Ein schwarz-weiß-Foto zeigt den Eingang zu einer alten Kaerne
Einfahrt zur früheren Infanteriekaserne in Heide, dem heutigen Standort des WKK © WKK
Einfahrt zur früheren Infanteriekaserne in Heide, dem heutigen Standort des WKK © WKK

80 Jahre Westküstenkliniken

Die Westküstenkliniken (WKK) Heide und Brunsbüttel feierten kürzlich ihr 80-jähriges Jubiläum – im festlichen Rahmen auf dem Gelände eines Krankenhauses, das zu den modernsten in Schleswig-Holstein zählt und als unentbehrlich gilt.

Dirk Schnack

Der Bedarf für ein Krankenhaus war 1946, kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wohl noch größer als heute. Weder die medizinischen noch die finanziellen Möglichkeiten, unter denen damals ein Krankenhaus gegründet wurde, waren mit der heutigen Zeit vergleichbar. Ein Blick in die Chronik des WKK lässt erahnen, unter welchen Bedingungen kurz nach Kriegsende in einem weitgehend zerstörten Land ein stationäres Angebot errichtet werden musste. 

Bevölkerungszahl verdoppelte sich
In der Chronik heißt es: „Die Zahl der Vertriebenen, Flüchtlinge aus dem Osten und Ausgebombten aus Hamburg und Kiel ließ die Einwohnerzahl beider damaliger Dithmarscher Kreise nach Kriegsende dramatisch steigen. In Süderdithmarschen wuchs die Bevölkerung von 55.990 (1939) auf 102.058 (1946); in Norderdithmarschen kletterte sie im Februar 1946 auf über 90.000. Die britische Militärregierung, die auch die Gesundheitsversorgung der eigenen Truppen sichern musste, ordnete für das besetzte Gebiet zwölf Krankenhausbetten je 1.000 Einwohner an – für Norderdithmarschen also rund 1.000 Betten, wo nur 95 vorhanden waren. Damit standen beide Kreise vor kaum lösbaren Aufgaben, die sie – jeder für sich – unterschiedlich bewältigten."

Teure Sofortlösung
Als Sofortlösung übernahm der Kreis Norderdithmarschen damals laut Chronik die Baracken des ehemaligen Flak-Übungsplatzes Hedwigenkoog, die die Wehrmacht kurz vor Kriegsende bereits zu einem Lazarett umfunktioniert hatte. Dort wurden gemäß Besatzungsbefehl rund 1.000 Betten eingerichtet, das Lazarettpersonal der Wehrmacht arbeitete zunächst weiter. Die Lösung erwies sich jedoch als außerordentlich kostspielig: 1946 bis 1949 mussten jährlich rund 500.000 Reichsmark beziehungsweise D-Mark aus dem Kreishaushalt aufgebracht werden – nahezu die Hälfte der gesamten Einnahmen aus Kreisumlage und Steuern.

Baumaterial für die Klinik? Nur auf Bezugsschein!
Der damalige Oberkreisdirektor und spätere Landrat Carl Hannemann suchte nach einer dauerhaften Lösung und stieß dabei auf die 1914 in Heide errichtete Infanterie-Kaserne. Nach Verhandlungen gab die Militärregierung den Gebäudekomplex für Krankenhauszwecke frei. Der Kreistag Norderdithmarschen beschoss einstimmig den Umbau der ehemaligen Kasernenanlagen in Heide zu einem Kreiskrankenhaus. Wie aber konnte unter den Bedingungen der Nachkriegsjahre gebaut werden? Baumaterial gab es nur auf Bezugschein, Handwerker waren Mangelware. Dennoch schaffte es der Kreis, dass zeitweise bis zu 100 Bauhandwerker an der Anlage arbeitete. Die Landesregierung unterstützte mit Materialzuteilungen. Bis zur Währungsreform im Juni 1948 wurden laut Chronik über eine Million Reichsmark verbaut. Es entstanden bis dahin eine Innere Abteilung, die Wirtschaftsabteilung mit Küche, die Heizungsanlage, Verwaltung mit Apotheke sowie die Schwesternunterkünfte. 

