
AOK-Studie: 2060 mehr als 80.000 Demenzerkrankungen in Schleswig-Holstein
Auf Basis eines kleinräumigen Prognoseverfahrens wird für das Jahr 2060 bezogen auf alle Personen in der regionalen Bevölkerung eine Spanne von 2,2 Prozent Demenz-Erkrankten in Kiel und bis zu 3,9 Prozent in den Kreisen Plön, Ostholstein und Nordfriesland vorausgesagt. „Die zunehmenden Demenzerkrankungen stellen nicht nur für die Betroffenen und deren Angehörige, sondern auch für die Gesellschaft sowie das Gesundheits- und Pflegesystem eine große Herausforderung dar. Da es bisher keine Heilung für Demenzen gibt, könnte eine gute Prävention jedoch die Effekte der Alterung der Gesellschaft auf die Häufigkeit von Demenzen kompensieren“, sagt Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest.
Prävention: hohes Schutzpotenzial
Nach internationalen Studien tragen in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht soziale, lebensstilbedingte und gesundheitsbezogene Faktoren wie andere Erkrankungen zum Demenzrisiko bei. „Nach heutigem Stand der Wissenschaft kann eine Verbesserung vieler verschiedener oft miteinander im Zusammenhang stehender Faktoren dazu beitragen, dass fast die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden kann“, wurde der AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann in einer Mitteilung seiner Kasse zitiert. Dazu gehört ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung und der Verzicht auf Alkohol und Rauchen. Außerdem können eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Hörstörungen und die Vermeidung sozialer Isolation einer Demenzentwicklung wirkungsvoll vorbeugen.
Würden die verschiedenen Präventionsszenarien für Schleswig-Holstein zugrunde gelegt, könnten die Demenz-Fallzahlen im Jahr 2060 deutlich niedriger liegen und sich zwischen 49.034 und 58.639 Fällen stabilisieren. „Die Szenarien verdeutlichen, welches enorme Potenzial in der Prävention steckt. Schon vergleichsweise kleine Verbesserungen bei den Neuerkrankungsraten können langfristig sehr große Effekte haben“, so Ackermann.
Ländliche Regionen besonders betroffen
Die Prognose der Demenz-Entwicklung und der Bevölkerungszahlen basiert auf einem neuartigen Verfahren, mit dem es auch möglich ist, Ergebnisse regional fein gegliedert bis auf Kreisebene darzustellen. In den Ergebnissen auf Ebene der 15 Kreise und kreisfreien Städte in Schleswig-Holstein zeigt sich, dass die bereits heute bestehenden Unterschiede zwischen städtischen Regionen mit relativ junger Bevölkerung und ländlichen Regionen mit relativ alter Bevölkerung deutlich zunehmen werden. Im Jahr 2060 könnte der Unterschied zwischen der Region mit der höchsten und der niedrigsten Demenz-Prävalenz mehr als das 1,7fache betragen.
Weniger Personen im erwerbsfähigen Alter pro Demenzfall
Gleichzeitig wird der steigenden Demenz-Fallzahl eine geringere Zahl an Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren gegenüberstehen, die die Versorgung gewährleisten können. Im Jahr 2060 wird ein Demenzfall nur noch 18 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen werden. Selbst im optimalen Präventionsszenario würden auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter immer noch 3,4 Demenzfälle kommen. Im Vergleich zu 2020 entspricht das einer relativen Zunahme um mehr als 34 Prozent des Versorgungsbedarfs. (PM/RED)






