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Rezensionen


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Pilzinfektionen bei Krebspatienten
Aktuelle Aspekte der Diagnostik und Therapie invasiver Mykosen

Bibliographische Angaben: Meinolf Karthaus (Hrsg.), Thieme Verlag, Stuttgart 2007, 5. aktualisierte Auflage, 113 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-13-137715-9

Kurze Inhaltsangabe: Am Beginn steht die Diagnostik von Mykosen in der Hämatologie und Onkologie mit Blutkulturen, Serologie und Molekularbiologie. Dann folgt ein kurz gehaltenes Kapitel über mykologische Labordiagnostik, das aber wichtige Aussagen über die Wertigkeit von Pilznachweisen enthält, und anschließend eine Darstellung der medikamentösen Prophylaxe invasiver Mykosen mit einer tabellarischen Erfassung vorliegender Studien zu Fluconazol, Itraconazol und Amphotericin.

Der Schwerpunkt des Buches liegt bei der Therapie von Mykosen in der Hämatologie und Onkologie.

Den Abschluss bildet ein Überblick über antimykotische Substanzen mit Wirkungsspektrum, Pharmakokinetik und Nebenwirkungen.

Nach jedem der fünf Kapitel folgt eine umfangreiche Literaturübersicht.

Kritische Bewertung: Angesprochen werden durch dieses Buch insbesondere die in der Intensivmedizin und in der Onkologie tätigen Ärzte. Hier ist es durch die ausführliche Darstellung der Therapie invasiver Mykosen sicher ein wertvolles Handwerkszeug zur Bewältigung nicht zu häufig vorkommender und deshalb für Ungeübte schwer einschätzbarer Komplikationen.

Rezensent: Dr. Dr. rer. nat. Heinz-Eberhard Schlaak, Stadtweg 26, 24837 Schleswig

 


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Nadelstichverletzungen
Änderungen im Arbeitsschutz durch die Neufassung der TRBA 250

Bibliographische Angaben: Wittmann/Baars, ecomed Medizin Verlag, 120 Seiten, ISBN 978-3-609-16379-6, 19,90 Euro

Kurze Inhaltsangabe: Das Buch fasst den Kenntnisstand zur Problematik der Nadelstichverletzungen zusammen, führt in die neuen Vorschriften ein und gibt einen ersten Überblick über die Erfahrungen mit sicheren Systemen. Auch Kosten-Nutzen-Gesichtspunkte werden erläutert.

Kritische Bewertung: Für jeden Betriebsarzt und für den Gesundheitsschutz Verantwortlichen eines Krankenhauses ein Muss! Für den niedergelassenen Praktiker nicht anwendungsfreundlich genug. Nicht zu verkennen: Sichere Systeme sind Pflicht und auch sinnvoll. Bei Nichteinhaltung der TRBA 250 sind durchaus Haftpflichtansprüche an den Arbeitgeber denkbar.

Sonstiges
: Nadelstichverletzungen sind nach wie vor ein Thema vorrangiger Art im medizinischen Bereich. Deshalb ist das Buch wichtig, notwendig und aktuell.

Empfehlung: Die Inhalte und Schutzziele sind unbedingt einzuhalten und das Buch dient der Bewusstseinsbildung. Jede Klinik sollte dieses Buch besitzen und die Inhalte umsetzen. Jeder niedergelassene Praktiker sollte dies auch alles wissen, wird aber über Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung einen leichteren Einstieg finden.

Rezensent: Dr. Peter Egler, Facharzt für Arbeitsmedizin, Umweltmedizin, CDMP, Kreutzkamp 23, 21465 Reinbek

 


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Josef Paneth. Vita Nuova.
Ein Gelehrtenleben zwischen Nietzsche und Freud.

