„Abstimmungen und Vorbereitungen auf Impfungen laufen auf Hochtouren."
06.08.2009
Medieninformation des Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren des Landes Schleswig-Holstein:
KIEL. Vor rund 100 Tagen sind in Deutschland die ersten Erkrankungsfälle der Neuen Influenza („Schweinegrippe“) aufgetreten, in Schleswig-Holstein vor gut 60 Tagen. Mit Stand vom 5. August 2009 waren oder sind 191 Bürgerinnen und Bürger im Land mit dem neuen Influenza-Virus A/H1N1 infiziert; die meisten Erkrankten sind bereits wieder gesund. „Wir haben die Situation in Schleswig-Holstein gut im Griff, stimmen uns sehr eng und zeitnah mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst, den Krankenhäusern und dem niedergelassenen Bereich ab“, erklärte Gesundheitsminister Dr. Christian von Boetticher heute (6. August). „Nach den ersten hundert Tagen mit Erkrankungen an Schweinegrippe lässt sich folgende Bilanz ziehen: Die Erkrankungen verlaufen in der Regel mild; hauptsächlich ist die Altersgruppe der 17- bis 25jährigen Menschen betroffen. Wir informieren die Bürgerinnen und Bürger des Landes regelmäßig und geben ausführliche Informationen sowie gezielte Empfehlungen zu speziellen Anlässen, wie z. B. die Ferienlager in Schleswig-Holstein während der Schulferien oder das Heavy Metal-Festival in Wacken.“
„Die Menschen im Land wissen, dass simple Vorbeugungsmaßnahmen die Ausbreitung der Schweinegrippe verhindern bzw. reduzieren können“, so der Minister weiter. „Jeder sollte sich noch häufiger als sonst die Hände waschen und - falls möglich – desinfizieren. Hände schütteln hingegen ist gegenwärtig nicht angesagt. Erkrankte sollten umgehend Kontakt zum Arzt aufnehmen - und dann den Kontakt zu Mitmenschen auf das Allernötigste beschränken.“
„Die epidemiologische Lage bedeutet für die landesweit 15 Gesundheitsämter, zahlreiche Mitarbeiter der Landesregierung sowie viele weitere Beteiligte eine große Herausforderung“, sagte von Boetticher. „Die Beschäftigten arbeiten seit Wochen unter hoher Belastung, dafür möchte ich allen meinen ausdrücklichen Dank aussprechen.“
Informationen zum aktuellen Stand
DATEN
Die meisten Infektionen betreffen die Altersgruppe der 17- bis 25jährigen,
betroffen sind etwa gleich viele Frauen wie Männer.
Die meisten Infektionen bringen gegenwärtig Reiserückkehrer vom spanischen Festland und von Mallorca mit. Spezielle Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes liegen zurzeit nicht vor.
Die bisher gemeldeten Fälle sind in der Regel milde verlaufen, es gab keine Komplikationen oder gar Todesfälle.
MEDIKAMENTE
Die Landesregierung hat am 5. Mai 2009 beschlossen, den Medikamenten-Vorrat so weit aufzustocken, dass er dann für 20 Prozent der Bürgerinnen und Bürger reicht (= rd. 566.000 Therapie-Einheiten). Hierbei handelt es sich um Medikamente, die erst dann vom Land verteilt werden, wenn die Apotheken und sonstigen Abgabestellen komplett ausverkauft sind.
IMPFSTOFF
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 7. Juli eine Empfehlung zum Thema Impfungen veröffentlicht, die als Handlungsgrundlage dient.
Das thüringische Gesundheitsministerium (Thüringen ist derzeitiges Vorsitzland der Gesundheitsministerkonferenz) hat im Auftrag aller Bundesländer 50 Millionen Impfdosen bestellt, die für etwa ein Drittel aller Deutschen reichen.
Mit diesem Impfstoff sollen aufgrund des erhöhten Risikos folgende Gruppen geimpft werden: Schwangere Frauen und chronisch Kranke (Beispiel: Asthmatiker), Polizei und Feuerwehr, Beschäftigte in Gesundheits-Einrichtungen (Beispiele: Krankenhäuser, Apotheken)
Das Bundeskabinett wird am 12. August eine Verordnung beschließen, in der u. a. geregelt werden soll, dass die Impfung für die o.g. Personengruppen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird.
Schleswig-Holstein bekommt rund 1, 72 Millionen Impf-Dosen zugeteilt. Das reicht, um 860.000 Menschen zweimal zu impfen.
