglich in Neumünster angedachten Zweigstellen in den Stadtteilen Wittorf und Faldera erwiesen sich aus wirtschaftlichen Gründen bislang als nicht umsetzbar.
Ein Ärztenetz, das ein eigenes MVZ mit angestellten Ärztinnen und Ärzten betreibt: Das gibt es in Schleswig-Holstein nur in Neumünster. Das dortige Medizinische Praxisnetz Neumünster (MPN) sammelt seit über einem Jahr Erfahrungen mit einem eigenen Ärztehaus. Was gut und weniger gut läuft und warum man schon jetzt den Standort in der Stadt wechselt, erläutern die Vorsitzende des Praxisnetzes, Dr. Dorette Kinzel-Herwig, und MVZ-Geschäftsführer Thomas Rampoldt im Podcast.






