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Hoffnung für
Millionen von Patienten?
Durchbruch im Bereich der Bekämpfung von Infektionskrankheiten
Bettina Brand
Beginn
einer präklinischen Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus
Brandenburg, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung.
Sepsis - Blutvergiftung
- ist eine schwere Infektion, die erhebliche Probleme auf Intensivstationen
bereitet: Gemäß Aussagen aus den Zentren für Krankheitskontrolle
und Prävention (Centers for Disease Control and Prevention) liegt
die weltweite Mortalität im Bereich von 20 Prozent für Sepsis
und bis über 60 Prozent für septischen Schock. Sepsis entwickelt
sich, wenn das Immunsystem eines Patienten in Reaktion auf eine bakterielle
Infektion außer Kontrolle gerät.
Nach neuesten Angaben des Kompetenznetzwerkes Sepsis (SepNet) und der
Deutschen Sepsis-Gesellschaft e. V. erkranken in Deutschland pro Jahr
154 000 Menschen an einer Sepsis (ca. zwei von 1 000 Menschen). Von diesen
Menschen versterben jährlich ca. 60 000. Die direkten anteiligen
Kosten, die allein für die intensivmedizinische Behandlung von Patienten
mit schwerer Sepsis anfallen, liegen bei ca. 1,77 Milliarden Euro.
Trotz verbesserter Diagnose und Therapie der Sepsis (z. B. S-2 Leitlinie
der Deutschen Sepsis-Gesellschaft von 2005) ist der Bedarf an einer effektiven
Behandlung groß, um die Zahl der Todesfälle und die Behandlungskosten
deutlich zu reduzieren.
Einen erheblichen Anteil an dem Ausbruch des septischen Syndroms haben
Membranbestandteile von Bakterien, Lipopolysaccharide (LPS), auch Endotoxine
genannt. Das bedeutet, dass das Töten von Bakterien durch Antibiotika
nicht ausreichend ist:
Die Freisetzung von LPS nach Zerstörung der Bakterien kann zu einer
weiteren, übermäßigen Stimulierung des Immunsystems führen,
sodass dieses völlig außer Kontrolle gerät mit der Folge
von Multiorganversagen und anschließendem Tod.
Prof. Dr. Klaus Brandenburg und die Laborgruppe Biophysik haben in den
letzten Jahren neue Wirkstoffe auf der Basis von antimikrobiellen Peptiden
(AMP) mit einem dualen Wirkmechanismus entwickelt: Diese töten zum
einen Bakterien und neutralisieren zum anderem freies Endotoxin. Damit
war es möglich, nicht nur in vitro (Zelltest), sondern auch in vivo
(Maus- Modell der Sepsis) erhebliche Schutzwirkung gegen die schwere Sepsis
zu erzielen. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass einige der Peptide
auch gegen spezielle resistente Problemkeime (MRSA = Methicillin-resistente
Staphylococcus aureus) wirken.
Aufgrund dieser Erkenntnisse hat das Forschungszentrum Borstel im April
2008 einen Patentantrag an das Europäische Patentamt in München
gestellt. In einem vorläufigen Bescheid wurde diesem Antrag inzwischen
bescheinigt, neu und erfinderisch zu sein, was
eine Voraussetzung für eine Patenterteilung ist.
Prof. Brandenburg hat im April 2008 einen Finanzierungsantrag im Rahmen
des Förderprogramms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF) Innovative Therapieverfahren auf molekularer und zellulärer
Basis als präklinische Studie gestellt. Dieser Antrag Therapie
von Infektionskrankheiten mit speziellem Bezug auf die bakterielle Sepsis
wurde zusammen mit Prof. Dr. M. Hornef (Medizinische Universität
Hannover) und Dr. T. Schürholz (Rheinisch-Westfälische Technische
Hochschule Aachen) als Verbundantrag mit Prof. Brandenburg als Koordinator
gestellt. Der Antrag wurde jetzt positiv beschieden mit einem Finanzvolumen
von 600 000 Euro für drei Jahre und soll die Voraussetzungen für
eine sich anschließende klinische Studie schaffen.
Das Teilprojekt des Forschungszentrums Borstel umfasst die Biophysikalische
Analyse der Wechselwirkung von antimikrobiellen Peptiden mit Endotoxinen
und anderen Pathogenitätsfaktoren und wird von Prof. Dr. Klaus
Brandenburg und PD Dr. Thomas Gutsmann (Leiter der Laborgruppe Biophysik)
überwacht.
Dr. Bettina Brand, Forschungszentrum Borstel, Parkallee 1, 23845 Borstel
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 1/2009
S. 64
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