Prof. Henrik Herrmann
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Attraktive Alternative: kommunale MVZ

Früher gab es nur die eine Post und die eine Bahn. In der ambulanten ärztlichen Versorgung war es nur die Einzelpraxis, in der eine Ärztin oder ein Arzt wirtschaftlich und organisatorisch eigenverantwortlich flächendeckend in Deutschland tätig war. Später kamen die Gemeinschaftspraxis, in der zwei oder mehrere Ärztinnen und Ärzte gleicher oder verschiedener Fachrichtungen gemeinsam eine Praxis betreiben, und die Praxisgemeinschaft, in der nur die Räume und Geräte geteilt werden, sowie Teilgemeinschaftspraxis und überörtliche Berufsausübungsgemeinschaften hinzu.

Einen besonderen Einschnitt bedeutete 2004 die Einführung der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) im Gesundheitsmodernisierungsgesetz und deren Verankerung im fünften Sozialgesetzbuch. Anfangs äußerst umstritten, haben sich MVZ in der ambulanten Versorgungslandschaft nicht nur etabliert, sondern sind nicht mehr wegzudenken. Vorteile sind interdisziplinäre Ansätze, bessere Ressourcenverteilungen, flexible Arbeitsorganisationen und Trägerschaften. 

Doch gibt es auch Nachteile, wie eventuelle Einschränkungen der ärztlichen Entscheidungsfreiheit durch Trägervorgaben, eine unpersönlichere Patientenbetreuung und einen höheren Verwaltungsaufwand. Eine Weiterentwicklung ist 2015 im Versorgungsstärkungsgesetz durch die Schaffung von MVZ als kommunale ärztliche Eigenbetriebe ermöglicht worden, in denen das MVZ ärztlich geleitet wird und die Kommune der Träger ist. Gerade in unterversorgten, insbesondere ländlichen Gebieten stellen sie eine gute, attraktive Alternative dar, um ambulante Versorgung sicherzustellen, und sind auch in Schleswig-Holstein realisiert worden. Der zunehmende Fachkräftemangel, der steigende Bedarf an ambulanter Versorgung
in einer Gesellschaft des langen Lebens und gesamtgesellschaftliche Veränderungen benötigen eine Vielzahl neuer Angebotsformen, flexibler Modelle und Innovationen, wie z.B. telemedizinische Versorgungsmöglichkeiten, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Es wird in der Gesundheitspolitik wie auch darüber hinaus nie mehr die eine Lösung und das eine Konzept geben, vielmehr ist eine bunte Vielfalt gefragt. Diese Vielfalt zu schaffen und zu leben, gilt nicht nur im beruflichen Kontext, sondern auch im privaten Umfeld, gerade in den jetzt kommenden Sommermonaten – dabei wünsche ich viel Erfolg und Erholung.

“Es wird nie mehr die eine Lösung und das eine Konzept geben, vielmehr ist eine bunte Vielfalt gefragt.”

Prof. Henrik Herrmann
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