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Von bösartigen Prüfern ....

Vorwort im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt 04/2012

Dr. Franz-Joseph BartmannDr. Franz-Joseph BartmannLiebe Kolleginnen und Kollegen,

man sollte es schon selbst gelesen haben, unser Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt – von manchen in Erinnerung an die ehemals giftgelbe DIN A4 Ausgabe auch liebevoll als „Gelbe Gefahr“ bezeichnet.

Ansonsten kann es passieren, dass man bei der selektiven Wahrnehmung einzelner Schlag- oder Reizworte auf die falsche Spur gerät. Eine Methode, die übrigens häufig ganz bewusst eingesetzt wird, um missliebige Zeitgenossen zu desavouieren. Jeder, der sich schon einmal zu einem heiklen Thema öffentlich hat äußern müssen, weiß, wie sorgfältig jedes Wort abgewogen werden will, um die Gefahr des gezielten Missverständnisses zu minimieren. Erschwerend kommt hinzu, dass ein abgebrühter Interviewer so etwas natürlich mit Vorliebe provoziert.

Nein – es gibt keine bösartigen Prüfer in der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Wer das nicht immer schon gewusst oder zumindest geahnt hat, kann dies nachlesen im vorliegenden Heft ab der Seite 18 ff.

Neben der Weiterbildung gehört die Überwachung der Berufsordnung zu den Kernkompetenzen einer Ärztekammer. Und wie im Weiterbildungsrecht orientiert sich diese an den jeweiligen in der Arbeitsgemeinschaft Bundesärztekammer formulierten Musterordnungen. Auf dem Ärztetag in Kiel war im vergangenen Jahr eine neu überarbeitete Musterberufsordnung beraten und verabschiedet worden. Die Kammerversammlung
Schleswig-Holstein hat diese am 28. März in Landesrecht überführt.

Dabei war wie in Kiel ein Hauptdiskussionspunkt der § 16: „Beistand für Sterbende“. Nach einer sehr konstruktiv und differenziert geführten Diskussion bestand letztendlich Einigkeit in der Ablehnung der Suizidbeihilfe bei nicht sterbenskranken Patienten im Sinne gewerbsmäßiger Organisationen in der Schweiz oder der geübten Praxis in Holland. Allerdings war eine breite Mehrheit auch der Meinung, dass der Satz: „Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten“, mit der dieser Sachverhalt beschrieben und geregelt werden sollte, unter der Überschrift „Beistand für Sterbende“ falsch platziert wäre und damit Missverständnisse nahezu unvermeidlich seien. Der Vorstand wurde beauftragt, redaktionell eine saubere Trennung beider Sachverhalte zu
erwirken und einen entsprechenden Vorschlag in der nächsten Kammerversammlung einzubringen. Der Rest der Berufsordnung wurde dann mit kleinen redaktionellen Änderungen nach ebenfalls sehr disziplinierter Diskussion verabschiedet.

Mit großer Spannung warten wir Schleswig-Holsteiner auf die bevorstehende Landtagswahl am 6. Mai. Schneller als noch zum Jahreswechsel erwartet, sind wir plötzlich nicht mehr die einzigen und ersten, bei denen antizyklisch
eine derartige politische Neuorientierung ansteht. Auch aus der berufspolitischen Perspektive ist diese Wahl alles andere als bedeutungslos (Titelthema Seite 11 ff.). Gerade vor dem Hintergrund einer im Versorgungsstrukturgesetz vorgesehenen Stärkung der regionalen Kompetenzen in der Planung und Gestaltung des Gesundheitswesens fühlen wir uns hier gemeinsam mit dem Sozialminister Heiner Garg auf einem guten Wege. Wir würden uns sehr wünschen, dass wir den auch weiter gemeinsam gehen könnten. Andererseits deutet der Wahlausgang im Saarland nicht unbedingt in Richtung einer Fortsetzung der jetzigen Koalition. Aber wer weiß? In jedem Falle wünschen wir uns eines ganz doll: Kompetenz und Kooperationswillen im Sozialministerium.

... und ratlosen Politikern

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Ihr
Dr. med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident