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Schleswig-Holstein

Klinikum Itzehoe
Zwei MVZ mit elf angestellten Ärzten

Mit eigenen Abteilungen kümmern sich inzwischen Krankenhäuser um die ambulante Versorgung - und stellen dabei fest, wie schwer es ist, unter den derzeitigen Rahmenbedingungen schwarze Zahlen zu schreiben. Doch der Konkurrenzdruck zwingt die Häuser, aktiv zu werden. Auch das Klinikum Itzehoe engagiert sich in der ambulanten Versorgung.

Sieben Zulassungen, elf angestellte Ärzte, insgesamt 34 Mitarbeiter: Die beiden Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) des Klinikums Itzehoe an den Standorten in der Steinburger Kreisstadt sowie in Glückstadt wachsen langsam, aber stetig. Ob das Wachstum anhält, stagniert oder anzieht, kann Matthias Brandt derzeit schwer vorhersagen. Der am Klinikum Itzehoe für die ambulante Versorgung verantwortliche Prokurist wird aber regelmäßig von Praxisinhabern angesprochen und bekommt Praxen zur Übernahme angeboten. Die meisten Zulassungen werden dem Klinikum angeboten, weil die Praxisinhaber ihre ärztliche Tätigkeit aufgeben wollen und keinen Nachfolger finden. Wenn die Zulassung ins Konzept passt, besetzt Brandt die Stelle meistens mit Ärzten aus dem Klinikum. Dabei achten Brandt und seine Mitarbeiterin Hannah Maria Werner auf eine Abstimmung mit den einweisenden Ärzten der Region. „Wir engagieren uns in Absprache mit den Praxen in der ambulanten Versorgung und legen Wert auf die Kommunikation“, betont Hannah Maria Werner. Das bedeutet auch mal, Anbietern eine Absage erteilen zu müssen. So etwa für das halbe Dutzend Hausärzte, die dem Klinikum ihre Zulassung angeboten haben. „Ich befürchte, dass dies sogar noch mehr werden“, sagt Brandt. Die MVZ des Klinikums Itzehoe konzentrieren sich jedoch auf die fachärztliche Versorgung. Auch Praxisstandorte an anderen Orten als Itzehoe oder Glückstadt haben nur geringe Chancen - denn über Standortverlagerungen könnte es dazu kommen, dass die verbleibenden Praxen an den alten Standorten zu stark frequentiert werden.

Matthias Brandt, Dr. Andrey Michalski und Hannah Maria Werner (v. l. n. r.) (Foto: di)

In der Regel besetzt das Klinikum die MVZ mit Ärzten aus dem Krankenhaus. Das Interesse daran ist hoch. So hat Brandt etwa die Zulassung eines aus Altersgründen ausgeschiedenen Orthopäden, der in Glückstadt niedergelassen war, jeweils zur Hälfte mit den Klinikärzten Volkmar Lenz und Dr. Barbara Markova besetzt. Brandt hat beobachtet, dass viele Klinikärzte das Angebot einer Praxistätigkeit schätzen. Auf dem Stellenmarkt für Mediziner kann eine Klinik, die solche Angebote vorhält, nach seiner Einschätzung Pluspunkte sammeln. Die ist aber nur ein Nebeneffekt des MVZ-Engagements. Hauptsächlich geht es darum, die Konkurrenz im direkten Umfeld der Klinik nicht aktiv werden zu lassen und zu verhindern, dass Patientenströme in andere Krankenhäuser gelenkt werden. Deshalb engagieren sich derzeit viele Kliniken im Land im ambulanten Sektor, auch wenn die Aktivitäten zunächst mit roten Zahlen verbunden sind. Auch Brandt räumt ein, dass das Klinikum Itzehoe mit den MVZ derzeit kein Geld verdient - und die Honorarreform im niedergelassenen Bereich hat die Perspektiven nach seiner Einschätzung nicht verbessert. Dr. Andrey Michalski ist deshalb froh, dass er seine chirurgische Praxis in das MVZ einbringen konnte und nun als angestellter Arzt dort weiter seine Patienten behandeln kann. Als zuvor niedergelassener Arzt ist er neben seinen Klinikkollegen eine Ausnahme. Bereut hat er den Schritt nicht. „Für mich und meine Patienten hat sich nicht viel geändert. Nur der Druck ist weg - wirtschaftliche Belange interessieren mich nicht mehr“, sagt Michalski. Acht Jahre lang trug er als niedergelassener Arzt das unternehmerische Risiko, bis er den wirtschaftlichen Druck satt hatte. Statt sich mit den Auswirkungen der Honorarreform zu beschäftigen hat er nun die Perspektive, finanziell abgesichert bis zum Ruhestand arbeiten zu können.

Neben den MVZ zählen auch das ambulante Operieren und die Behandlung von Patienten nach Paragraf 116 b zum Verantwortungsbereich Brandts und Werners. Nach Erfahrungen Brandts sind viele Praxisinhaber froh, wenn das Klinikum Sprechstunden für seltene Erkrankungen einrichtet. Allerdings hat das sich Klinikum nach Absprache mit den niedergelassenen Ärzten auch nur ganz gezielt um Genehmigungen nach 116 b bemüht. Insgesamt für vier seltene Erkrankungen darf das Haus ambulant behandeln, darunter auch MS-Patienten. Brandt plant, hierfür auch niedergelassene Ärzte auf Honorarbasis einzubinden. (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 2/2009

S. 31, 32