Bibliographische Angaben: Autobiographie, Essays, Briefe, Hg. von W. W. Hemecker. Leykam, Graz 2007, 288 Seiten, ISBN 978-3-7011-7563-5, 18 Euro

Der Name Paneth ist schon Medizinstudenten wegen der nach ihm benannten Zellen bekannt. Weniger ist bekannt, dass Josef Paneth ein hervorragendes Beispiel der deutsch-jüdischen Geistesgeschichte darstellt. Paneth (1857-1890) beendete 1879 das Medizinstudium. Seine Probevorlesung zur Habilitation in Physiologie1886 hieß „Über den derzeitigen Stand der Lehre von der Lokalisation der Großhirnrinde“. 1887 beschrieb er die nach ihm benannten Zellen in der Dünndarmschleimhaut. Josef Paneth hatte das große Glück, als Ehefrau Sofie Schwab zu finden, der wir auch den ergreifenden und in dem Buch enthaltenen Bericht über das Sterben ihres Mannes verdanken. Er, der als Schüler beide Eltern verlor, wurde nur 32 Jahre alt. Der Autor schreibt eindrucksvolle Portraits von Josef Breuer, der mit Freud zusammen die „Studien über Hysterie“ herausgab, und von dem ein Jahr älteren Sigmund Freud selbst, über den es heißt: „Aus armen Hause stammend, aber mit großer Energie und entschiedenem Talent begabt, hat er sich, mühsam und elend genug, durch eine lange Studienzeit voll Hunger und Entbehrungen durchzuringen gehabt ... Dabei von der stolzesten und besten Ehrenhaftigkeit, er hat sich nie vor Lumpenhunden gebeugt.“ Zwei Jahre arbeitete Paneth als Assistent bei dem großen Chirurgen Billroth, er sah seinen Chef als „durchaus human, geduldig und freundlich ... Dabei ist er vom klarsten Verstand und von außerordentlicher Menschenkenntnis und hat sich in der Wahl seiner Assistenten wenig vergriffen.“ Bei Billroth war auch zu lernen, in den Patienten „mehr zu sehen als das Objekt für Untersuchung, Diagnose, Sektion.“

1883/84 kam es bei Nizza zu persönlichen Begegnungen mit Friedrich Nietzsche. Obwohl er vielen Gedanken Nietzsches, der Idee des „Übermenschen“ und dem Überschwang des „Zarathustra“, kritisch gegenübersteht, ist er von der Menschlichkeit des Philosophen fasziniert. „Ich fand in ihm einen Menschen, von der größten Ehrenhaftigkeit ... Sein Zimmerchen ist kahl ... es hat nicht einmal einen Ofen ... es war eine eisige Kälte dort.“ Nietzsche findet er „ungewöhnlich freundlich, es ist auch nicht eine Spur von falschem Pathos oder Prophetentum in ihm.“ Nietzsche sagte ihm, „er sei durch körperliche Schmerzen seinen Pessimismus losgeworden, aus Trotz, um sich nicht vom Schmerz tyrannisieren zu lassen ...“ Nietzsche ist völlig frei von rassischen Vorurteilen und Paneth hört als Jude mit Interesse, dass das Leben Nietzsches durch den Antisemitismus seiner Schwester „schrecklich verbittert“ wurde.

Paneth plädierte für die „Assimilation“ der Juden durch die Taufe. Er konnte nicht voraussehen, dass spätere Nazis mit ihrem rassistischen Denken darauf keinerlei Rücksicht nehmen werden. Seit dem Holocaust gehört dieser Assimilationsgedanke der Geschichte an. Auch die deutsch-jüdische Zusammenarbeit in der Medizin ist historisch. Wir haben als Deutsche durch die Vertreibung und Ermordung der Juden unendlich viel verloren. In einem Brief an Hannah Arendt erinnert Karl Jaspers an all das Verlorengegangene: „Die jüdischen Deutschen fehlen ... Dass sie nicht mehr da sind, hat diese trostlose Niveausenkung zur Folge.“

Wer sich für die deutsch-jüdische Geistesgeschichte und einen ihrer medizinischen Exponenten, als der Josef Paneth ohne Übertreibung bezeichnet werden kann, interessiert, dem sei das vorliegende Buch sehr empfohlen.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel

 


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Der verkaufte Patient.
Wie Ärzte und Patienten von der Gesundheitspolitik betrogen werden

