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Medizin und Wissenschaft
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Zurück in die Anatomie - ein neuer Weg der ärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung Der anatomische Präpariersaal
im Institut für Anatomie der Universität zu Lübeck öffnet
sich den klinischen Fächern und bietet allen interessierten Ärzten
einen neuen Weg der ärztlichen Fortbildung. Operative Techniken und
neue Therapien werden vorgestellt und praktisch erprobt. Niedergelassene und
klinisch tätige Ärzte sind laut Approbationsordnung verpflichtet,
sich ständig und damit das ganze Berufsleben lang fort- und weiterzubilden.
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und methodische Fortschritte in der
Medizin sollen dadurch kontinuierlich in das Handeln der Ärzte zum
Wohle ihrer Patienten integriert werden. Die Pflicht als Arzt,
mit dem Wissenszuwachs der Medizin Schritt zu halten, wird theoretisch
zwar zu einer Konstante, praktisch aber durch die Vielfalt der Angebote
mehr als relativiert. Generell werden Fort-
und Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärzte von verschiedenen
Institutionen, Organisationen, wissenschaftlichen Gesellschaften, Kliniken
und Universitäten angeboten. Neu ist in jüngster Zeit, ausgereiftes Wissen und handwerkliches Tun über Kurse in anatomischen Instituten zu vermitteln.
Wurde die Anatomie,
abgesehen von ihrem vorklinischen Lehrauftrag und ihrer institutsgebundenen
Forschung, früher nur von Spezialisten bei der Entwicklung und Herstellung
neuer Instrumente und Geräte, die im und am Patienten zum Einsatz
kommen sollen, zur Realisierung ihrer Projekte genutzt, hat sie sich heute
den klinischen Fächern geöffnet
und stellt sich damit neuen Herausforderungen. Diese Entwicklung
lässt sich an der Universität in Lübeck sehr gut nachverfolgen.
Mit dem Einzug des Instituts für Anatomie in neue Gebäude im März 1983 wurde das Vollstudium der Humanmedizin in Lübeck erst möglich. Seither verfügt
das Institut für Anatomie über ausreichend viele Räume
für Lehre und Forschung. Hierfür stehen
Körper von Körperspendern zur Verfügung, die zu Lebzeiten
ihren Wunsch schriftlich niedergelegt haben, ihren Leichnam zu Zwecken
der Forschung und Lehre über den Aufbau des menschlichen Körpers
zur Verfügung zu stellen (siehe anatomische Leichenöffnung,
Gesetz über das Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen des Landes
Schleswig-Holstein vom 18. Februar 2005). Studienabschnitten
aus-, fort- und weitergebildet. Darüber hinaus wird in der Forschung
wissenschaftlichen Fragestellungen im Rahmen von Dissertationen und Habilitationen
nachgegangen. Zunehmend entstand
auch bei den Klinikern in operativen Fächern der Wunsch, mit den
Anatomen zusammenzuarbeiten, um bisher nicht erprobte Techniken mit neuen,
gewebeschonenden Zugangswegen zu etablieren. So wurden seit 1985 erste Operationstechniken zunächst von den Kliniken für Plastische und Handchirurgie, für Orthopädie, für Hals-, Nasen- u. Ohrenerkrankungen und für Gesichts-, Mund- und Kieferchirurgie gemeinsam mit den Anatomen studiert und erprobt. Schon bald wurden die ersten Fort- und Weiterbildungskurse unter Anleitung erfahrener Operateure an anatomischen Präparaten abgehalten. Inzwischen umfasst das Fächerspektrum mehr als zehn Fachdisziplinen bzw. -ausrichtungen (Augenheilkunde, Chirurgie, Hand-, Plastische und Ästhetische Chirurgie, Dermatologie, Frauenheilkunde, Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Implantologie, Neurochirurgie, Orthopädie, Fußchirurgie und Unfallchirurgie). Die meisten dieser Kurse werden regelmäßig, mindestens einmal im Jahr angeboten; sie erfreuen sich eines großen Zuspruchs, einzelne Kurse erreichen bis zu 100 Teilnehmer.
In diesen hochspezialisierten
Fortbildungsveranstaltungen am Original, dem menschlichen Körper,
werden neueste Behandlungsmethoden und -geräte getestet bzw. gelehrt:
Die gewonnenen Erkenntnisse und Fähigkeiten kommen unmittelbar dem
Patienten zugute. Doch nicht nur für
die operativ tätigen Spezialisten sollte der anatomische Präpariersaal
ein Ort der Fort- und Weiterbildung sein. Wir haben uns vor kurzem entschlossen,
allen interessierten Ärzten ein neues Forum der Fort- und Weiterbildung
anzubieten, bisher übrigens einzigartig in Deutschland. Da viele Niedergelassene
operative Techniken oder neue Therapieverfahren einzelner Disziplinen
zwar vom Namen her kennen, sich die Realität aber nicht immer dreidimensional
vorstellen können, andererseits aber gern ihren Patienten die Operation
kompetent erklären möchten, haben wir erfahrene Kliniker gebeten,
an einem Samstagvormittag häufige Operationstechniken ihres Faches
an Körperspendern zu demonstrieren. Beginnen wollen wir
mit dieser bisher ungewöhnlichen Art der Fortbildung am 4. April
2009 mit der operativen Behandlung häufiger Erkrankungen in der Handchirurgie
an oberen Extremitäten im Institut für Anatomie der Universität
zu Lübeck. Prof. Dr. J. Hoch
wird mit dem Ärzteteam seiner Klinik die erste Fortbildung veranstalten.
Die weiteren Veranstaltungen im Halbjahresrhythmus werden von der Akademie
für medizinische Fort- und Weiterbildung der Ärztekammer Schleswig-Holstein
angekündigt. Diese Veranstaltung
wird in enger Zusammenarbeit mit der Akademie für medizinische Fort-
und Weiterbildung der Ärztekammer stattfinden. Weitere Informationen
sind den Veröffentlichungen der Akademie zu entnehmen oder direkt
unter Tel. 04551/803-166 (Petra Petersen) zu erfragen. Prof. Dr. Lüder
C. Busch, Institut für Anatomie, Universität zu Lübeck,
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck, E-Mail busch@anat.uni-luebeck.de |
Schleswig-Holsteinisches
S. 66-67 |
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