Der Hersteller hat angekündigt, mit der Auslieferung der Impfstoffe spätestens Anfang Oktober zu beginnen.
Darüber hinaus soll in jedem Bundesland ein Fonds zur schnellen Refinanzierung der Impfkosten angelegt werden, an dem sich neben den gesetzlichen auch die privaten Krankenkassen sowie Beihilfe-Träger beteiligen.
Der Influenza-Pandemieplan des Landes Schleswig-Holstein sieht vor, dass die Gesundheitsämter die Impfungen übernehmen; aufgrund der Kürze der Zeit und der knappen personellen Ressourcen müssen sie unbedingt von niedergelassenen Ärzten unterstützt werden.
Empfehlungen zum Verhalten
Vor dem Hintergrund der weiter steigenden Erkrankungszahlen erneuert das Gesundheitsministerium seine Handlungs- und Verhaltensempfehlungen:
Wie wird das Virus übertragen?
Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch Tröpfcheninfektion. Beim Niesen oder Husten können Erreger auch auf die Hände gelangen und durch direkten Kontakt weitergegeben werden. Enger Kontakt zu Mitmenschen z. B. in großen Menschenansammlungen oder Begrüßungsküsschen und Händeschütteln erleichtern die Übertragung des Virus.
Welche Hygienemaßnahmen sind im Alltag sinnvoll?
- Regelmäßiges Händewaschen und - falls möglich - desinfizieren
- Bevorzugt in den Ärmel husten oder niesen
- Einmaltaschentücher verwenden
Wann besteht ein Verdacht auf Neue Influenza?
Zu den Krankheitszeichen gehören Fieber, Schüttelfrost, Schnupfen oder verstopfte Nase, Halsschmerzen, Husten, Atemnot oder Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen, schweres Krankheitsgefühl.
Was ist bei einem Verdacht auf Neue Influenza zu tun?
Man sollte telefonisch Kontakt zum Hausarzt aufnehmen, die Symptome schildern und mit der Praxis den Zeitpunkt einer Untersuchung verabreden. Auf diese Weise hat die Praxis die Möglichkeit, sich vorzubereiten und die Untersuchung potenziell infektiöser Patienten im Arbeitsablauf einzuplanen.
Wie kommt man zum Arzt?
Der Weg zum Hausarzt sollte mit einem Privat-PKW oder auch einem Taxi zurück gelegt werden, öffentliche Verkehrsmittel sollten nicht genutzt werden, weil dadurch andere Menschen, insbesondere Risikogruppen wie Säuglinge, Schwangere und chronisch Kranke unnötig gefährdet werden. Im Erkrankungsfall ist also der Kontakt zu anderen Menschen soweit wie möglich zu meiden.
Was passiert beim Arzt?
Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass es sich bei der Erkrankung um die Neue Influenza handelt, wird er eine Untersuchung durchführen und das zuständige Gesundheitsamt einschalten. Ob eine Behandlung mit speziellen antiviralen Medikamenten erforderlich ist, entscheidet der Arzt. Wenn der Arzt eine Laboruntersuchung veranlassen möchte, wird er Abstriche aus Nase und Rachen entnehmen. Diese werden in spezialisierten
Laboren ausgewertet. Die Ergebnismitteilung kann bis zu zwei Tagen dauern.
Was macht das Gesundheitsamt?
Wenn sich der Verdacht auf Neue Influenza bestätigt, informiert das Gesundheitsamt über Verhaltensregeln und veranlasst Maßnahmen, die die Weiterverbreitung des Virus verlangsamen. Dazu gehört vorrangig die häusliche Isolierung von Erkrankten. Durch Isolierungsmaßnahmen werden Infektionsketten unterbrochen. Es gilt insbesondere Personen, die ein Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben, durch Isolierung möglicher Überträger zu schützen und Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen - wie z. B. Kindertagesstätten - zu verhindern. Daher müssen enge Kontaktpersonen von Erkrankten (z. B. Familienangehörige) ebenfalls zu Hause bleiben, wenn sie etwa in Krankenhäusern oder Kindertagesstätten arbeiten. Zu den schutzbedürftigen Personen gehören z. B. Säuglinge, Schwangere und Personen mit bestimmten chronischen Grunderkrankungen.
Was sollte man zur Zeit nicht machen?
- Enge Begrüßungsrituale (Umarmen, Wangenküsse, Händeschütteln) gilt es zuvermeiden,
- man sollte nicht gemeinsam aus einem/r Becher/Glas/Flasche/Dose trinken.




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