Eine Frau lehnt Donuts ab und entscheidet sich für einen Apfel
©Adobe Stock Kawee
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Ärztetag fordert mehr Prävention und Gesundheitsförderung

Prävention hat nach Überzeugung vieler Expertinnen und Experten das Potenzial, die Gesundheit der Menschen entscheidend zu verbessern und das Gesundheitssystem zu entlasten. Wie stark die Ärzteschaft bestrebt ist, Prävention und Gesundheitsförderung voranzutreiben, zeigte die Vielzahl an Anträgen, die auf dem Deutschen Ärztetag in Hannover hierzu behandelt wurden.

Dirk Schnack

Der Ärztetag forderte in Hannover einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel hin zu einer stärkeren Ausrichtung an Prävention und Gesundheitsförderung in Politik, Versorgung und Wissenschaft. Den vielfältigen Appellen für mehr Prävention müssten endlich Taten folgen, hieß es in einem Antrag des Vorstands, dem die Delegierten zustimmten. 

Die Forderungen
Konkret schwebt dem Ärztetag vor:

  • Gesundheit muss zu einer verbindlichen Zielgröße für politisches Handeln in allen Politikfeldern im Sinne eines "Health in and for All Policies"-Ansatzes werden (u. a. in der Bildungs-, Arbeits-, Wissenschafts-, Agrar-, Ernährungs-, Verkehrs- und Umweltpolitik sowie Krisenvorsorge und -management). 
  • Präventionsstrategien und - ziele müssen ressortübergreifend und mit Einbindung der Fachexpertise von Ärztinnen und Ärzten gedacht sowie umgesetzt werden.
  •  Wissenschaftlich empfohlene Maßnahmen zur Förderung gesunder Lebensweisen, u. a. in der Tabak-, Alkohol-, Sport- und Ernährungspolitik, müssen priorisiert und durch effektive sowie wissensbasierte und ggf. laienverständliche Gesundheitskommunikation unterstützt werden. 
  • Prävention und Gesundheitsförderung müssen zu integralen Bestandteilen der Gesundheitsversorgung und Gesundheitspolitik werden und nicht länger ein Add-on darstellen.
  •  Durch Aufbau und Management von zentralen Dateninfrastrukturen sowie geeigneten Kooperations- und Kommunikationswegen müssen eine kontinuierliche und systematische Erhebung gesundheitsbezogener Daten sowie gezielte und bedarfsgerechte Berichterstattung ermöglicht werden. 
  • Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) mit seinen subsidiären niedrigschwelligen Angeboten und aufsuchenden Gesundheitshilfen muss nachhaltig gestärkt werden.
  •  Bei der Qualifizierung von Gesundheitsberufen ist eine präventions- und gesundheitsorientierte Haltung und Handlung im Sinne der Priorisierung von präventiven gegenüber kurativen Maßnahmen zu vermitteln.

Die Begründung
Zur Begründung wurde u.a. darauf verwiesen, dass wirksame gesundheitliche Prävention als Schlüssel gilt, um gesellschaftliches und individuelles Wohlbefinden sowie die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung zu steigern, die Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern und die Wirtschaftskraft zu stärken. „Trotz aller medizinischen Fortschritte werden ohne eine grundlegende Umorientierung angesichts einer alternden Bevölkerung, der Zunahme chronischer Erkrankungen und der größer werdenden umweltbedingten Gesundheitsrisiken Gesundheit und Wohlbefinden nicht sichergestellt werden können", heißt es im Antrag.

Initiative aus Schleswig-Holstein
Auch aus Schleswig-Holstein gab es zu diesem Thema eine Initiative, die vom Ärztetag unterstützt wurde. In einem Antrag von Dr. Victoria Witt werden der Gesetzgeber und die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) aufgefordert, die Prävention der Adipositas durch wirksame verhältnispräventive Maßnahmen deutlich zu stärken. Hierzu nannte Witt insbesondere gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen zur Förderung ausgewogener Ernährung und körperlicher Bewegung sowie einen verbesserten Schutz von Kindern und Jugendlichen vor gesundheitsschädlichen Einflussfaktoren. Außerdem forderte sie, Defizite in der Versorgung von Menschen mit Adipositas abzubauen, insbesondere durch eine zeitnahe Umsetzung leitliniengerechter, multimodaler Therapieangebote einschließlich medikamentöser Behandlungsoptionen bei medizinischer Indikation.

Millionen Betroffene in Deutschland
Zur Begründung verwies Witt auf die Millionen von Menschen in Deutschland, die von Adipositas betroffen und damit einem erhöhten Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen ausgesetzt sind. „Obwohl Adipositas in Deutschland seit dem Jahr 2020 zunehmend als eigenständige chronische Erkrankung anerkannt wird, bestehen weiterhin erhebliche Defizite sowohl in der Prävention als auch in der leitliniengerechten Versorgung. Dieser Entwicklung muss gesundheitspolitisch konsequent Rechnung getragen werden. Neben einer besseren Versorgung Betroffener sind insbesondere nachhaltige verhältnispräventive Maßnahmen erforderlich, um die weitere Zunahme der Erkrankung wirksam zu begrenzen", heißt es im Antrag. 

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