Gebäude in schwarz-weiß
Das frühere Lazarett Hedwigenkoog © WKK
Gebäude in schwarz-weiß
Blick auf das Spritzenhaus und das Krankenhaus in Brunsbüttelkoog im Jahr 1913 © WKK
Gebäude in schwarz-weiß
Die frühere Infanteriekaserne in der Heider Esmarchstraße, dem heutigen WKK-Standort. © WKK
schwarz-weiß Aufnahme der Schlüsselübergabe
Dithmarschens erster Landrat Karl-Heinrich Buhse im Jahr 1977 bei einer Schlüsselübergabe am Krankenhaus Brunsbüttel. © WKK

Klinikbetrieb wurde 1949 aufgenommen
Nach der Währungsreform half das Kieler Finanzministerium mit weiteren Krediten; insgesamt investierte der Kreis rund 1,1 Millionen D-Mark zusätzlich. Der komplette Umbau der Kaserne zu einem 400-Betten-Krankenhaus kostete rund 1,6 Millionen Mark, hinzu kamen 550.000 Mark für Grundstückskauf und Abfindung der Stadt Heide – zusammen 2,15 Millionen Mark - ohne die bereits vor der Währungsreform investierte Million Reichsmark. Im März 1949 nahm das neue Kreiskrankenhaus Heide an der Esmarchstraße den Betrieb auf; 1950 war es „nach ursprünglichen Plänen“ endgültig fertiggestellt, mit Abteilungen für Chirurgie, Innere Medizin, Röntgen, Kinderheilkunde, Gynäkologie und Geburtshilfe, Infektionskrankheiten, Hals-Nasen-Ohren, Augenheilkunde sowie Bäder und Massage.

Die Anfänge in Süderdithmarschen
In Süderdithmarschen bestanden nach 1945 die städtischen Krankenhäuser in Brunsbüttelkoog und Meldorf sowie das vom Zweckverband getragene Haus in Marne fort. Zusätzlich richtete der Kreis Süderdithmarschen laut Chronik in Gudendorf – in den Baracken eines ehemaligen Wehrertüchtigungslagers, das zeitweise auch als Kriegsgefangenenlager diente – ein eigenes Barackenkrankenhaus mit Schwerpunkt Infektionskrankheiten ein. 1948 verfügten die Häuser in Brunsbüttelkoog, Meldorf und Marne gemeinsam mit Gudendorf über rund 550 Betten, davon jeweils 90 bis 100 in den drei Städten. Am 1. Oktober 1949 wurde der Zweckverband „Krankenhaus Brunsbüttel“ durch den Kreis Süderdithmarschen und die Stadt Brunsbüttelkoog mit hälftiger Kostenteilung gegründet. Parallel dazu entstand der Zweckverband „Krankenhaus Meldorf“. Am 19. Juli 1950 folgte das Richtfest für den ersten Erweiterungsbau in Brunsbüttel, 1950/51 wurde die Kapazität auf 100 Betten ausgebaut.

Heute das drittgrößte Gesundheitsunternehmen landesweit
Das WKK in Heide befindet sich noch heute am Standorts Esmarchstraße. Ansonsten dürften die Menschen, die damals am Aufbau des WKK mitgewirkt haben, das Haus 80 Jahre später kaum wiedererkennen. Im Jubiläumsjahr 2026 sind die Westküstenkliniken mit 811 Planbetten und rund 3.000 Mitarbeitenden das drittgrößte Gesundheitsunternehmen Schleswig-Holsteins und akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Kiel, Lübeck und Hamburg. Zugleich stehen sie – wie die meisten Kliniken in Deutschland – unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Wieder ist der Kreis in der Pflicht: Für 2024 und 2025 musste er jeweils Defizite in Millionenhöhe übernehmen, ein Sparprogramm läuft und das Gesetz zur kurzfristigen Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge droht die Lage weiter zu verschärfen.  Die Chronik zieht gar eine Parallele zu den Anfangsjahren: „Im Jubiläumsjahr 2026, 80 Jahre nach der Gründungsentscheidung von 1946, stehen die Westküstenkliniken erneut vor der Aufgabe, mit begrenzten Mitteln – diesmal im Rahmen der bundesweiten Krankenhausreform – die medizinische Versorgung einer ländlichen Region auf hohem Niveau zu sichern.“

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