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Statement zum Pressebericht über Todesfälle aufgrund vermuteter Behandlungsfehler

Statement des Präsidenten der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Dr. Franz-Joseph Bartmann:

Bad Segeberg, 16.02.2012

Solche Zahlen sind selbstverständlich immer bedrückend. Jeder Fehler im Medizinbetrieb oder ärztliche Fehler, durch den Patienten zu Schaden oder gar zu Tode kommen, ist ein Fehler zu viel und für die Ärzteschaft unerträglich. Gleichwohl ist dabei die kritische Auseinandersetzung und Aufarbeitung und nicht billige Effekthascherei auf der Basis eines aus dem Zusammenhang gerissenen Zahlenmaterials angesagt.

Gerade in den letzten Jahren haben sich Fehler-Meldesysteme etabliert, die  erstmals halbwegs konkrete Zahlen generieren und nicht auf Hochrechnungen aus Stichproben und Einzelfällen beruhen. Diese sind in einem kontinuierlichen Aufbau begriffen. Die vermeintliche Steigerung lässt sich unseres Erachtens ausschließlich so erklären. Pro Jahr werden in Deutschlands Krankenhäusern allein 17 Millionen Fälle medizinisch betreut. Gefahrengeneigte ambulante Behandlungen sind da gar nicht mitgezählt. International wird von einer Fehlerrate ausgegangen, die auf Deutschland rückgeschlossen ca. 17.000 derartige Fälle vermuten ließe (Aktionsbündnis Patientensicherheit), sodass hier sogar nach wie vor eine Dunkelziffer anzunehmen ist, die die langjährige Forderung der Ärzteschaft nach einer besseren Erfassung nachdrücklich unterstützt.

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein ist Mitglied der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern in Hannover, die ca. 40 % aller in Deutschland auflaufenden Meldungen bearbeitet. Von dort werden uns in 2009: 46, in 2010: 41 und 2011: 37 - und somit sinkende Todesfälle gemeldet. In 2011 lag lediglich in zwei Fällen ein technischer Operationsfehler vor.

Durch flächendeckend in Deutschland durchgeführte Schulungen in Qualitätsmanagement und Patientensicherheit befördern die Landesärztekammern seit Jahren ein entsprechendes Sicherheits- und Qualitätsbewusstsein. Fehlermeldesysteme (z. B. CIRSmedical.de) ermöglichen heute die anonyme Meldung von Fehlern oder Beinahefehlern, um diese angstfrei einer Analyse zuführen zu können. Nur bekannte Fehler und Fehlerarten können systematisch analysiert und damit präventiv angegangen werden. Damit reagieren die Kammern auch auf die erhöhten Anforderungen im Rahmen einer seit Jahren zu verzeichnenden Leistungsverdichtung.

Bei der Interpretation derartiger Zahlen muss zudem stets mit bedacht werden, dass auch schwer- und schwerstkranke Menschen in Akut- oder Notfallsituationen oder mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen mit erfasst sind, bei denen aufgrund der Rahmenbedingungen per se ein höheres Risiko  besteht. Das rechtfertigt Fehler natürlich nicht, stellt aber nochmals besondere Anforderungen an ein Risikomanagement. Die ständig hinzukommenden, neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten erweitern die Patientenklientel auch um Menschen, denen man noch vor kurzem gar nicht helfen konnte.

Einmal mehr muss man darauf hinweisen, dass nackte, zusammenhanglose Zahlen der Effekthascherei dienen und eher Verwirrung stiften, als längst bekannte Lösungs- und Verbesserungsansätze konstruktiv zu unterstützen.