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Unsere Nachbarn
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| Individualmedizin
oder Kollektivmedizin? Individuelle, auf den einzelnen Patienten abgestimmte Medizin gerät durch immer neue Spargesetze unter Druck. Über die dennoch bestehenden Chancen einer Individualmedizin diskutierten Experten beim 5. Eppendorfer Dialog im Hamburger UKE.
Aus der Sicht der verfassten Ärzteschaft unterstützte Dr. Frank Ulrich Montgomery (Vizepräsident der Bundesärztekammer) diese Position weitgehend. Unter der Überschrift Ärztinnen und Ärzte im Konflikt zwischen medizinischen Möglichkeiten, rechtlichen Pflichten und ökonomischen Grenzen formulierte er die Kurzdefinition: Gute Medizin ist immer Individualmedizin. Die Zukunftsaussichten neuer individueller Therapieverfahren beurteilte Montgomery eher zurückhaltend. Sie befänden sich noch in der Phase wissenschaftlicher Entwicklung und könnten noch keine hohe Evidenz vorweisen. Die von Gesundheitspolitik, Gemeinsamem Bundesausschuss und IQWiG forcierten Leitlinien stünden in Widerspruch zu einer Individualisierung. Auch Gesundheitsfonds und Wettbewerbs-Dogma förderten eher den Verteilungskampf, ja eine Mehrklassenmedizin - und seien für neue Methoden nicht förderlich. Speziell zum Punkt der besonderen Therapieverfahren stimmte PD Dr. Werner Knöss (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM), dieser vorsichtigen Beurteilung im Ergebnis zu. Über 10.000 verkehrsfähige Arzneimittel der besonderen Therapieverfahren sowie traditionelle Arzneimittel seien auf dem Markt. Diese müssten wie andere auch bewertet und über sie müsse informiert werden. Abschließend sagte Prof. Dr. Dipl. theol. Matthias Volkenandt (Dermatoonkologe aus München) aus medizinethischer Sicht, individuelle Medizin sei ethische Medizin. Ärzte könnten nicht sicheres Wissen, aber Haltungen zeigen: gut informiert und umsichtig und erreichbar sein, dem Patienten empathisch gegenübertreten und seine Präferenzen achten; Wissen von Kollegen und neue Forschungsergebnisse annehmen und anderes mehr: Die aus diesen ärztlichen Haltungen folgende Tugendethik ist die bleibende Grundlage der ärztlichen Kunst. Dr. jur. Horst Kreussler |
Schleswig-Holsteinisches
S. 46 |
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