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Der ideale Zeitpunkt

Vorwort im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt 03/2012

Dr. Franz-Joseph BartmannDr. Franz-Joseph BartmannLiebe Kolleginnen und Kollegen,

gibt es das eigentlich – den idealen Zeitpunkt? Retrospektiv betrachtet allemal! Aktien an ihrem Tiefststand einkaufen und am absoluten Höchststand wieder abzustoßen ist der Traum und das Ziel jedes Börsianers – aber eben nur ein Traum und nicht planbar oder mathematisch kalkulierbar. Und der Rat, immer dann aufzuhören, wenn etwas am schönsten ist, scheitert fast regelhaft an der menschlichen Illusion, Glück könne möglicherweise doch nicht endlich  sein.

Wann soll ich wie und mit welcher Detailtiefe und vor allem wen über mögliche Entwicklungen, vor allem natürlich drohendes Unheil, informieren, ohne einerseits einen zu großen Adressatenkreis unnötig zu verunsichern, andererseits aber jedem potenziell Betroffenen die Gelegenheit zum rechtzeitigen eigenen Handeln zu geben?

In derartigen Entscheidungssituationen stehen wir gelegentlich, zuletzt in den letzten Monaten des vergangenen Jahres bis hin zum Redaktionsschluss dieses Ärzteblattes zum Monatswechsel Februar/März.

Von Beginn an hatten wir die Entwicklung des Gendiagnostikgesetzes kritisch begleitet. Trotz Hinweisen und Protesten aus den Ärztekammern, dass die Entwicklung und Umsetzung der entsprechenden Qualifizierungsrichtlinie die ärztliche Berufsausübung betreffe und die Zuständigkeit der Kammern tangiere, wurde diese durch die Gendiagnostikkommission (GEKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) erstellt und die Umsetzung mit Stichtag 1. Februar 2012 an die Bundesländer übertragen.

Ein Aufschub um zwei Jahre, der den Ländern und den in der zweiten Novemberhälfte von diesen beliehenen Kammern einen geordneten Verfahrensablauf ermöglicht hätte, wurde nach zunächst positiv gedeuteten Signalen vom BMG abgelehnt.

Bereits zuvor mussten die formal gar nicht zuständigen Ärztekammern sich zahlreichen Fragen verunsicherter Ärztinnen und Ärzte stellen: Ist unsere Fachgruppe, bin ich persönlich betroffen? Darf ich meine Patienten wie bisher beraten oder begehe ich damit einen Gesetzesverstoß? Was muss – kann ich tun, um Sanktionen oder Honorareinbußen zu vermeiden?

Und als Mitte Dezember, kurz vor den Weihnachtsfeiertagen, halbwegs Klarheit über diese Fragen herrschte und ein gängig erscheinender Kompromiss zwischen allen Beteiligten erreicht schien, haben wir unverzüglich und unter Zeitdruck die hauptsächlich betroffene Fachgruppe der Gynäkologen und Geburtshelfer persönlich, aber ohne Prüfung des Einzelfalls, über die konsentierten Qualifizierungsmaßnahmen informiert und ein entsprechendes Angebot vorgehalten. Mit wenigen Ausnahmen war die Resonanz auf dieses Vorgehen auch positiv.

Zwischenzeitlich wird, vor allem von den Humangenetiker, alles wieder infrage gestellt. Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt aber von einem Bestand der getroffenen Vereinbarungen aus.

Hoffentlich immer zum richtigen Zeitpunkt – zu Lebzeiten nämlich – kommt eine regelmäßige Anfrage unseres Versorgungswerkes an alle Leistungsempfänger. In Abständen von zwei bis drei Jahren müssen diese nämlich im Rahmen einer gesetzlichen Verpflichtung die Rechtmäßigkeit des Rentenerhalts durch eine amtlich testierte „Lebensbescheinigung“ nachweisen. Die Auswahl erfolgt allein nach dem Zufallsprinzip und hat keinerlei individualpersönliche Hintergründe. Gut möglich also, dass auch jemand ein solches Schreiben erhält, der durch regelmäßige Kontakte zu Instituten der Kammer einen permanenten Lebensnachweis führt. Das führt gelegentlich zu irritierten „Nachfragen“. Die meisten nehmen es aber mit Humor – frei nach dem Motto:

Hurra, ich lebe noch!

Ihr
Dr. med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident