
Ärztegenossenschaft arbeitet sich aus dem Tief
Nur rund 20 Mitglieder waren zur Generalversammlung der Ärztegenossenschaft in diesem Jahr gekommen. Das Jubiläum 25 Jahre war nur eine Randnotiz, wichtiger waren den Verantwortlichen die aktuellen Themen. Trotzdem gab es auch kurze Rückblicke auf die Höhen und Tiefen in der Geschichte der Genossenschaft. Nicht ohne Stolz sagte Vorstandssprecher Dr. Svante Gehring: „Wir haben eine Menge geleistet. Oft waren wir die ersten, manchmal sind wir auch gescheitert. Aber ist schon eine Leistung, dass wir uns 25 Jahre gehalten haben.“ Für die Zukunft steht für ihn fest: „Wir müssen mehr über unsere Leistungen reden.“ Die wichtigsten Punkte aus der Generalversammlung:
Finanziell geht es aufwärts
Nach verlustreichen Vorjahren (2022: 220.000 Euro, 2023: 284.000) war die Genossenschaft mit einem Verlustvortrag von über 600.000 Euro in das Geschäftsfjahr 2024 gestartet. Das Jahr konnte mit einem Überschuss von rund 62.000 Euro abgeschlossen werden, mit dem der Verlustvortrag verringert wird. Auch für das Jahr 2025 erwarten Geschäftsführung und Vorstand einen Gewinn, voraussichtlich rund 90.000 Euro. Wenn dies eintreten sollte, könnte der Verlustvortrag weiter verringert werden. Eine Reihe von Einsparungen wurde bereits realisiert. Die Genossenschaft erwartet, dass eine weitere Digitalisierung die Prozesse weiter verschlankt und eine Effizienzsteigerung gelingt. Außerdem wurden Neukunden etwa im Vertragsmanagement gewonnen, die zu einer Erlössteigerung beitragen können.
Bei der Mitgliederzahlen ging es weiter abwärts.
Stand Juni 2025 hatte die Genossenschaft nur noch 530 Einzelmitglieder. Im ersten Halbjahr 2025 hatte es 109 Kündigungen gegeben, 84 sind verstorben und 147 waren unbekannt verzogen. Zur Gründung im Jahr hatten sich 1.693 Mitglieder zusammengefunden. Diese Zahl war im Jahr 20210 auf 2.313 angestiegen. Seitdem gab es einen stetigen Rückgang, zuletzt unterstützt durch die Einführung eines Mitgliedsbeitrags. Den Verantwortlichen bereitet die Entwicklung Sorgen. Hoffnung setzen sie in eine Satzungsänderung, die in der Generalversammlung beschlossen wurde: Künftig können auch kommunale Ärztezentren und die dort angestellten Ärztinnen und Ärzte Mitglied werden. Viele dieser Zentren werden von der Genossenschaft gemanagt.
Immer weniger Mitglieder und eine wirtschaftlich schwierige Situation: Hat die Ärztegenossenschaft Nord überhaupt noch eine Zukunft? Zum 25-Jährigen Jubiläum der Organisation erläutert Vorstandssprecher Dr. Svante Gehring, warum er davon überzeugt ist.
Unzufriedene Mitglieder, unausgewogene Struktur
Nach den Allgemeinmedizinern, die rund ein Viertel der Mitglieder ausmachen, stellen Augenärzte und Gynäkologen die größten Gruppen unter den Mitgliedern. Zusammen bilden diese drei Gruppen über die Hälfte der Mitglieder. Viele andere Fachgruppen sind gar nicht oder nur vereinzelt vertreten. In der Versammlung wurde deutlich, dass es bei der Abrechnung von Selektivverträgen zu Verzögerungen kommt. Vergleichbare Kritik hatte es schon in der vergangenen Versammlung gegeben. Nach Auskunft von Geschäftsführer Lars Prinzhorn ist die erneute Verzögerung u.a. durch neue Probleme auf Seiten einer Krankenkasse entstanden. Er stellte in Aussicht, dass die Probleme zeitnah behoben werden können. Speziell unter den betroffenen Augenärzten sorgen die Probleme für Kritik, die von Mitgliedern während der Versammlung wiederholt geäußert wurde. Der Landesvorsitzende des Berufsverbandes, Dr. Bernhard Bambas, berichtete, dass er von Mitgliedern wiederholt auf das Thema angesprochen worden sei. Er verwies auf den hohen Anteil seiner Berufsgruppe in der Genossenschaft und die wirtschaftliche Bedeutung des augenärztlichen Selektivertrags für die Genossenschaft.

Der bisherige Vorsitzende Christoph Meyer und die bisherigen Aufsichtsräte Carl Culemeyer und Dr. Udo Heuer traten nicht erneut zur Wahl an, da sie im Lauf der kommenden Amtsperiode 75 Jahre alt werden. Dies ist die Altersgrenze für eine Mitgliedschaft im Aufsichtsrat. Aus dem bisherigen Gremium trat nur Pädiater Dr. Johannes Kandzora aus Neumünster erneut zur Wahl an. Neben ihm wurden Dr. Holger Hamann (Allgemeinmediziner, angestellt im MVZ Erfde), Prof. Angela Gause (Rheumatologin aus Bad Bramstedt) und Dr. Wolf-Dieter Arp (Gynäkologe aus Kiel) neu in das Kontrollgremium gewählt. Alle vier haben keinen kassenärztlichen Sitz mehr. Jüngere, noch selbstständig in einer Praxis tätige Mitglieder, kandidierten bei der Generalversammlung nicht.
Schwerpunkte der Arbeit
Vorstandssprecher Dr. Svante Gehring berichtete von der zeitaufwendigen gesundheitspolitischen Interessenvertretung, bei der sich der Vorstand u.a. für die Themen Entbudgetierung, regionale Gesundheitszentren und Primärarztversorgung einsetzt. Die Genossenschaft ist inzwischen in mehr als 90 Versorgungsprojekten involviert und hat neun Ärztezentren gegründet. Im Vertragsmanagement wird ein Honorarvolumen von mehr als 30 Millionen Eurio jährlich abgerechnet, mehr als400 Ärztinnnen und Ärzte nehmen an diesen Selektivverträgen teil.
Wahrnehmung der Arbeit
Die Genossenschaft, oft als „dritte Kraft“ neben der Ärztekammer und der KV in Schleswig-Holstein bezeichnet, sieht die von ihr geleistete Arbeit nicht immer wahrgenommen in der Ärzteschaft. Bislang meldet sie sich u.a. mit Pressekonferenzen und einem regelmäßigen Newsletter zu Wort. Ob die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert und unter Einbindung sozialer Medien verbessert werden könnte, wird die Zusammenarbeit mit einer Agentur zeigen. Gehring erhofft sich vor allem die Ansprache jüngerer Mitglieder und von Ärztinnen. Die Wahrnehmung der Genossenschaft als „Club alter Herren“ stört ihn. Bei der Besetzung der Gremien wünscht er sich mehr Frauen und mehr jüngere Mitglieder.





