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Kammer-Info aktuell

Ausblick auf eine Serie im Ärzteblatt
Studie zu ärztlichen Werthaltungen und Herausforderungen
Thies Hendrik Schröder, Heiner Raspe

 
Prof. Dr. Dr. phil. Heiner Raspe (Fotos: SH)  
Die Diskussion um eine (Neu-)Definition von Grundsätzen und Kernbereichen ärztlichen Handelns ist aktueller denn je. Zunehmende Herausforderungen im ärztlichen Berufsalltag wie z. B. weitreichende externe Kontrollen und Dokumentationspflichten aber auch gestiegene fachliche Anforderungen (medizinisch technischer Fortschritt, Einfluss durch Leitlinien, Evidenz-basierte-Medizin) lassen Veränderungen auf Werteebene der Ärzte erwarten. Die von verschiedenen amerikanischen aber auch europäischen Fachgesellschaften veröffentlichte „Physicians’ Charter“ (Medical professionalism in the new millennium: a physicians’ charter: Lancet 2002; 359:520-22) definierte vor sechs Jahren drei Grundprinzipien und zehn Selbstverpflichtungen. In einem nationalen Survey wurden diese in den USA jüngst mit überwiegend hoher Zustimmung bestätigt (Professionalism in Medicine: Results of a National Survey of Physicians: Ann Intern Med. 2007; 147:795-802). Auch in Deutschland wirft diese Thematik immer größere Schatten: Auf dem letzten Deutschen Ärztetag in Ulm waren die gesundheitspolitischen Grundsätze („Ulmer Papier“) ein prominenter Tagesordnungspunkt. Auf dem 112. Deutschen Ärztetag wird die Freiberuflichkeit des Arztberufs ein zentrales Thema sein.

 
  Thies Hendrik Schröder
Das Institut für Sozialmedizin der Universität zu Lübeck führte in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Schleswig-Holstein und der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein im Februar bis Juni 2008 zu diesem Themenbereich eine umfangreiche postalische Ärztebefragung durch (Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 8/2006, S. 32 ff.: Der ärztliche Beruf vor alten und neuen Herausforderungen). Erste Ergebnisse wurden auf der letzten Kammerversammlung am 26. November präsentiert. In der Befragung wurden zahlreiche Herausforderungen des Arztberufs in Hinblick auf wahrgenommene Belastungen, Widersprüche zur persönlichen Auffassung vom Arztberuf und Auswirkungen auf Patienten erfragt. Zudem sollten verschiedene ärztliche Aufgaben auf ihre Wichtigkeit hin beurteilt werden. Fragen zum generellen Berufsverständnis und zur erlebten und erwarteten Berufszufriedenheit ergänzten den Fragebogen ebenso wie Fragen zur Freiberuflichkeit des Arztberufs und zur Fortentwicklung der Ärzteschaft.

Mit einem Rücklauf von knapp 60 Prozent der angeschriebenen 4 933 Ärzten(innen) in Schleswig-Holstein und zahlreichen freien Kommentaren war die Resonanz zu dieser komplexen Thematik sehr fruchtbar. Als zentrale Aussagen können die Zentrierung der Ärzteschaft auf das Primat des Patientenwohls und der unmittelbar dazugehörenden ärztlichen Aufgaben festgehalten werden. Als sehr belastend werden die zunehmenden externen Kontrollen und administrativen Anforderungen aber auch die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf („Work-Life-Balance“) angesehen.

Die umfangreichen Ergebnisse sollen an dieser Stelle ab März 2009 in einer Serie unter zentralen und für die Ärzteschaft bedeutende Fragestellungen vorgestellt werden.

Thies Hendrik Schröder, Prof. Dr. Dr. phil. Heiner Raspe, Institut für Sozialmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Beckergrube 43-47, 23552 Lübeck


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 1/2009

S. 33