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Rezensionen


Praxisorganisation, Praxisverwaltung und Wirtschaftskunde für Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte

Bibliographische Angaben: Helmut Nuding, Gudrun Nuding, Josef Haller, Dr. Winfried Stollmaier, Sibylle Runckel, Holland + Josenhans Verlag Stuttgart, 4. neu bearbeitete Auflage, 26,60 bzw. 29,00 Euro, ISBN 978-3-7782-5896-5

Inhaltsangabe: Auf insgesamt 422 Seiten werden verschiedene Themen zu den Bereichen Praxisorganisation, Praxisverwaltung und Wirtschaftskunde beschrieben. So werden von dem Eintritt in das Berufsleben im Gesundheitsdienst bis zum Behandlungsvertrag oder dem Umgang mit dem Geld die Themen eingehend erläutert. Auch das Organisieren von Praxisabläufen oder die verschiedenen Lohnformen werden beschrieben. Übersichtlich und farblich gut abgesetzt werden der Einstig, der Arbeitsteil, die Zusammenfassung und die Prüfungsaufgaben voneinander getrennt. Es gelingt den Autoren sehr unterhaltsam die schwierigen Themen für die Medizinische und die Zahnmedizinische Fachangestellte aufzubereiten. Häufig werden am Beginn eines neuen Kapitels verschiedene Dialoge dargestellt, die neugierig auf die weiteren Inhalte machen. Auch die dargestellten Cartoons lockern die trockene Thematik auf.

Durch einen geringen Aufpreis (statt 26,60 ohne CD, 29,00 Euro mit CD) ist es möglich, das Buch zusätzlich mit zwei CDs zu beziehen. Eine der beiden CDs beinhaltet diverse Fragen, nicht nur zu den Bereichen Praxisorganisation, Praxisverwaltung und Wirtschaftskunde. Auch der medizinische Bereich wird dort abgedeckt. Auf der zweiten CD informiert das Terminplanungs-Programm MEDorganizer über deren Inhalte.

Bewertung: In diesem Buch haben verschiedene Autoren schwierige Themen übersichtlich, unterhaltsam und überaus einprägsam beschrieben und erläutert. Es ist den Autoren gelungen den Bereich der Praxisorganisation, Praxisverwaltung und Wirtschaftskunde interessant und überaus praxisnah zu vermitteln. Dieses Buch macht neugierig und ist überaus empfehlenswert für die Ausbildung zur Medizinischen und Zahnmedizinischen Fachangestellten.

Rezensentin: Heidi Reimers, Edmund-Christiani-Seminar der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Esmarchstr. 4-6, 23795 Bad Segeberg


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Der Turm

Bibliographische Angaben: Uwe Tellkamp, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2008, Roman, 973 Seiten, 24,80 Euro, ISBN 978-3-518-42020-1

Es ist nicht üblich im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt einen Roman zu besprechen. Die Ausnahme kann vielleicht durch folgende Umstände gerechtfertigt werden: Der 1968 in Dresden geborene Autor ist selbst Arzt und arbeitete als Unfallchirurg, außerdem spielt das Buch, für das er den Deutschen Buchpreis erhalten hat, zu einem großen Teil im medizinischen Milieu.

Zwanzig Jahre sind seit dem 09.11.1989 vergangen, als die Mauer durchlässig wurde und bald darauf fiel. Über die friedliche Revolution in Leipzig, Dresden, Plauen und anderen Städten ist seitdem viel publiziert worden. Die literarisch interessierte Öffentlichkeit wartete aber lang auf einen Roman, der die letzten Jahre der DDR und die Wende glaubwürdig darstellt. Das Buch beginnt 1982. Tauschhandel wird betrieben, politische Witze werden hinter vorgehaltener Hand erzählt, die Waren sind knapp, man steht Schlange und spricht gedämpft, wenn in der Nähe eine Person der Firma „Horch und Guck“ vermutet wird. Der Roman ist gleichzeitig eine Hommage an Dresden, die sächsische Toscana, an die schöne Architektur der Villen im Ortsteil „Weißer Hirsch“, die immer mehr verfallen. Eine bunte Gesellschaft wird gezeigt: Reste des untergehenden Bürgertums, das sich für Literatur begeistert und zu Hause musiziert, SED-Mitglieder, Ärzte, Schriftsteller, Menschen, die an den Sozialismus glauben oder die ihn für ihre Karriere brauchen. Die Hauptfigur Christian Hoffmann ist zu Beginn 17 Jahre alt, Internatsschüler, gequält von Pubertätspickeln. Minderwertigkeitsgefühl kompensiert er durch Fleiß, auch durch Freude am Cellospiel und an der Literatur, obwohl er und andere Schüler von politisch-ideologischen Aufsatzthemen (Woran ist die Gesetzmäßigkeit des Sieges des Sozialismus’ über den Kapitalismus zu erkennen?) gequält werden. Sein Vater Richard Hoffmann arbeitet als Unfallchirurg in der Medizinischen Akademie Dresden. Einmal assistiert er einem Assistenten bei der Operation einer Oberschenkelfraktur und fragt dabei medizinische Themen ab. Für jede falsche Antwort muss der Assistent hundert Tupfer drehen, weil die marode sozialistische Wirtschaft es nicht schafft, sie herzustellen. Richard Hoffmann hat eine Geliebte und mit ihr eine gemeinsame Tochter. Wegen dieser zweiten Familie, die er geheim halten will, wird er von der Stasi erpresst.

