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Hoffen und Harren ...

Dr. Franz-Joseph BartmannDr. Franz-Joseph BartmannLiebe Kolleginnen und Kollegen,

wenn Sie diese Zeilen lesen, ist die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gerade vor wenigen Tagen entschieden worden. Jedem war klar, dass der Wahlausgang Auswirkungen weit über die Landesgrenzen hinaus entfalten würde. Vermutlich ist es aber reiner Zufall, dass bei uns in Schleswig-Holstein ein Beschluss der Haushaltsstrukturkommission vom April jetzt durch die Kabinettsvorstellung politisch Fahrt aufnimmt. Durch eine vorzeitige Indiskretion des FDP-Fraktionsvorsitzenden, der in der öffentlichen Wahrnehmung sein Herz zwar auf der Zunge trägt, sich in Wahrheit aber kaum je ohne bewusstes Kalkül in Szene setzt, waren in der letzten Aprilwoche die Pläne zur möglichen Veräußerung des Universitätsklinikums an private Investoren und die Aufgabe des Studienstandorts Lübeck an die Öffentlichkeit gelangt (S. 24). Dabei hatten doch viele gehofft, dass die in der Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen angekündigten Ziele eines „in zehn Jahren verfassungskonformen schuldenfreien Haushaltes“ irgendwie schon vereinbar sein könnten mit der „Sicherung und dem Ausbau des Wissenschaftsstandortes Schleswig-Holstein“.

Gelernt haben sollte man inzwischen, dass nicht immer automatisch alles gut wird, wenn die Politik sich kümmert. Dabei wäre es ungerecht, den guten Willen infrage zu stellen. Auch Politiker möchten für gute Leistungen belohnt (und dann auch wiedergewählt) werden. Der Haken ist nur, dass nachhaltige Planung in der Regel deutlich über vier bis fünf Jahre hinaus angelegt sein muss und dass auch hehre Endziele häufig unpopuläre Maßnahmen erfordern, die dem potenziellen Wähler nur schwer vermittelbar sind. Also dann am besten erstmal das planen und fordern, was (nur) auf den ersten Blick plausibel und zielführend scheint. Aber: Bringen tatsächlich mehr Studienplätze auch mehr Ärzte in die kurative Medizin oder würde Bürokratieabbau und Entlastung von bestimmten Routinetätigkeiten mehr Mediziner veranlassen, nicht in andere Berufsgruppen abzuwandern? (S. 22) Oder basiert eventuell bereits die Ausbildung auf einem nicht mehr der Zeit adäquaten Berufsbild? Erst die evidenzbasierte Beantwortung dieser Fragen würde die Umsetzung weitreichender Konzeptvorschläge rechtfertigen!

Wie sehr sich tatsächlich das Berufsbild des Arztes - mehr noch in der öffentlichen als in der Selbstwahrnehmung - im Wandel befindet, zeigen Entwicklungen, wie sie auf Seite 62 angedeutet sind. Die Medizin wird grün - oder bunt. Was vor Jahren noch großen Handelsketten, Modehäusern und Schnellrestaurants vorbehalten schien, die Suggestion von Qualität durch ein „Label“, ein Markenzeichen, hat mit DocMorris im Apothekenbereich bereits Eingang gefunden und scheint jetzt auch auf die Arztpraxis überzuschwappen. Man kann das werten und sich positionieren, wie man will: Wenn die Zeit reif ist für eine Idee, setzt diese sich auch durch. Die Idee eines Qualitätslabels ist allerdings nicht neu. Mehrfach hatte ich an dieser und anderer Stelle auf entsprechende Pläne der Interessengemeinschaft der Heilberufe (IdH) in Schleswig-Holstein hingewiesen. Nur machen müsste man es!

Denn keineswegs sollten wir den zweiten Teil des Eingangszitates - ... hält manchen zum Narren - auf uns münzen lassen. Wir sind weder Hofnarren noch Doofnarren, sondern als Selbstverwaltung ernst zu nehmende und legitimierte Partner bei der Gestaltung eines zukunftsfähigen Gesundheitswesens in Schleswig-Holstein und Deutschland.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Ihr
Dr. med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident