Prof. Henrik Herrmann
Prof. Henrik Herrmann © AEKSH
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Ärztenetze werden Bestand haben

Im Genfer Gelöbnis steht seit Anbeginn der Satz: „Ich werde die Ehre und die edlen Traditionen des ärztlichen Berufes fördern.“ Dieser Satz mag heutzutage ein wenig sperrig klingen, dennoch spricht er eine wichtige Facette unserer ärztlichen Profession an. Zu diesen Traditionen gehört, sich untereinander auszutauschen und die Patientenversorgung zu verbessern. Früher hat man sich zwanglos getroffen, in kleinen Gruppen vor Ort oder dann auch übergreifend in den Ärztevereinen. Ein herausragendes Beispiel: Bereits 1805 wurde ein ärztlicher Leseverein in Lübeck gegründet, seit 1809 gibt es den Ärztlichen Verein zu Lübeck als einen der ältesten im deutschsprachigen Raum, der weiterhin aktiv ist.

Viel jünger ist ein anderer freiwilliger ärztlicher Zusammenschluss als Austauschplattform und auch hierbei ist Schleswig-Holstein Pionier gewesen: Vor 30 Jahren wurde als bundesweit erstes Ärztenetz die „Medizinische Qualitätsgemeinschaft Rendsburg“ gegründet, um die interne und externe Kommunikation und Kooperation zu verbessern, Synergieeffekte zu nutzen, die Qualität zu steigern und abgestimmte Versorgungsangebote zu etablieren. Mittlerweile sind zwölf Ärztenetze offiziell in unserem Bundesland anerkannt und übernehmen eine bedeutende Rolle in der Versorgungsrealität. Vernetzung innerhalb einer Profession und mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen ist vor dem Hintergrund der zunehmenden Herausforderungen, Komplexität und Spezialisierung wichtiger denn je, um gemeinsam Fortschritt und Veränderungen zu begleiten und voranzubringen. Ein intensiver kollegialer Austausch ist Voraussetzung, um dieses im Interesse unserer Patientinnen und Patienten zu erreichen. Deshalb müssen Ärztenetze wie auch andere Kommunikationsmöglichkeiten erhalten bleiben, organisatorisch unterstützt und gefördert werden.

Eine Welt ohne Vernetzung in allen Bereichen ist heutzutage undenkbar, nicht nur im Gesundheitswesen. Wir leben in kommunikativen, neuronalen, politischen, sozialen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Netzwerken. Der Netzgedanke wird zunehmend ausgebaut, wir im echten Norden übernehmen seit langem eine konstruktive Vorreiterrolle. Von der „edlen Tradition“ zu einem „hochwertigen gemeinsamen Vorgehen“ – dafür stehen die Ärztenetze und werden Bestand haben.

„Ärztenetze wie auch andere Kommunikationsmöglichkeiten müssen erhalten bleiben, organisatorisch unterstützt und gefördert werden."

Prof. Henrik Herrmann
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