Meno Rohde, Christians Onkel mütterlicherseits, ist Lektor und Schriftsteller. Er leidet unter der Zensur von Büchern und der Demütigung der Autoren, die ihre Texte verändern und abtöten müssen, damit sie in das ideologische Konzept passen.

Christian muss sich schon in der Schule zu einem „dreijährigen Ehrendienst“ in der NVA verpflichten, um Medizin studieren zu dürfen. Die FDJ-Mitgliedschaft allein genügt nicht. Während des Unterrichts muss man lügen, um etwas zu erreichen. „Warum reden wir zu Hause so und in der Schule ganz anders ... beten unsere Sprüche ab, um nicht anzuecken?“

Höhepunkt und zugleich Abschluss ist der Oktober 1989. Christian ist inzwischen schon lange Panzersoldat der NVA. Weil er den Staat beleidigt hat, kam er in Haft, die Militärzeit verlängerte sich auf fast fünf Jahre. Er fragt seinen Vater: „Wenn sie mir befehlen: schlag zu - was soll ich tun?“ Beeindruckend wird der Aufstand am Beispiel Dresdens dargestellt: Gummiknüppel der Polizei, kläffende Hunde, zu Boden getretene Menschen, ihre Schreie und Angst, Wasserwerfer. Christian, der als Soldat gegen die „Konterrevolutionäre“ eingesetzt wird, muss ansehen, wie seine demonstrierende Mutter von einem Polizisten verprügelt wird. Er will sich auf ihn stürzen, wird jedoch zurückgehalten.

Der Autor veranstaltet ein bildkräftiges Sprachfeuerwerk und ist ein Meister fesselnder Dialoge. Es gibt allerdings in den beschreibenden Teilen des Buches dunkle-hermetische Sätze, z. B. S. 936, über die man rätselt. Eigentlich braucht der Roman gar keine Empfehlung, weil er trotz einiger Schwierigkeitsgrade auf Bestsellerlisten steht. Wer ihn liest, macht sich auf eine 973 Seiten lange, abwechslungsreiche, spannende und manchmal etwas anstrengende Reise, zu der der Rezensent viel Freude wünscht.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel

 


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Das Eismeer in mir
Gedanken von Kindern und Jugendlichen mit Essstörungen, Depressionen und Psychosen

Bibliographische Angaben: Andreas Jordan, Hamburger Kinderbuch Verlag, 2007, 175 Seiten, 12,80 Euro, ISBN 978-3-86631-006-3

Kurze Inhaltsangabe: Der Herausgeber ist therapeutischer Mitarbeiter der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters am katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg. In einer Patientenzeitung, „Der Psychotempel“, beschreiben Patienten(innen) seit 2005, was sie in die Psychiatrie geführt hat und wie sie den Aufenthalt erlebten. Eine Auswahl dieser Patiententexte bildet den Inhalt des Bandes, illustriert mit einigen sehr eindrucksvollen kunsttherapeutischen Darstellungen. Es geht um Wege aus Trauer, Verlassenheit, Hoffnungslosigkeit. Die Sprache ist authentisch, kraftvoll, subjektiv, reicht von salopper Kumpelhaftigkeit bis zu schwellender Sehnsucht. Häufig führen die Episoden in eine zuversichtliche Annahme der Realität.

Kritische Bewertung: Die Selbstzeugnisse der Patienten(innen) berühren. Sie vermitteln anschaulich das Patient-Sein in einer psychiatrischen Einrichtung. Sie bleiben aber auch im Episodischen und erinnern teilweise an eine Abiturzeitung. Gerne würde man Anteil nehmen an einer längeren Phase der Entwicklung und der Lebensgestaltung.

Empfehlung: Die Texte vermitteln das Bild einer erfreulich alltäglichen Normalität in einer Einrichtung psychotherapeutischer Hilfe für Kinder und Jugendliche.

Rezensent: Dr. Christoph Barchewitz, Am Markt 1, 23795 Bad Segeberg


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 2/2009

S. 25,