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Impfschutz bei
Aufnahme in den Kindergarten 2007
Der Aufforderungscharakter der Ärztlichen Bescheinigungen
(zum Schließen von Impflücken) im Alter von etwa 3 ¼
Jahren ist unübersehbar. Die Rücklaufquote lag bis Ende Januar
2009 bei 90 Prozent. Eine aktualisierte Version wurde Anfang 2009 in Umlauf
gesetzt (u. a. Aufnahme von MenC und Pneumokokken).
Über die Einführung der Ärztlichen Bescheinigung
seit dem Jahre 2000, ihre Bedeutung (Information der Kindertagesstätten)
und die Auswertung des Impfstatus bei Aufnahme von Kindern in Kindertagesstätten
wurde zuletzt in Heft 9/2007 des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes
berichtet. Gültig für die nachfolgende Auswertung über
das Jahr 2007 ist noch die Markierung des Impfstatus in Tab. 1 (Markierung
des Haus- oder Kinderarztes in vollständig oder unvollständig/nicht
geimpft nach vorgelegtem Impfpass oder nach ärztlichen Unterlagen).
Mit Beginn des Jahres
2009 werden nach Abstimmung in der Arbeitsgemeinschaft Impfungen des Landesgesundheitsministeriums
zunehmend erweiterte Bescheinigungen in Umlauf kommen:
- In diesen sind
die zwischenzeitlich neu eingeführten Impfungen gegen Meningitis
C (Konjugatimpfstoff) und Pneumokokken (Konjugatimpfstoff) integriert
(Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung [GKV]
im Oktober 2006). Diese beiden neuen Impfungen können
bereits jetzt im freien Feld festgehalten werden.
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Tab.
1: Markierung des Impfstatus vor Aufnahme in eine Kindertagesstätte
(Kindergarten) vollständig geimpft |
Nach gemeinsamen
Auswertungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein
(KVSH)1 werden in Schleswig-Holstein nunmehr Sechsfach- oder Fünffach-Kombinationsimpfungsstoffe
regelhaft eingesetzt zum Erreichen der kompletten Grundimmunisierung
gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hämophilus
influenzae Typ b und überwiegend auch Hepatitis B (89 Prozent als
Sechsfach-Impfung und acht Prozent als Fünffach-Impfung). Wegen
des aP-Anteils (Keuchhusten) ist die komplette Grundimmunisierung erst
mit der 4. Gabe erreicht (Mindestabstand zwischen der 3. und 4. Impfung
sechs Monate). Daher wird nun die Definition der kompletten Grundimmunisierung
für Säuglinge und junge Kleinkinder bei den Komponenten der
Sechsfach- und Fünffach-Impfung der längst gängigen Praxis
angepasst (ab zwei Jahren mindestens viermal statt bisher
mind. dreimal). Das geschieht in Übereinstimmung mit
den Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI).
- Mit aufgenommen
in den Kopf der Ärztlichen Bescheinigung für die Aufnahme
in Kindertageseinrichtungen wird der Hinweis und zur Aktualisierung
bei Wechsel einer Kindertageseinrichtung.
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| Tab.
2: Auswertung der Einsendungen (Stand 24. Januar 2009) |
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Tab.
3: Impfschutz Aufnahme Kindergarten ein bis fünf Jahre (n = 18.468)
und Kindertagesstätten-gesamt Schleswig-Holstein 2007 (n = 20.840)
im Vergleich zum Jahr 2000 (in Prozent). * Bezug Windpockenabfrage:
n = 7.756,
** n = 8.704 |
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Die Einsenderate
der einzelnen Kreise ...
... lag zwischen 61,3 Prozent (Stadt Lübeck) und 99,0 Prozent (Landkreis
Dithmarschen).
Die 23.708 Gesamteinsendungen (inklusive der 235 schulpflichtigen Hortkinder)
machten 90,2 Prozent der 26.264 erwarteten Einsendungen aus (Vorjahr 89,1
Prozent von 26.923) (Basis der erwarteten Einsendungen nach dem landesweiten
Gesundheitsbericht2: 95 Prozent der
27.646 Schulanfänger hatten 2007 in Schleswig-Holstein einen Kindergarten
besucht). 95,8 Prozent der Einsendungen konnten ausgewertet werden (Auswertestichtag
5. Juli 2008). Die Einrichtungen der dänischen Minderheit sind in
den jeweiligen vier Kreisen mit enthalten (erwartet: 508 Einsendungen).
Gesamtauswertung
Einen Überblick über alle eingegangenen Ärztlichen
Bescheinigungen zeigt Tab. 2:
Auswertbar n = 20.840, Alter drei Monate bis elf Jahre und elf Monate,
im gewichteten Mittel drei Jahre und drei Monate (im Vorjahr drei Jahre
und vier Monate). Der Anteil der sehr jungen Kinder in Kinderkrippen
(jünger als 13 Monate) ist spürbar: Wurden in 2001 noch 0,2
Prozent (39 Säuglinge) in der Erhebung gefunden, waren es 0,8 Prozent
in 2007 (166 Säuglinge).
