Hier wird die digitale Datenautobahn im deutschen Gesundheitswesen beleuchtet. Benötigte Komponenten und die Finanzierung sind inhaltliche Hauptpunkte.

Telematikinfrastruktur

Die Telematikinfrastruktur, kurz TI, stellt die digitale Datenautobahn im Gesundheitswesen dar.  Ziel ist es, die Akteure im Gesundheitswesen zu vernetzen und Daten sicher auszutauschen. Zu den Akteuren zählen beispielsweise Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Apotheken. Momentan ist ein flächendeckender und sicherer Datenaustausch zwischen diesen Akteuren nicht bzw. nur begrenzt möglich. Um eine optimale medizinische Versorgung zu gewährleisten ist die intersektorale Kommunikation ein wichtiger Baustein.
Der Gesetzgeber hat mit dem eHealth-Gesetz einen konkreten digitalen Fahrplan für das Gesundheitswesen vorgegeben, in dem unter anderem Anwendungen und Fristen festgelegt wurden. Die erste Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der TI ist das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM). Das VSDM beschreibt die Onlineprüfung und Aktualisierung der Versichertenstammdaten auf der eGK. Hierzu zählen beispielsweise Name, Anschrift und Versichertenstatus.
 

Grundlage & Komponenten

Die rechtliche Grundlage der TI basiert auf dem § 291a SGB V (Sozialgesetzbuch, fünftes Buch). Betrieben und aufgebaut wird diese von der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik). Die gematik wurde 2005 von den Spitzenorganisationen* des Gesundheitswesens gegründet. Um Zugang zur TI zu erhalten müssen die Nutzer registriert sein, das bedeutet, die TI ist ein geschlossenes Netz. Außerdem müssen bestimmte Komponenten angeschafft werden, um zunächst den Anschluss zu gewährleisten. Diese sind wie folgt der nachstehenden Tabelle zu entnehmen:

Komponente bzw. Dienst

Kurzerklärung

Konnektor

Über den Konnektor wird der Zugang zur TI hergestellt. Dieser ist vergleichbar mit einem Router, allerdings auf einem wesentlich höherem Sicherheitsniveau. Der Konnektor ist sowohl mit dem eHealth-Kartenterminal als auch mit dem Praxisverwaltungssystem (PVS) direkt verbunden.

eHealth-Kartenterminal

Das Kartenlesegerät mit der die elektronische Gesundheitskarte eingelesen wird.
Es enthält ebenfalls einen Steckplatz für den elektronischen Heilberufeausweis (eHBA).

Praxisausweis (SMC-B)

Hiermit authentifiziert sich die Praxis bzw. Institution, vergleichbar mit einer SIM-Karte fürs Mobiltelefon. Diese Karte steckt dauerhaft im Kartenterminal. Nur durch den Praxisausweis ist eine Verbindung zur TI über den Konnektor möglich.

ggf.
mobiles Kartenterminal

Das mobile Kartenlesegerät wird beispielsweise bei Hausbesuchen eingesetzt, arbeitet jedoch im Offlinebetrieb und hat keine direkte Verbindung zur TI.

Anpassung des
Praxisverwaltungssystems (PVS)

Das bestehende PVS benötigt ein Update, um  beispielsweise  Informationen direkt ins PVS übernehmen zu können.

VPN-Zugangsdienst

VPN steht für virtuelles privates Netzwerk und stellt eine sichere Verbindung her.

Optional:
elektronischer Heilberufeausweis (eHBA)

Hiermit authentifiziert sich der Nutzer beziehungsweise der Heilberufler. Der eHBA wird zum Anschluss an die TI nicht zwingend benötigt, jedoch für nachfolgende Anwendungen. Dieser kann über die zuständige Landesärztekammer beantragt werden.

Alle hierfür zugelassenen Komponenten und Dienste werden auf der Internetseite der gematik veröffentlicht. Als Grundvoraussetzung zum Anschluss an die TI muss außerdem ein Internetanschluss vorhanden sein.
 

