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Schleswig-Holstein
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Honorarreform
Als solche fühlen sich schon jetzt die meisten niedergelassenen Orthopäden. Ihr Berufsverbandsvorsitzender von Schleswig-Holstein, Dr. Christian Hauschild, bezeichnet die Honorarreform für seine rund 180 Kollegen als Katastrophe und Schritt in die falsche Richtung, weil die Reform zu einer schlechteren Patientenversorgung führt. Problem für die Orthopäden ist der niedrige Fallwert bei zugleich hohen Betriebskosten der orthopädischen Praxen - durchschnittlich rund 200 000 Euro im Jahr. Wir brauchen Röntgen- und Sonographiegeräte, haben hohe Raumkosten und beschäftigen qualifiziertes Personal - das passt nicht mit einem niedrigen Fallwert zusammen, sagt Hauschild. Die Orthopäden trifft auch, dass einzelne genehmigungspflichtige Leistungen nicht extra vergütet werden, sondern schon im Ordinationskomplex enthalten sind. Mit den erweiterten Spielräumen der KVSH verknüpft Hauschild schon mittelfristig keine großen Hoffnungen, weil die Kassenärztliche Bundesvereinigung es nach seiner Auffassung zuvor versäumt hat, die Betriebskosten nachvollziehbar und transparent in der korrekten Höhe zu berücksichtigen. Nun erwartet Hauschild Verteilungskämpfe unter der Ärzten. Leidtragende werden nach seiner Einschätzung die Patienten sein, da die Versorgung dramatisch schlechter ausfallen werde. Erste orthopädische Praxen haben nach seinen Informationen bereits Mitarbeiter entlassen. Von einer hochexplosiven Stimmung unter seinen Kollegen berichtet Nicolay Breyer. Der Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Hausärzteverbandes glaubt nicht, dass die KVSH mit dem erweiterten Spielraum in die Lage versetzt worden ist, den Praxen wirksam zu helfen, denn: Es wird wieder nur umgeschichtet. Der Verband setzt nun seine Hoffnungen in Verträge nach Paragraf 73 b, die man zusammen mit der Ärztegenossenschaft aushandeln will. Im Berufsverband der Augenärzte arbeitet man an einem Konzept, wie die Fachgruppe mit den durch die Honorarreform zu erwartenden Verlusten umgehen soll. Das Konzept soll nach Auskunft des Landesvorsitzenden Dr. Bernhard Bambas in diesem Monat vorgestellt werden. Nach Auskunft des Arztes aus Bad Segeberg schwanken die Verluste je nach Region im Norden zwischen zwei und 27 Prozent. Landesweit soll der Verlust im Durchschnitt bei 13 Prozent liegen. Unter den 178 niedergelassenen Augenärzten in 135 Praxen gibt es nach seiner Einschätzung kaum Hoffnung, dass sich durch den erweiterten Spielraum der KVSH mittelfristig etwas an der derzeitigen Situation ändern wird. Keiner glaubt, dass es perspektivisch besser wird, sagte Bambas. Unter den niedergelassenen Fachärzten für Innere Medizin trifft die Honorarreform die fachärztlichen Internisten ohne Schwerpunkt besonders schwer. Nach Auskunft des Landesvorsitzenden im Berufsverband Deutscher Internisten (BDI), Dr. Klaus Heger, sind alle 68 Kollegen dieser Gruppe in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Grund: Ihr Regelleistungsvolumen liegt unter dem der Hausärzte, umfasst aber auch Leistungen wie Endoskopie und Sonografie. Damit fehlen dieser Gruppe wichtige Einnahmen aus qualifikationsgebundenen Zusatzbudgets. Um diese Internistengruppe vor der Pleite zu bewahren, sind nach Einschätzung Hegers Änderungen in der Honorarverteilung unvermeidlich. Zugleich ist ihm klar, dass damit Ärger zwischen den Fachgruppen programmiert ist. Das wird eine schwierige Aufgabe für den KVSH-Vorstand, sagte Heger. Weniger dramatisch fallen nach seinen Angaben die Verluste für die hausärztlichen Internisten aus. Der Arzt aus Glückstadt klärt in seiner Praxis Patienten, die sich über die Hintergründe der Honorarreform erkundigen, auf. Die von der Politik in den Raum gestellten Daten über vermeintliche Honorarerhöhungen entlarvt er dabei als Zahlenspiele. Seine Erfahrung: Die Patienten begreifen sehr schnell, dass die Versprechungen der Politik nicht stimmen. (di) |
Schleswig-Holsteinisches
S. 39-41 |
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