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Ombudsbericht 2007: Wunsch nach Rat und Hilfe nimmt zu

Presseinformation des Vereins Patientenombudsmann/-frau Schleswig-Holstein e. V.

09.06.2008

Immer mehr Kommunikationsprobleme zwischen Arzt und Patient. Ombudsverein vermittelt und sucht Lösungen. Auch Wartezeiten werden zum Problem – Kassenpatienten fühlen sich benachteiligt.

In einer Pressekonferenz stellte der Vorsitzende des Ombudsvereins, Prof. Günter Jansen, am 05. Juni im Landeshaus in Kiel den Tätigkeitsbericht 2007 vor.

Bad Segeberg, 05. Juni 2008 – Die Anfragen rat- und hilfesuchender Menschen an die Ombudsleute in Schleswig-Holstein haben auch im Jahr 2007 weiter zugenommen. 1395 Patientinnen und Patienten wandten sich 2007 an die Ombudsleute, weil sie Konflikte im stationären, ambulanten oder pflegerischen Bereich nicht mehr allein zu lösen vermochten: „Wir haben in diesem Jahr festgestellt, dass sich die Problemfelder von der Verordnungsthematik im vorigen Jahr hin zu Kommunikationsproblemen zwischen Arzt und Patient verschoben haben“, erklärte der Vorsitzende des Vereins, Prof. Günther Jansen, heute in Kiel.

Aus der Sicht der Patientenombudsleute fühlen sich mehr Patienten als in den Vorjahren von Ärzten nicht immer ernst genommen, vermissten Zuwendung und fühlten sich als „Nummer im Wartezimmer“. „Wir haben den Eindruck“, so die Ombudsfrau Siegrid Petersen aus Flensburg“, dass dies eine Folge von immer mehr um sich greifender Hektik und Stress ist, die durch Kosten- und Zeitdruck verursacht werden und Nährboden für Unfreundlichkeit und Fehlverhalten sowohl im Krankenhaus als auch in der Praxis sind.“ Im Tätigkeitsbericht 2007 des Patientenombudsvereins werden dazu zahlreiche Beispiele aufgeführt; dabei haben die Ombudsleute aber auch immer wieder sehr positive Verhaltensweisen der Ärzte gegenüber ihren Patienten registriert.

Der Ombudsverein wurde 1996 gegründet, um Patientinnen und Patienten Möglichkeiten zu geben, Beschwerden und Kritik im Zusammenhang mit ambulanten, stationären und pflegerischen Einrichtungen aber auch mit Krankenkassen und z. B. dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung mit Hilfe des Vereins regeln zu können. Der Ombudsverein begreift sich in diesem Zusammenhang als Mittler zwischen den Parteien. Er ist stets darauf bedacht, beide Seiten zu hören, um dann als Vertreter berechtigter Interessen der Patienten diese konsequent zu unterstützen.

Viel Rat und Hilfestellung gaben die Ombudsleute auch zum Thema Wartezeiten auf Praxistermine oder in den Praxen. „Auch hier haben wir eine Zunahme registriert. Die Menschen wissen sich oft nicht zu helfen, wenn sie sich krank fühlen, aber dann lange auf einen Termin warten müssen.“, so Petersen. Einige Patienten hätten hier den Selbstversuch unternommen und sich als Privatversicherte ausgegeben. Darauf hin wurden ihnen Termine in wesentlich kürzerer Zeit angeboten.

Ein Phänomen, das um sich greift und mit der Budgetierung des Honorarsystems begründet wird, sind sog. Budgetferien von einzelnen Praxen in den letzten Wochen des Quartals.
Auch werden Patiententermine – offensichtlich aus Abrechnungsgründen – in das jeweils nächste Quartal verschoben und erhöhen dann den Druck auf Arzttermine zusätzlich.
Die Patientenombudsleute bitten die Ärztinnen und Ärzte nachdrücklich, auf solche Maßnahmen zu verzichten.
Die Ärzteschaft hat mit den Krankenkassen Verträge abgeschlossen, die eindeutig festlegen, dass die Versicherten im Rahmen einer vereinbarten Gesamtvergütung kontinuierlich über das ganze Jahr – auch in den letzten Wochen eines Abrechnungsquartals – versorgt werden. Die Ombudsleute berufen sich dabei auch auf § 70 SGB V:

§70 SGB V Qualität, Humanitat und Wirtschaftlichkeit

  1. Die Krankenkassen und Leistungserbringer haben eine bedarfsgerechte und gleichmäßige, dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Versorgung der Versicherten zu gewährleisten. Die Versorgung der Versicherten muss ausreichend und zweckmäßig sein, darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten und muss in der fachlich gebotenen Qualität sowie wirtschaftlich erbracht werden.
  2. Die Krankenkassen und Leistungserbringer haben durch geeignete Maßnahmen auf eine humane Krankenbehandlung ihrer Versicherten hinzuwirken.

Aus der Sicht des Vorsitzenden des Patientenombudsvereins seien allerdings nicht nur die Praxisinhaber und die Krankenkassen gefordert; auch die Politik müsse hier für die richtigen Rahmen-bedingungen und eine leistungsgerechte Vergütung der Ärzte Sorge tragen. Und die Krankenkassen müssten im Rahmen ihrer Verträge mit den Ärzten den erforderlichen Sprechstundenumfang konkreter festschreiben.
Mit dieser Thematik und anderen wichtigen Problemfeldern in der Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Krankenkassen und Patienten beschäftigt sich der Tätigkeitsbericht 2007 ausführlich.

Eine ganz andere Problematik hat das Pflegeombudsteam registriert. Neben zahlreichen Fragen um die Pflegeversicherung stellt sich das Thema „Versorgung nach Krankenhausaufenthalt“ immer mehr als großes Problem für die Angehörigen dar. „Wir haben Berichte“, erläutert die für den Pflegebereich zuständige Ombudsfrau Dagmar Danke-Bayer, „dass immer häufiger die Krankenhäuser zu kurzfristig informieren, dass ein Patient nicht mehr ein Fall für die Klinik ist, sondern in eine Pflegeeinrichtung gehört. Die Angehörigen sind dann oft überfordert, in der kurzen Zeit einen passenden Platz für den Patienten zu finden.“

Der Patientenombudsverein fordert deshalb alle Krankenhäuser auf, eine perfekt organisierte Serviceleistung zur Lösung dieses Problems anzubieten.
Es heißt: Rechtzeitig informieren, Hilfe bei der Inanspruchnahme trägerunabhängiger Informationen über regionale Pflegeangebote und im Bedarfsfall eine kurze Verlängerung des Klinikaufenthalts bis zur möglichen Inanspruchnahme einer stationären Pflege oder häuslichen Pflegeunterstützung für den Patienten.
Als erfreulich bezeichnet das Pflegeombudsteam die Tatsache, dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK Nord) bei Krankenhauspatienten innerhalb von 48 Stunden über die Pflegebedürftigkeit entscheidet.

Kontakt:

Verein Patientenombudsmann/-frau Schleswig-Holstein e.V.
c/o Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bismarckallee 8 - 12, 23795 Bad Segeberg.
Fon: 04551 803-125/ -133
Fax: 04551 803 180
Mobil: 0172 883 4818
Mail: ombudsverein@aeksh.org
Web: www.ombudsmann-sh.de

Ansprechpartner

Petra Bogaers
Tel.: 04551/803 - 224
Fax: 04551/803 - 180
E-Mail: ombudsverein@aeksh.org
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