Kindergarten (ein
bis fünf Jahre)
Die Ergebnisse der Altersgruppe ein bis fünf Jahre (n = 18.468) stehen
im Mittelpunkt der Erhebung. Der Altersdurchschnitt (gewichteter Mittelwert)
lag bei drei Jahren und drei Monaten (vor acht Jahren bei drei Jahren
und sieben Monaten).
Wie schon in den letzten vier Jahren erkennbar, haben sich die geringen
Unterschiede der Impfschutzraten (Tab. 3) beim Vergleich dieser Gruppe
Kindergarten mit der Gesamtgruppe Kindertageseinrichtung
fast angeglichen.
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Abb.
1: Masern-Impfung Kindergarten (Aufnahme) SH 2000-2007 |
Impfschutz gegen
Masern und Windpocken
Die Rate für die Erst-Impfung (Abb. 1 und 2) gegen Masern liegt landesweit
in diesem Alter bei 94,2 Prozent (Vorjahr 93,0 Prozent). Die Spannweite
beträgt 90,7 Prozent (Landkreis Plön) bis 95,9 Prozent (Landkreis
Nordfriesland). Mumps und Röteln sind in der Einzeldarstellung fast
gleich (Tab. 3) (feste MMR-Kombination).
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| Abb.
2: Mind. 1 x Masern-Impfung, Kindergarten (Aufnahme) SH 2007 |
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Die Zweit-Impfung
gegen die Kombination MMR wurde vor sieben Jahren von der Ständigen
Impfkommission (STIKO) auf den früheren Zeitpunkt des 2. Lebensjahres
vorgezogen (STIKO-Empfehlung Juli 2001). Für die Zweit-Impfung bei
Aufnahme in den Kindergarten gegen Masern allein ist die Rate jetzt 82,4
Prozent (im Vorjahr 78,3 Prozent) (somit erneut eine Zunahme um 4,1 Prozentpunkte).
Die Schutzrate ist jetzt fast sechsmal höher als zum Zeitpunkt der
Einführung der Ärztlichen Bescheinigung im Jahr
2000. Bei Aufnahme in den Kindergarten hat Schleswig-Holstein gesamt im
Jahre 2007 erstmals die wichtige 80 Prozent-Schutzrate bei der 2. Masern-Impfung
überschritten.
Bei den niedergelassenen
Ärzten zeigen sich jedoch noch Unterschiede bei den Wiederholungsimpfungen:
In den Landkreisen und kreisfreien Städten findet sich eine regionale
Spannweite für die zweite Masern-Impfung von 77,3 Prozent, Landkreis
Stormarn, bis 87,3 Prozent, Landkreis Herzogtum Lauenburg, im Vorjahr
71,8 Prozent bis 83,7 Prozent.
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| Abb. 3: 2 x Masern-Impfung,
Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2007 |
Abb. 4: Hepatitis
B-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2007 |
13 der 15 Land- bzw.
Stadtkreise haben die 80 Prozent-Grenze überschritten. Im Vorjahr
waren es erst sieben, die diese für die Unterbrechung der Zirkulation
des Masern-Virus wichtige Mindestschutzrate bei der 2. Masern-Impfung
vorweisen konnten. So wurden im südlichen Schleswig-Holstein in 2007
zwei Masern- Ausbrüche in den Landkreisen Stormarn und Herzogtum
Lauenburg mit insgesamt elf Erkrankungen und 2008 sechs Masernerkrankungen
aus diesem Bereich gemeldet3,4.
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Tab.
4: Impfschutz bei Aufnahme Kindergarten (ein bis fünf Jahre),
Schleswig-Holstein 2007 regional |
Die Impfungen gegen
Varizellen wurden ab dem Kindergartenjahr 2006 erstmals erfasst. Es
konnten jedoch zunächst nur die Bescheinigungen berücksichtigt
werden, auf denen nach der sukzessiven Einführung die eindeutige
Möglichkeit zur Markierung als MMR-V gegeben war (n = 7.756 in der
Kindergartengruppe). In dieser waren 57,9 Prozent der Kinder mindestens
einmal gegen Varizellen geimpft (im Vorjahr in der Gesamtgruppe 44,4 Prozent)
und 10,0 Prozent nunmehr zweimal.
Impfschutz gegen Hepatitis B (Abb. 4 und 5)
Bei Aufnahme in eine Kindertageseinrichtung ist die Rate landesweit mit
90,9 Prozent etwas gestiegen (Vorjahr 90,2 Prozent, 75,0 Prozent im Jahr
2000). In einem Kreis impfen die niedergelassenen Ärzte unverändert
sehr zurückhaltend, wenngleich auch in diesem von Jahr zu Jahr um
4,6 Prozentpunkte höhere Raten messbar sind (Spannweite landesweit
79,5 Prozent [Landkreis Plön] bis 94,5 Prozent [Landkreis Dithmarschen
und Ostholstein], Vorjahr 74,9 Prozent bis 94,7 Prozent). Nach Rautenberg3
hatte die Hepatitis B im Jahr 2007 mit 26 gemeldeten Fällen (Neuerkrankungen)
die niedrigsten Meldezahlen seit Beginn der systematischen Erhebungen
in Schleswig-Holstein im Jahre 1984.
