|
Rezensionen
|
||||||
+ + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + +
Es ist nicht üblich
im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt einen Roman zu besprechen.
Die Ausnahme kann vielleicht durch folgende Umstände gerechtfertigt
werden: Der 1968 in Dresden geborene Autor ist selbst Arzt und arbeitete
als Unfallchirurg, außerdem spielt das Buch, für das er den
Deutschen Buchpreis erhalten hat, zu einem großen Teil im medizinischen
Milieu.
Zwanzig Jahre sind
seit dem 09.11.1989 vergangen, als die Mauer durchlässig wurde und
bald darauf fiel. Über die friedliche Revolution in Leipzig, Dresden,
Plauen und anderen Städten ist seitdem viel publiziert worden. Die
literarisch interessierte Öffentlichkeit wartete aber lang auf einen
Roman, der die letzten Jahre der DDR und die Wende glaubwürdig darstellt.
Das Buch beginnt 1982. Tauschhandel wird betrieben, politische Witze werden
hinter vorgehaltener Hand erzählt, die Waren sind knapp, man steht
Schlange und spricht gedämpft, wenn in der Nähe eine Person
der Firma Horch und Guck vermutet wird. Der Roman ist gleichzeitig
eine Hommage an Dresden, die sächsische Toscana, an die schöne
Architektur der Villen im Ortsteil Weißer Hirsch, die
immer mehr verfallen. Eine bunte Gesellschaft wird gezeigt: Reste des
untergehenden Bürgertums, das sich für Literatur begeistert
und zu Hause musiziert, SED-Mitglieder, Ärzte, Schriftsteller, Menschen,
die an den Sozialismus glauben oder die ihn für ihre Karriere brauchen.
Die Hauptfigur Christian Hoffmann ist zu Beginn 17 Jahre alt, Internatsschüler,
gequält von Pubertätspickeln. Minderwertigkeitsgefühl kompensiert
er durch Fleiß, auch durch Freude am Cellospiel und an der Literatur,
obwohl er und andere Schüler von politisch-ideologischen Aufsatzthemen
(Woran ist die Gesetzmäßigkeit des Sieges des Sozialismus
über den Kapitalismus zu erkennen?) gequält werden. Sein Vater
Richard Hoffmann arbeitet als Unfallchirurg in der Medizinischen Akademie
Dresden. Einmal assistiert er einem Assistenten bei der Operation einer
Oberschenkelfraktur und fragt dabei medizinische Themen ab. Für jede
falsche Antwort muss der Assistent hundert Tupfer drehen, weil die marode
sozialistische Wirtschaft es nicht schafft, sie herzustellen. Richard
Hoffmann hat eine Geliebte und mit ihr eine gemeinsame Tochter. Wegen
dieser zweiten Familie, die er geheim halten will, wird er von der Stasi
erpresst.
+ + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + +
Kurze Inhaltsangabe:
Der Herausgeber ist therapeutischer Mitarbeiter der Abteilung für
Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters
am katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg. In einer Patientenzeitung,
Der Psychotempel, beschreiben Patienten(innen) seit 2005,
was sie in die Psychiatrie geführt hat und wie sie den Aufenthalt
erlebten. Eine Auswahl dieser Patiententexte bildet den Inhalt des Bandes,
illustriert mit einigen sehr eindrucksvollen kunsttherapeutischen Darstellungen.
Es geht um Wege aus Trauer, Verlassenheit, Hoffnungslosigkeit. Die Sprache
ist authentisch, kraftvoll, subjektiv, reicht von salopper Kumpelhaftigkeit
bis zu schwellender Sehnsucht. Häufig führen die Episoden in
eine zuversichtliche Annahme der Realität.
Kritische Bewertung:
Die Selbstzeugnisse der Patienten(innen) berühren. Sie vermitteln
anschaulich das Patient-Sein in einer psychiatrischen Einrichtung. Sie
bleiben aber auch im Episodischen und erinnern teilweise an eine Abiturzeitung.
Gerne würde man Anteil nehmen an einer längeren Phase der Entwicklung
und der Lebensgestaltung. |
Schleswig-Holsteinisches
S. 25, |
|||||