Ein Mann und eine Frau, beide in weiß  gekleidet, lehnen sich über einen Tresen und lächeln in die Kamera.  Auf dem Trsen steht eine weiße Blumenvase mit einem Strauß.  Die Frau mit langen blonden Haaren lehnt ihren Arm auf den Mann, der dunkle Haare und einen Vollbart hat.
Anne und Dr. Jan Philipp Osterkamp © privat
Anne und Dr. Jan Philipp Osterkamp © privat

Arzt gründet neues MVZ im Elmshorn

Ein neues, inhabergeführtes Hausarzt-MVZ geht im Sommer in Elmshorn an den Start. Wenn der Zulassungsausschuss grünes Licht gibt, wird Dr. Jan Philipp Osterkamp das MVZ „ELMED“ eröffnen. Der Hausarzt-Internist verfügt über Erfahrung – er betreibt in Wedel eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) mit drei Praxen.

Dirk Schnack

Kurz vor Redaktionsschluss waren in der Region Elmshorn 9,5 Vertragsarztsitze nicht besetzt. Die hausärztlichen Praxen sind gut besucht, Interessenten für Neugründungen rar. Dr. med. univ. Jan Philipp Osterkamp plant, gemeinsamen mit seiner Frau und Managerin Anne Osterkamp die Versorgungslücke in Elmshorn zum Teil zu schließen.

Primärversorgung ab Sommer 2026 geplant
Ihr Ziel ist es, ab Sommer 2026 im rund 500 Quadratmeter großen MVZ „ELMED“ mit mindestens zwei angestellten Ärztinnen und Ärzten Primärversorgung anzubieten. Mittelfristig soll das MVZ auf fünf Ärztinnen und Ärzte oder mehr anwachsen. Fünf Sprechzimmer sind im MVZ angelegt. Die Zahl der angestellten Ärzte wird davon abhängen, wie viele von ihnen Teil- oder Vollzeit wählen.

Transparenz über Trägerstruktur
Träger des MVZ ist die Sanomedica GmbH mit Jan Philipp Osterkamp als alleinigem Gesellschafter. Die frühzeitige Transparenz über Trägerstruktur und Ziele ist ihm wichtig, um zu einer guten Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu kommen. „Ich habe bislang einen sehr positiven Eindruck. Mir wurde signalisiert, dass man froh über ein arztgeführtes MVZ ist und sich kein Investor mit Private-Equity-Kapital am Standort etabliert“, sagt Osterkamp.

Keine Alleinstellungsmerkmale im Leistungsspektrum
Das „ELMED“ wird sich in der Elmshorner Primärversorgung nicht als neuer Platzhirsch betrachten, beteuern die Osterkamps. „Wir wollen hier Versorgung gemeinsam mit anderen gestalten, sehen uns als ein Puzzleteil. Diese Haltung entspricht auch unserem Anspruch an Zusammenarbeit, wie wir sie aus der Netzbewegung kennen“, sagt Anne Osterkamp. Dazu passt, dass das „ELMED“ keine Alleinstellungsmerkmale im Leistungsspektrum aufweisen wird, sondern „einfach nur normale Primärversorgung“ anbietet – und damit das, was in Elmshorn gebraucht werde.

Patienten sollen Personal schnell kennenlernen
Das MVZ soll papierlos arbeiten und wird mit viel digitaler Technik ausgestattet, u. a. soll KI die Sprechstunden mitschneiden. Auf ein Self-Check-in-Terminal, wie Osterkamp es in seiner Praxis in Wedel einsetzt, wird er in Elmshorn vorerst verzichten. Seine Frau Anne, die auch Geschäftsführerin des Dachverbands der Ärztenetze in Schleswig-Holstein ist, stellte im Gespräch mit dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt klar: „Uns ist ein persönliches Miteinander wichtig. Gerade zum Start sollten die im MVZ arbeitenden Ärztinnen und Ärzte und die MFA die Patienten schnell kennenlernen. Das funktioniert über einen persönlich besetzten Empfangstresen besser.“

„Uns ist wichtig, den Beschäftigten und den Patientinnen und Patienten zu signalisieren, dass wir eine langfristige Perspektive für das MVZ in Elmshorn sehen.“

Dr. Jan Philipp Osterkamp

Kassenarztsitze waren frei
Den Sprung in die Nachbarstadt des Kreises haben Osterkamps auch gewagt, weil die Kassenarztsitze dort frei waren und sie keinen Praxissitz übernehmen und bezahlen mussten. Zudem sind Fördermittel bei der KV beantragt – bis zu 40.000 Euro Förderung pro Sitz wären theoretisch möglich. Trotz dieser Erleichterungen müssen die Osterkamps hohe Summen investieren. Auf einen höheren sechsstelligen Betrag beziffern sie die Mittel, die für die Einrichtung des MVZ erforderlich sind und die über einen Kredit aufgebracht werden müssen. Eine ebenfalls sechsstellige Summe haben sie für den laufenden Praxisbetrieb für die ersten zwölf Monate aufgenommen. „Uns ist wichtig, den Beschäftigten und den Patientinnen und Patienten zu signalisieren, dass wir eine langfristige Perspektive für das MVZ in Elmshorn sehen“, sagt der Hausarzt-Internist. 

„Wir glauben an das System.“
Drei Praxen in Wedel, ein MVZ in Elmshorn und die Tätigkeit Anne Osterkamps im Dachverband – eine zeitliche Herausforderung, die für ein Paar mit zwei Kindern schwer zu bewältigen ist. Was treibt sie an? Anne Osterkamp spricht von intrinsischer Motivation, die sie beide spüren. „Es stimmt: Wir müssten das MVZ nicht eröffnen. Aber es fühlt sich richtig an“, sagt sie. Ihr Mann gibt zu bedenken, dass sie noch viele Jahre Teil dieses Gesundheitssystems sein möchten und sagt: „Wir können nicht akzeptieren, wie sich die Niederlassung und somit die ambulante Versorgung entwickelt. Wir glauben an das System.“

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