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| Abb.
5: Hep B-Impfung (mind. 3 mal) Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein
2000-2007 |
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Impfschutz gegen
Diphtherie, Tetanus, Polio, Pertussis und Hib (Tab. 3 und 4)
Die Darstellung der fünf Impfungen (Tab. 4) soll zeigen, dass in
den einzelnen Gebieten je nach Impfart die Schutzraten zwischen 90,7 Prozent
(Pertussis) und 98,5 Prozent (Tetanus) liegen. Landesweit haben diese
Impfungen alle die Marge von 94 Prozent überschritten - nur in diesem
Jahr erneut nicht die gegen Pertussis mit 93,7 Prozent.
Zusammenfassung über den achten Jahrgang
Die ermittelten Impfschutzraten umfassen gesetzlich und privat Versicherte.
Sie sind wie bisher Ausdruck der Aktivität ausschließlich der
niedergelassenen Ärzteschaft (der ÖGD in Schleswig-Holstein
kommt bisher aktiv erst ab der Schuleingangsuntersuchung ins Spiel). Gegen
Varizellen waren nunmehr fast 58 Prozent der Kinder in einer Teilgruppe
mindestens einmal geimpft. Der Kindergartenjahrgang 2007 zeigt im Vergleich
zum Vorjahr wieder einen Zuwachs der Impfschutzrate um vier Prozent-Punkte
bei der zweiten MMR-Impfung (Kombination 82,3 Prozent), der jährliche
Anstieg bei der Hep B-Impfung ist nach zwei Jahren wieder deutlicher (von
90,2 Prozent auf jetzt 90,9 Prozent).
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| Tab.
5: Impfschutzraten (Prozent) bei Kindern bis 24 Monaten in Schleswig-Holstein
2007 (geboren 2005) in Abhängigkeit vom Alter nach KV-Ziffern-Abrechnung
(U3 bis U7 komplett, n = 14.697) |
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Wie bereits im letzten
Jahr gezeigt, werden diese ermutigenden Impfraten im Vergleich zu den
Vorgaben der STIKO jedoch erst mit Eintritt in den Kindergarten erreicht,
somit erheblich verzögert. Das zeigt die Fortführung der Längsschnittuntersuchung
von der Geburt bis zum Alter von 24 Monaten über den Zeitraum 2005
bis 2007 nach Abrechnungsziffern der KVSH (Tab. 5, Geburtskohorte 20051).
So haben mit 19 Monaten erst 86 Prozent GKV-versicherter Kinder die erste
Masern-Impfung und mit 24 Monaten erst 71 Prozent die zweite Masern-Impfung
erhalten. Diese Verzögerung bedeutet für das Ziel der Masern-Eliminierung
verlorene Zeit. Spätestens mit 24 Monaten muss nach internationalem
Konsens die Rate von > 95 Prozent nicht nur für beide Masern-Impfungen
erreicht sein. Das gilt auch für die Komponenten der aP-haltigen
Sechsfachimpfstoffe (kompletter Impfschutz bei vier Dosen).
Danksagung an das Gesundheitsministerium MSGFJS/ Kiel, Firma Novartis
Behring/Marburg, Marita Harder/KJÄD im Gesundheitsamt Flensburg und
Holger Harder/Handewitt, OT Weding
Dr. Hans-Martin
Bader, Jugendärztlicher Dienst, Gesundheitsamt, Norderstr. 58 - 60,
24939 Flensburg und
Dr. Sabine Rasche, Gesundheitsamt, Norderstr. 58-60, 24939 Flensburg
Korrespondenz: Dr. Andrea Heiser, Gesundheitsamt, Norderstr. 58-60,
24939 Flensburg, E-Mail
heiser.andrea@stadt.flensburg.de
Literatur
(1)Bader,
H.-M. und Ludwig; M.: Erhebung von Durchimpfungsraten bei Kleinkindern
mit KV-Abrechnungsziffern Ergebnisse und Ansätze aus Schleswig-Holstein.
2. Workshop KV-Sentinel, 4.-5. Sept. 2008 Berlin am Robert Koch-Institut
(2)Thyen, U., Meyer, C. und Brehm, S.: Bericht über die Untersuchungen
des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes und der zahnärztlichen
Dienste in Schleswig-Holstein im Jahr 2007. Klinik für Kinder- und
Jugendmedizin, Klinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, erstellt
im Auftrage des MSGF des Landes Schleswig-Holstein. 2008 (in Vorbereitung)
(3)Rautenberg P (2008): Infektionsepidemiologischer Bericht über
meldepflichtige Krankheiten in Schleswig-Holstein für das Jahr 2007.
Shaker Verlag, Aachen.
(4)Kompetenzzentrum für das Meldewesen übertragbare Krankheiten
(2008): Wochenmeldung über die 52. Kalenderwoche (Stichtag 3. Jan.
2009), Institut für Infektionsmedizin, Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein, Campus Kiel
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 3/2009
S. 57-61
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