*Zu diesen Spitzenorganisationen zählen:
Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV-SV)
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV)
Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG)


Finanzierung

Die Kosten für die Anbindung an die TI werden von den Krankenkassen übernommen und über die Kassenärztlichen Vereinigungen  erstattet.
Für die Erstausstattung sowie für den laufenden Betrieb wurde eine Finanzierungsvereinbarung (Stand: 01.10.2019) getroffen:

Finanzierungs-
vereinbarung

Erstattung

Hinweis

Erstausstattungs-
pauschale
(Konnektor und
stationäres
eHealth-
Kartenterminal)

Bis 31.12.2019: 1.982€
(Konnektor: 1.547€
 Terminal  : 435€)

Bei Anspruch auf 2 oder 3
Kartenterminals, erhöht
sich die Erstausstattungs-
pauschale pro Gerät
um 435€.

Ab 1.1.2020: 1.549€
(Konnektor: 1.014€
 Terminal: 535€)

Bei Anspruch auf 2 oder 3
Kartenterminals, erhöht
sich die Erstausstattungs-
pauschale pro Gerät
um 535€.

Zahlung: einmalig

Ausschlaggebend
für die Höhe dieser
Pauschale ist der
Zeitpunkt der
Durchführung des
Versichertenstamm-
datenmanagements
(VSDM)!
Nicht der Zeitpunkt
an dem die Technik
bestellt wurde!

 

Komplexitätszuschlag
für Praxen mit
Anspruch auf mehrere
Kartenterminals

Bis 31.12.2019

230€ bei 2 Kartenterminals
460€ bei 3 Kartenterminals
Zahlung: einmalig

Ab 1.1.2020

Entfällt

Dieser Zuschlag wird
zusätzlich zur
Erstausstattungs-
pauschale gezahlt
Pauschale für mobiles
Kartenterminal

350€
Zahlung: einmalig

Bei Anspruch
(z. B. mindestens
drei Hausbesuche
pro Quartal)
Starterpauschale

900€
Zahlung: einmalig

PVS-Update,
Installation,
Schulung etc.
Betriebskosten für
die Wartung

248€ pro Quartal

Wartung für den
Konnektor und den
VPN-Zugangsdienst

Praxisausweis

23,25€
Zahlung: quartalsweise

je Praxisausweis
eHBA

11,63€
Zahlung: quartalsweise

je eHBA

Finanzierung der Ausstattung für das Notfalldatenmanagement (NFDM) und den elektronischen Medikationsplan (eMP)

Für das NFDM und den eMP werden weitere Komponenten benötigt.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben die Details zur Vergütung der Technik in der TI-Finanzierungsvereinbarung festgelegt.

Finanzierungs-
vereinbarung
Erstattung ab 1.10.2019 Hinweise
Zusätzliches
Kartenterminal
535€ je Kartenterminal Anspruch ist abhängig von der Anzahl der Betriebsstättenfälle:
Zusätzliches Kartenterminal je angefangene 625 Fälle
NFDM/eMP- Updates für
Konnektor und PVS
530€
Zahlung: einmailig
                  
Zusatzpauschale NFDM/eMP 60€ Je angefangene 625 Betriebsstättenfälle
Befristet bis 30.09.2020
Zuschlag Betriebskosten 4,50€
Zahlung: quartalsweise
 

Der Weg in die Telematikinfrastruktur

Aber wie gelingt nun der Anschluss an die TI?
Zunächst ist es wichtig, sich über die TI und die benötigten Komponenten zu informieren. Anschließend sollten Angebote eingeholt werden. Hierbei ist darauf zu achten, ob beispielsweise alle Kosten durch die Pauschalen abgedeckt sind und der Support geregelt ist. Der richtige Zeitpunkt zum Anschluss an die TI sollte ebenfalls überlegt sein, da dieser ausschlaggebend für die Erstattungspauschale ist. Der primäre Ansprechpartner, um sich an die TI anzuschließen zu lassen, ist der IT-Dienstleister.
Die gematik hat weiterführend Checklisten erstellt. Diese dienen als Hilfestellung um beim Anschluss nichts zu vergessen.


Quellen:
Bundesärztekammer
gematik
Kassenärztliche Bundesvereinigung