Bibliographische Angaben: Renate Hartwig, Pattloch Verlag, München 2008, ISBN 978-3-629-02204-2, 16,95 Euro

Renate Hartwig, Bestsellerautorin über „Scientology - Ich klage an“ (1994), wendet sich vehement gegen den Ausverkauf unseres bislang von sozialer Verantwortung getragenen Rechtsstaates. In den „so genannten Gesundheitsreformen“ sieht sie einen zentralen und systematischen Angriff auf das freie Arzttum, dem sie den „Bürgerpatienten“ als Schutz und zur wechselseitigen Stärkung zur Seite stellt. Dreh- und Angelpunkt ihrer Kritik - und als Prüfstein - ist die so genannte elektronische Gesundheitskarte, mit Befürwortern und „verflochtenen“ Verfechtern auch innerhalb der etablierten ärztlichen Selbstverwaltung. Sie will die Einführung der Karte mit allen Mitteln verhindern.

Jüngst sind zeitgleich mehrere „Aufdeckungsbücher“ zum politisch gewollten Verfall unseres Gesundheitswesens erschienen. Renate Hartwig ist in Abgrenzung zu anderen Autoren bewusst und machtvoll eine Patientin. Sie möchte ihre Mitpatienten, also die gesetzlich Versicherten, mobilisieren - und politisch wachrütteln. Ein implodierendes Sozialsystem, die Kapitulation der demokratisch legitimierten Führenden vor - oder ihr Arrangement mit - dem Kapital, dem sie ihre vom Volk nur geliehene Macht verkauften: Ihr Spannungsbogen ist mitreißend, aufrüttelnd und deprimierend zugleich. Sie warnt vor „Denunzianten, Verrätern, Intriganten und Rufmördern“ und wagt es dabei persönlich, sich sehr weit aus dem Fenster zu lehnen. Sie nennt Ross und Reiter, wohl wissend, dass sie sich damit einer Phalanx „gegnerischer“ Rechtsanwälte exponiert.

Wer jemals in der Diskussion um die E-Card mitreden will oder gar glaubt, diesen wahrlich orwellschen Mechanismus ganz verstanden zu haben, muss ihr Buch lesen. Sie erweitert den Einsichtshorizont ihrer Leser von der ersten bis zur letzten Seite. Ihr Credo: Mit dem Zugänglichmachen des Geheimnisses eines Arztsprechzimmers für eine mediale Welt und eine riesige Schar von „Berechtigten“ (zwei Millionen Menschen dürfen auf die Daten Aller zugreifen!) beraubte sich der Arzt seines genuinsten Erfolgsgeheimnisses, nämlich der Verschwiegenheitspflicht. Er hörte mit dieser Digitalisierung der Daten seiner Patienten eigentlich auf, als Vertrauensperson zu existieren.

So, wie der Arztroman im Grunde ein Frauenroman ist (die Heldin bewegt die Geschichte, die ärztliche Hauptfigur und die Seelen der Leser), so ist „Der verkaufte Patient“ notwendigerweise der Antagonist zum „verkauften - und sich verkaufenden - Arzt“. Beide sind gemeinsam Hoffnungsträger von Renate Hartwig und, wenn sie sich ihrer politischen Mitverantwortung und Macht bewusst werden und Zivilcourage zeigen, Motor und Angelpunkt eines Widerstandes des ganzen Volkes gegen seine schleichende Entdemokratisierung in unserer „nachchristlichen“ Zeit.

Das Buch von Renate Hartwig gehört nicht nur in den Themenkreis alternder und bedenkentragender Ärztestammtische, sondern in jedes Wartezimmer. Soviel Politisierung darf, ja, muss sein. Es ist ab sofort Pflichtlektüre einer jeden Ärztin und eines jeden Arztes, wenn es darum geht zu begreifen, was mit und um uns geschieht. Das Kapitel „Der Arzt meines Vertrauens“ (S. 21-23) gehört auf jeden ärztlichen Nachttisch, gleich neben dem Telefonapparat.

Rezensent: Dr. Martin Gattermann, Pestalozzistr. 16, 25826 St. Peter-Ording


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 12/2008

S. 36, 46, 67, 68