
AOK: Schleswig-Holsteiner sind offen für Ersteinschätzung
Laut einer repräsentativen forsa-Befragung im Auftrag der AOK Nordwest befürworten 82 Prozent der Befragten den Einsatz eines standardisierten Ersteinschätzungsverfahrens und eine Einteilung in Dringlichkeitsstufen bei Patientinnen und Patienten, die eine Notaufnahme aufsuchen. In der Folge würden nur Fälle, bei denen ein sofortiger Behandlungsbedarf festgestellt wird, direkt im Krankenhaus versorgt, während Fälle ohne Dringlichkeit an eine niedergelassene Arztpraxis vermittelt würden. Nur elf Prozent der Befragten lehnen ein solches Verfahren ab.

Nur jeder vierte Patient in der Notaufnahme wird aufgenommen
39 Prozent der Befragten in Schleswig-Holstein hatten in den vergangenen fünf Jahren wegen eines gesundheitlichen Problems eine Notaufnahme aufgesucht. In zwei Drittel der Fälle (64 Prozent) erfolgte der Besuch der Notaufnahme aus eigener Entscheidung und Initiative, weitere 20 Prozent gingen auf Veranlassung von Familie, Freunden oder Bekannten in die Notaufnahme. Nur in 17 Prozent der Fälle wurden die Befragten durch ihren Hausarzt, ihre Hausärztin oder einen anderen niedergelassenen Arzt in die Notaufnahme geschickt. Von den Menschen, die in den letzten fünf Jahren in einer Notaufnahme waren, wurden 27 Prozent in der Folge stationär aufgenommen und im Krankenhaus behandelt.
Die große Mehrheit von 62 Prozent wurde in der Notaufnahme lediglich ambulant behandelt. Vier Prozent wurden nach kurzer Abklärung an Haus- oder Fachärzte verwiesen, weitere fünf Prozent nach einer Ersteinschätzung ohne weitere Behandlung wieder nach Hause geschickt.
Potenzial für mehr ambulante Behandlungen
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Wenn die Teilnehmenden bei ihrem Besuch der Notaufnahme die Möglichkeit gehabt hätten, wegen ihrer Beschwerden innerhalb von zwei Tagen einen Facharzttermin zu bekommen, hätten 15 Prozent diesen Facharzttermin nach eigener Aussage abgewartet. „Dieses Ambulantisierungspotenzial sollten wir nutzen, um die Notaufnahmen zu entlasten. Das kann nur gelingen, wenn die Patientinnen und Patienten zukünftig besser gesteuert werden – zum einen durch die Einrichtung von Integrierten Notfallzentren. Diese Zentren sollten von Krankenhausträgern und Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam betrieben werden, um die sektorale Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung im Notfall-Bereich zu überwinden“, forderte AOK-Chef Ackermann laut einer Mitteilung der Krankenkasse.
AOK: Akutleitstellen bei den KVen einrichten
Ergänzend zu den Integrierten Notfallzentren (INZ) schlägt die AOK in ihren Eckpunkten zur Primärversorgung die Etablierung von Akutleitstellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen vor, die als Zugangsweg in das Gesundheitssystem fungieren. Diese sollten unter der Nummer 116 117 oder digital erreichbar sein und – ebenso wie die geplanten Primärversorgungspraxen – die Dringlichkeit der Behandlung anhand eines standardisierten Ersteinschätzungsverfahrens beurteilen. Zudem sollten sie technisch mit den Rettungsleitstellen (112) verknüpft werden. „Auf dieser Basis können die hilfesuchenden Patientinnen und Patienten dann an die richtige Stelle geleitet und optimal behandelt werden“, so Ackermann. (PM/RED)





