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Heparin-Fälschungen
einfach und schnell nachweisen
Kieler Wissenschaftlerinnen veröffentlichen neue
Methode
Prof. Susanne Alban vom Institut für Pharmazeutische Biologie der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat eine einfache, günstige
und schnelle Methode zum Nachweis von Heparin-Verunreinigungen oder -Fälschungen
entdeckt. In der Ausgabe des New England Journal of Medicine
(NEJM) vom 18. Dezember veröffentlicht sie mit ihrer Doktorandin
Susanne Lühn die Ergebnisse des Tests, der eine Kontamination nicht
aufgrund ihrer chemischen Charakteristika, sondern eines pharmakologischen
Effektes identifiziert. Damit kann man auch andere Kontaminanten
in Heparin, die der aktuellen Verunreinigung chemisch ähnlich sind,
in etwa 15 Sekunden nachweisen, so Alban.
Die Methode basiert auf einem gängigen Verfahren der Labordiagnostik,
mit dem Marcumar-Patienten auf ihre Medikation zur Vorsorge von Thromboembolien
(zum Beispiel Schlaganfall, Herzinfarkt, Lungenembolie) eingestellt werden
(so genannte INR- oder Quick-Wert-Bestimmung). Alban: Die so genannte
Prothrombin-Zeit ist ein einfacher, preiswerter Blutgerinnungstest, der
grundsätzlich in jedem klinischen Routinelabor und manchmal auch
von Patienten selbst durchgeführt wird. Alban hatte bereits
während ihrer Dissertation vor 18 Jahren die nun entscheidende Beobachtung
gemacht. Damals habe ich synthetische Heparin-Alternativen auf ihre
gerinnungshemmende Wirkung getestet. Die Ergebnisse fielen mir jetzt wieder
ein, und ich kam auf die Idee, mit derselben Methode von damals das verunreinigte
Heparin zu testen, so Alban.
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Pharmazie-Professorin
Susanne Alban (rechts) und ihre Doktorandin Susanne Lühn arbeiteten
für ihre Tests mit einem Koagulometer, nach ihrer neuen Methode
kann Heparin aber auch mit anderen Gerinnungsmessgeräten auf
Kontamination geprüft werden.
(Foto: Julia Zahlten, Copyright: CAU) |
Anlass der Forschung
waren mehrere Todesfälle durch Heparin, das mit übersulfatiertem
Chondroitinsulfat (OSCS) gestreckt worden war. Arzneimittelbehörden
implementieren daraufhin zwei neue Tests in die Qualitätskontrolle
des Arzneimittels. Diese sind jedoch sehr anspruchsvoll und können
nicht von jedem durchgeführt werden, der Heparin zu prüfen hat,
sodass spezielle Labore damit beauftragt werden müssen. Das kostet
Zeit und Geld. Außerdem kann nur eine Verunreinigung mit OSCS nachgewiesen
werden, keine andere Kontamination, erklärt Alban den Bedarf
an weiteren Testmethoden. So wie die zwei vorläufigen offiziellen
Methoden ist auch ihre noch nicht validiert. Die Methode der Prothrombin-Zeit
eignet sich bei Verdacht hervorragend als Vortest, ob eine Fälschung
vorliegt. Bestätigt sich dieser, müssten chemische Tests die
Kontaminierung verifizieren.
Der Prothrombin-Zeit-Test bestimmt die Gerinnungszeit von Blutplasma.
Enthält das Blutplasma Heparin oder ein anderes Antikoagulans (Blutgerinnungshemmer),
bilden sich Gerinnsel langsamer. Auch kontaminiertes Heparin verlängert
die Gerinnungszeit. Testet man es jedoch in niedrigen Konzentrationen,
ist die Gerinnungszeit kürzer als beim sauberen Wirkstoff.
Nach den ersten Meldungen zu unerwünschten Heparinwirkungen im Januar
2008 haben Behörden, Industrie und Wissenschaft schnell reagiert.
Im März war eine Kontamination als Ursache erkannt und zwei Wochen
später als OSCS identifiziert. Parallel wuchs das Problem jedoch
zu einem weltweiten Heparin-Skandal. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen
sind weiterhin, zuletzt noch im November, Fälschungen aufgetaucht.
Natürliches Chondroitinsulfat ist ein Stoff, der in menschlichen
und tierischen Knorpeln vorkommt. Hieraus kann einfach und günstig
künstlich OSCS hergestellt werden, das sich mit keinem der klassischen
Tests zur Heparinkontrolle nachweisen lässt. Chondroitinsulfat kostet
etwa 200-mal weniger als Heparin. Für mich ist klar, dass es
keine Kontamination war, sondern eine Fälschung mit krimineller Absicht,
sagt Alban.
Heparin ist ein natürlicher Wirkstoff aus Schweinedarmmukosa und
wird zur Vorbeugung und Therapie von Thromboembolien, bei der Dialyse
und bei Herzoperationen eingesetzt. Mehr als die Hälfte des weltweiten
Heparins kommt aus China. Für eine Therapiespritze Heparin wird der
Darm eines ganzen Schweines benötigt. In Deutschland werden jährlich
etwa 80 Millionen Spritzen verabreicht.
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Presse und Kommunikation,
Susanne Schuck, Julia Zahlten, Christian-Albrechts-Platz 4, 24098 Kiel
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 2/2009
S. 45, 46
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