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Honorarerhöhung
Vertragsärzte
Kein Anlass für übertriebene Erwartungen
Die niedergelassenen Ärzte in Schleswig-Holstein werden in unterschiedlichem
Ausmaß von der in Aussicht gestellten Honorarerhöhung profitieren.
Auch wenn zur Abgeordnetenversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung
(KV) am 5. November noch keine Details bekannt waren, stand bereits fest:
Trotz des prognostizierten Anstiegs um 6,3 Prozent gibt es keinen Anlass
für übertriebene Erwartungen.
Immerhin rund 58 Millionen Euro mehr als im Jahr 2007 stehen in 2009 für
die vertragsärztliche Versorgung in Schleswig-Holstein zur Verfügung.
Pro Arzt sind das durchschnittlich fast 13 000 Euro. Was davon tatsächlich
in den Praxen ankommt, war zur Abgeordnetenversammlung aber noch völlig
offen. Abhängig ist dies etwa von der Höhe der extrabudgetären
Leistungen der durch Vorwegabzüge von der Gesamtvergütung gebildeten
Rückstellungen. Je geringer die Vorwegabzüge ausfallen, desto
mehr Volumen bleibt für die Regelleistungsvolumina der einzelnen
Praxen. Klar ist aber, dass die neue Honorarsystematik zu erheblichen
Umverteilungen zwischen und innerhalb der Arztgruppen führen wird.
Nicht jeder wird 6,3 Prozent mehr bekommen, sagte die kommissarische
KV-Vorsitzende Dr. Ingeborg Kreuz. Bei manchen Ärzten könne
der Zuwachs sogar deutlich geringer ausfallen. Beeinflusst wird dies von
verschiedenen Faktoren. KV-Vorstand Dr. rer. nat. Ralph Ennenbach nannte
etwa den zehnprozentigen Zuschlag für Gemeinschaftspraxen. Eine Rolle
spielen wird auch, aus welcher Altersgruppe die Patienten überwiegend
stammen und wie viele qualifikationsgebundene Fallwertzuschläge eine
Praxis geltend machen kann. Deutlich wurde, dass die Honorarreform nicht
nur für Gewinner unter den Ärzten sorgt. Ennenbach sprach sich
deshalb dafür aus, unberechtigte Verlierer zu schützen.
Wie das im Einzelfall geschehen könnte, soll nach Vorstellungen des
KV-Vorstands eine gemeinsame Härtefallkommission mit den Krankenkassen
festlegen. Bei den Kassen stieß dieser Vorschlag auf Ablehnung.
Ennenbach zeigte sich enttäuscht, dass die Kassen nicht bereit waren,
an dieser Stelle Verantwortung zu übernehmen. Erklären lässt
sich diese Haltung mit einem Blick auf die unklare Haushaltslage der Kassen.
Die Einführung des Gesundheitsfonds erschwert den Kassen die Kalkulation.
Darunter haben in den vergangenen Wochen auch die Vertragsverhandlungen
gelitten. Auf Kassenseite erleben wir derzeit eine weitgehende Paralyse,
beschrieb Kreuz die Situation. Mit Ausnahme der DMP-Verträge, berichtete
Kreuz, hätten die Kassen zahlreiche Vereinbarungen zum Jahresende
gekündigt. Trotz der unklaren Situation wird die KV in den Verhandlungen
aber versuchen, Punktwertaufschläge für extrabudgetäre
Leistungen auszuhandeln. Ziel ist, für diese Leistungen das bisherige
Vergütungsniveau zu halten. Gute Nachrichten hatte der KV-Vorstand
für Schleswig-Holsteins Hausärzte: Für sie kündigte
Ennenbach eine Sonderausschüttung an, die laut Ankündigung inzwischen
schon erfolgt sein muss. Wegen aufgelöster Rückstellungen für
Risiken im Honorarverteilungsmaßstab (HVM) konnten durchschnittlich
rund 2 000 Euro je Hausarzt ausgezahlt werden. Auf Fachärzte kommen
dagegen neue Belastungen zu. Die für ihre HVM-Risiken gebildeten
Rückstellungen reichen nicht aus. Nach einer Hochrechnung der KV
könnten rund sieben Millionen Euro zusätzlich benötigt
werden. Eine Verrechnung mit dem hausärztlichen Überschuss ist
nicht möglich. Um die Belastungen für die Fachärzte erträglich
zu gestalten, soll das Defizit mit den kommenden Quartalsabschlägen
verrechnet werden. Unklar bleibt, ob die für Schleswig-Holstein prognostizierte
Honorarerhöhung um 6,3 Prozent eine Verringerung der KV-Umlage ermöglicht.
Nach Angaben Ennenbachs betrug die kostendeckende Verwaltungsumlage vor
der Honorarerhöhung 2,38 Prozent. Sollte die Honorarerhöhung
wie hochgerechnet eintreten, könnte die Umlage rein rechnerisch auf
2,25 Prozent gesenkt werden. Der KV-Haushalt 2009 beinhaltet aber auch
das vierte Quartal 2008, für das noch kein zusätzliches Honorar
fließt. Außerdem können die finanziellen Auswirkungen
der Honorarreform noch nicht im Detail errechnet werden. Die Abgeordnetenversammlung
entschied sich deshalb dafür, erst Mitte kommenden Jahres über
eine Veränderung der Verwaltungskostenumlage, die derzeit 2,5 Prozent
beträgt, zu beraten. (di)
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 12/2008
S. 34, 35
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