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Schleswig-Holstein
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Hausarztnetz Norderstedt
Bedrohung der Freiberuflichkeit,
Angst vor einer Expansion der Kliniken im ambulanten Sektor, zunehmende
Industrialisierung des Gesundheitswesens - die Sorgen der Norderstedter
Hausärzte unterscheiden sich nicht von denen niedergelassener Ärzte
in anderen Landesteilen. Dort bestehen aber schon zum Teil seit über
zehn Jahren Praxisnetze, die im Kollegenkreis über diese Sorgen sprechen
und darauf reagieren. Oft mit positiven Konsequenzen, wie der Kaltenkirchener
Allgemeinmediziner Dr. Carsten Wahn auf der Gründungsversammlung
seiner Norderstedter Kollegen berichtete. Wahn ist Vorsitzender des Nachbarnetzes
HUK, das seit Sommer 2008 die Interessen von rund 50 Haus- und Fachärzten
aus Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen und Umgebung vertritt. Erster Effekt:
Der Kontakt der Kollegen untereinander hat sich verbessert. Es ist
schon ein Riesenfortschritt, wenn ich weiß, wie mein Kollege aussieht,
sagte Wahn. Denn in vielen Städten ohne Netzstruktur arbeiten Ärzte
zum Teil in direkter Nachbarschaft, ohne zu kommunizieren. Mit Gründung
des HUK lernten sich die Kollegen nicht nur kennen, sondern auch, ihre
Interessen zu bündeln. Ergebnis waren Gespräche mit den in der
Region an zwei Standorten aktiven Paracelsus-Kliniken. Die Netzärzte
machten die Erfahrung, dass die Klinikleitung positiv auf das Bündnis
reagierte. Die Kommunikation zwischen niedergelassenen Ärzten und
Klinik hat sich seitdem verbessert. Außerdem wurde eine Vereinbarung
über die prä- und postoperative Zusammenarbeit geschlossen.
Wahn betonte, dass damit keinerlei Bindung für die Netzärzte
bei der Einweisung von Patienten besteht. Der Vertrag überzeugte
auch die Norderstedter Hausärzte - sie wollen sich der Vereinbarung
anschließen.
In den Vorstand des HANN wählte die Gründungsversammlung den Tangstedter Stefan Homann sowie Guido Reisewitz, Dr. Bernd Mansfeld, Dr. Thomas Flamm und Dr. Svante Gehring. Sie hoffen, dass der Verbund noch wächst. Eine Umfrage, die eine mit der Gründungsvorbereitung beauftragte Task Force aus sieben Ärzten zuvor unter den Hausärzten in Norderstedt vorgenommen hatte, ergab hohes Interesse an der Netzarbeit. Insgesamt gibt es 48 hausärztlich tätige Ärzte im Ort. Die wollen sich über das Netz auf Augenhöhe mit Kliniken und Krankenkassen bringen, wie Homann sagte. Neben Vertragsabschlüssen will sich das Netz für den Erhalt der Freiberuflichkeit einsetzen. Diese Interessen, so die Erwartung der Netzärzte, lassen sich über das neue regionale Bündnis vor Ort besser vertreten als von landesweiten ärztlichen Organisationen. Besonders die Expansion der Kliniken in den ambulanten Bereich - viele Krankenhäuser in der Region haben bereits Zulassungen für Medizinische Versorgungszentren übernommen - besorgt viele Ärzte in der Umgebung. Allein das Wissen, dass niedergelassene Ärzte sich über ein Netz schnell zu einem abgestimmten Verhalten entschließen könnten, hat Kliniken in manchen anderen Regionen schon zu einem Rückzieher veranlasst. (di) |
Schleswig-Holsteinisches
S. 41, 42 |
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