Bereichsnavigation

Start » Aktuelles » Archiv 2011 » Der Weg ist das Ziel Seite als Email versenden Seite drucken Seite als PDF ausgeben

Der Weg ist das Ziel

Vorwort im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt 11/2011

Dr. Franz-Joseph BartmannDr. Franz-Joseph BartmannLiebe Kolleginnen und Kollegen,

die Evaluation der Weiterbildung 2011 ist am 30. September mit einem passablen Zieleinlauf zu Ende gegangen. Bis zum letzten Tag der Erhebungsphase für Weiterbildungsassistenten war ein stetiger Anstieg der Beteiligungskurve ohne das üblicherweise am Ende derartiger Erhebungen erwartete Zielplateau zu verzeichnen.

Auf die inhaltlichen Ergebnisse kann man gespannt sein. Immerhin haben über 50 Prozent aller Weiterbildungsbefugten, die bereits 2009 teilgenommen und anschließend einen individuellen Befugtenbericht bekommen hatten, angegeben, dass dieser Bericht nicht nur Anlass zu Besprechungen im Team, sondern auch zur inhaltlichen Umgestaltung der Weiterbildung gewesen ist.

Handlungsbedarf besteht aber nicht nur am Ort des Weiterbildungsgeschehens. Auch die Musterweiterbildung bedarf einer gründlichen Überprüfung und Reform. Im Durchschnitt 10-jährige Zyklen grundsätzlicher Novellierungen bilden die Fortschritte der Medizin nur sehr unvollständig ab und sind in Teilbereichen bereits bei Inkrafttreten durch die Dynamik der Entwicklung überholt. Andererseits stoßen bereits bei dieser Frequenz die Weiterbildungsabteilungen in den Kammern durch die Vielzahl sich teilweise überschneidender Übergangsbestimmungen an die Grenzen der Administrierbarkeit - ganz zu schweigen von der Verwirrung bei den unmittelbar betroffenen Befugten und Weiterbildungsassistent(inn)en.

Entwicklungen, wie sie sich beispielsweise in der Telemedizin (S. 32) und bei der individualisierten Pharmakotherapie durch Genomanalyse andeuten, müssten bereits heute im Kanon der Weiterbildungsthemen erscheinen, ohne dass sie einzelnen Gebieten zugeordnet und obligat für alle gefordert werden könnten. Auch die Lebens- und Arbeitsplanung der jetzt nachwachsenden Ärztegeneration (S. 12) schreit geradezu nach der Flexibilisierung eines Regelwerkes aus einer Zeit, in der eine bunte Schar - in der Mehrzahl männlicher! - Weiterbildungsassistenten vor dem Sprung in die lukrative Niederlassung ihrem Herrn und Lehrmeister an sieben Wochentagen über 24 Stunden zur Verfügung standen. Der Erwerb von Weiterbildungsinhalten muss zukünftig auch berufsbegleitend und ohne Unterbrechung der jeweils aktuellen Erwerbsbiographie möglich sein. Denn das Spektrum und die Bandbreite ärztlicher Tätigkeit sind breit und variabel wie in kaum einer anderen Berufsgruppe.

Nicht selten werden wir in anderen Kontexten wegen der besonderen Verantwortung mit Verkehrspiloten verglichen. Und deren Einsatzgebiet reicht vom „richtigen“ und ursprünglichen Fliegen in der viersitzigen Cessna 172 Skyhawk bis zum Airbus A 380 in der je nach Ausstattung 550 bis 850 Passagiere mehr oder weniger vollautomatisch über große Strecken transportiert werden können.

Die Analogie ist vermutlich zwingender als auf den ersten Blick erkennbar. Nach der fliegerischen Grundausbildung (Approbation) folgt die individuelle und differenzierte Aus-/Weiterbildung für das jeweils aktuelle Einsatzgebiet, welches im Laufe eines langen Berufslebens durch technische Entwicklungen und innerbetriebliche Strukturverschiebungen durchaus auch mehrfach wechseln kann. Mit etwas Phantasie könnte man daraus auch Strukturkonzepte für die ärztliche Weiterbildung ableiten. Vielleicht gilt in nicht allzu ferner Zukunft auch für die ärztliche Weiterbildung der Slogan:

Nur Fliegen ist schöner!

Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Ihr
Dr. med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident