
Paradigmenwechsel in der Weiterbildung
Schleswig-Holsteins Kammerpräsident Prof. Henrik Herrmann hatte die Anpassungen als Co-Vorsitzender der Ständigen Konferenz „Ärztliche Weiterbildung“ maßgeblich vorangetrieben. „Damit haben wir etwas Neues geschaffen“, sagte Herrmann nach der Verabschiedung in einer Pressekonferenz in Hannover. Er hatte jahrelang gemeinsam mit dem Co-Vorsitzenden Dr. Johannes Gehle aus Westfalen-Lippe auf die nun angenommenen Änderungen hingewirkt.
Im Mittelpunkt: grundlegende Kenntnisse, Haltungen und Rollen
Die bisherige Aufteilung in Methoden- und Handlungskompetenzen ist mit der Änderung aufgelöst. Im Mittelpunkt stehen in Anlehnung an die CanMED-Rollen grundlegende Kenntnisse, Haltungen und Rollen. Jede dieser insgesamt acht Rollen kann in Gänze von den Weiterbildungsbefugten bestätigt werden, etwa im Rahmen des jährlichen Weiterbildungsgesprächs als flankierende Beurteilung zu den gebietsspezifischen Inhalten. Zu den Rollen gehören u.a. die Ärztinnen und Ärzte „im Kontext digitaler Medizin“, als „Kommunikatoren“, als „Teamplayer“, als „Führungskraft“ und als „Medizinische Experten“.
Wichtiges Signal des Ärztetages
In der Diskussion wurden diese Inhalte als extrem anspruchsvoll bezeichnet. Herrmann überzeugte u.a. mit dem Hinweis, dass diese Qualifikationen insbesondere in der prägenden Phase der Weiterbildung vermittelt werden müssten. Zugleich sieht er darin ein wichtiges Signal des Ärztetages für die Bedeutung der Weiterbildungszeit. Zahlreiche Delegierte sprachen Herrmann und Gehle ihre Anerkennung für die aufwändige Arbeit an der weiterentwickelten Weiterbildungsordnung aus.
Neuer Weiterbildungsinhalt zur Suizidprävention
In einem Änderungsantrag beschlossen die Delegierten außerdem die Aufnahme eines Weiterbildungsinhalts „Umgang mit Todes- und Suizidwünschen einschließlich Grundlagen der Suizidprävention" in den Allgemeinen Inhalten. Damit reagierte der Ärztetag auf die gleichbleibenden und zuletzt leicht steigenden Suizidraten in Deutschland. Es wird als ärztliche Aufgabe angesehen, auf Menschen mit Suizidgedanken offen und zugewandt zu reagieren, aber auch Beistands- und Hilfsangebote zu kennen. Um für diese Aufgabe gerüstet zu sein, bedarf es nach Überzeugung des Ärztetages entsprechende Grundkenntnisse in der Suizidprävention übergreifend und unabhängig vom jeweiligen Fachgebiet. CME-akkreditierte Fortbildungsveranstaltungen finden sich in den Veranstaltungskalendern der Landesärztekammern kaum.





