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Bad Segeberg
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Aktives Nachdenken
in bewährter Runde - FKQS am Puls der Gesundheitspolitik
Dr. Franz Bartmann,
Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Vorsitzender
des FKQS, machte eingangs wie auch in seinem zusammenfassenden Schlusswort
deutlich, wie sehr sich der Verein in der Gesundheitslandschaft Schleswig-Holsteins
zu einem Leuchtturm entwickelt hat. Er dankte den Mitwirkenden
für die stets hohe Qualität des intellektuellen Miteinanders,
die beispielgebend für gestaltende Gesundheitspolitik sein könne.
In unnachahmlicher
Präzision und trotzdem eingängiger Lebhaftigkeit konnte Prof.
Neubauer schließlich auch demjenigen, der sich mit dem Thema noch
nie beschäftigt hatte, den Unterschied zwischen dem bisherigen und
dem neuen Risikostrukturausgleich erläutern. (Für Aküfi-Liebhaber
gibt es wieder viel Stoff!)
Am Vorabend hatte
Prof. Dr. h. c. Herbert Rebscher, Vorsitzender des Vorstandes der DAK-Unternehmen
Leben, als Festgast der Mitgliederversammlung des Vereins seine prinzipielle
Kritik am GKV-WSG deutlich wiederholt und einleuchtend begründet.
Nachweisbar sei, dass, unabhängig von der Altersgruppe der Versicherten,
die Ausgaben der Krankenversicherung im Jahr vor dem Tod des Patienten
4- bis 25-mal so hoch sind wie für den Durchschnitt der Versicherten
dieser Altersgruppe. Daher gelte es, einen Effizienzwettbewerb um die
Versorgung dieses etwa 20 Prozent der Mitglieder umfassenden Klientels
zu führen und nicht den für die gute Versorgung der Menschen
unbrauchbaren Preiswettbewerb um die 80 Prozent der relativ Gesunden.
Seine bittere Analyse:
Da die Kassen, die Gewinner des Fonds sind, nicht um die beste Versorgung,
sondern nach wie vor um Mitglieder konkurrieren, werden sie versuchen,
Anreize durch Rückzahlungsprämien zu setzen. Die erheblichen
Mittel gehen der gesetzlichen Krankenversicherung und damit der guten
Versorgung der wirklich Kranken verloren. Ganz abgesehen davon, dass über
die Zusatzprämien die Kostensteigerungen in der medizinischen Versorgung
(arbeitgeberfreundlich) allein auf die Versicherten abgewälzt werden.
Und die Verwaltungskosten für 51 Millionen Bankkonten zur Administrierung
der Zusatzprämien sowie die Einkommensprüfungen verschwenden
weitere Ressourcen, die der Krankenversorgung fehlen werden.
Dr. rer. soc. Dieter
Paffrath, Vorstandsvorsitzender der AOK Schleswig-Holstein, unterlegte
sachkundig und konkret die Analysen hinsichtlich der Auswirkungen des
Gesundheitsfonds mit Daten und Fakten. Mit dem für ihn typischen
und an ihm so sympathischen Humor überschrieb er seinen Vortrag frei
nach Marx sarkastisch mit dem Satz: Politik ist die Kunst, Probleme
zu suchen, sie zu finden (gegebenenfalls auch zu erfinden), sie verkehrt
zu diagnostizieren und dann unwirksame Heilmittel falsch einzusetzen.
Manfred Puppel, stellvertretender
Vorsitzender des BKK-Landesverbandes Nord, benannte die aus seiner Sicht
bestehenden Grundprobleme der GKV: Die fehlende Finanzierungsperspektive,
die gegenseitige Schuldzuweisung der Verantwortlichen und die zu fördernde
Eigenverantwortlichkeit des Patienten. Er warb dafür, die Spielregeln
neu zu definieren, eine Kodex-Diskussion mit dem Ziel der Vertrauensbildung
zu führen sowie für Wahltarife im Sinne von Servicequalität
als Mehrwert zu werben.
Auch Dr. rer. nat.
Ralph Ennenbach, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung
Schleswig-Holstein, verzichtete auf seine ausgefeilte Präsentation,
die für Mitglieder des FKQS auf der Homepage www.foerderkreis-qs.de
im Mitgliederbereich - empfehlenswert - nachzulesen ist. Er sieht den
Patienten als größten Verlierer, da aus Kassenlogik an Medikamenten
und ärztlichen Leistungen gespart werden müsse, um in den Wettbewerb
mit Rückzahlungen oder Exklusivleistungen einzutreten. Der
innovative oder qualitätsverbessernde Gestaltungsspielraum wird gegen
Null tendieren, so seine Prognose. Am Ende waren sich
die Teilnehmer einig: Das Symposion des Förderkreises Qualitätssicherung
e. V. Schleswig-Holstein hat berechtigt seinen festen Platz im Veranstaltungskalender.
Hoffen wir, dass unsere Kolleginnen und Kollegen beim nächsten Mal
noch besser davon zu überzeugen sein werden, dass es sich lohnt mitzudiskutieren.
Denn in kaum einer anderen vergleichbaren Veranstaltung haben sie die
Meinungsbildner und Hintergrund-Kenner der Gesundheitspolitik so persönlich
und zum Anfassen wie beim Symposion des FKQS in der Ärztekammer
Schleswig-Holstein. |
Schleswig-Holsteinisches
S. 28-30 |
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