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Das Heulen der Wölfe ...

Vorwort im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt 12/2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nein, ein Leitwolf im klassischen Sinne war er nicht! Das Rudel musste häufig ohne ihn auskommen, fühlte sich gelegentlich sogar im Stich gelassen oder missverstanden. Aber wenn er seine Stimme erhob, wenn Jörg Hoppe „Tacheles“ redete, fand er meist Gehör, wenn auch nicht immer ungeteilte Zustimmung. Professor Dr. Hoppe hat bis zuletzt, als seine Stimme ihm kaum noch gehorchen wollte, immer wieder die ethischen Grundlagen des Arztberufes beschworen. Unvergessen wird seine letzte große Rede zur Eröffnung des 114. Deutschen Ärztetages in Kiel bleiben: „Wir sind keine Kaufleute und die Patienten sind keine Kunden“ und „Bei begrenzten Ressourcen und steigender Morbidität ist die Diskussion um Priorisierung als Instrument der transparenten Verteilungsgerechtigkeit ... unverzichtbar“. Das waren Kernbotschaften, die diejenigen, an die sie gerichtet waren, sehr wohl gehört und verstanden haben. Und nicht wenigen Ärztinnen und Ärzten, vermutlich sogar deren - schweigender - Mehrheit, hat er dabei aus der Seele gesprochen.

Tatsache ist aber auch, dass das inkriminierte Verhalten, insbesondere das Angebot und die Durchführung so genannter individueller Gesundheitsleistungen keine Einzelphänomene sind und durchaus nicht nur von besonders geschäftstüchtigen Ärztinnen und Ärzten ausgehen. Vielmehr gibt es einen zunehmenden gesellschaftlichen Bedarf und eine Nachfrage nach medizinischen Leistungen außerhalb dessen, was die gesetzliche Krankenversicherung zu leisten in der Lage ist. Wie im allgemeinen Konsumverhalten ist dabei nicht alles das, was verlangt oder angeboten wird, für den Einzelnen tatsächlich sinnvoll. Und in diesem Grenzbereich ist das ärztliche Gewissen gefordert und herausgefordert.

Prof. Hoppe war bereit, sich gegen den Mainstream zu stellen und nicht mit den Wölfen zu heulen.

Das galt im Übrigen auch im Hinblick auf seine Beziehung zur Politik. Sein immer wiederkehrender Hinweis auf die Notwendigkeit zur „Priorisierung“ wurde bis zuletzt von den verantwortlichen Politikern gezielt missverstanden oder negativ uminterpretiert. In der Gesellschaft allerdings ist diese Idee bereits platziert und wird sich auch durchsetzen.

Und das ist ein gutes Signal. Ist es doch ein Beleg für die Notwendigkeit und Daseinsberechtigung der Selbstverwaltung: Aus innerer Kenntnis und politischer Unabhängigkeit heraus das Gesundheitswesen im Interesse des Gemeinwohls maßgeblich und verantwortlich mit zu gestalten.

In dem Moment, in dem eine Mehrheit in der Gesellschaft zu der Überzeugung käme, dass die Politik ihre Interessen besser vertritt als die Selbstverwaltung, wird sie dieser das Mandat zwangsläufig entziehen. Diese Gefahr hat Jörg Hoppe, gerade in den letzten Jahren, immer gesehen und entsprechend gehandelt - auch wenn das Manche nicht immer verstanden haben oder verstehen wollten.

Für uns sollte das Motto gelten: Wenn man Gefahr läuft von rechts überholt zu werden, ist seitliches Rammen meist die schlechtere Lösung - besser ist: Selber Gas geben.

In diesem Sinne werden wir Jörg Hoppe als mutigen und aufrichtigen Vertreter der deutschen Ärzteschaft in ehrender Erinnerung behalten!

Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Ihr
Dr. med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident