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Bad Segeberg
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Kammerversammlung
am 26.11.2008
Ein großer Teil
der Wahlperiode ist um - Zeit für eine Zwischenbilanz des Präsidenten.
Dr. Franz Bartmann erinnerte noch einmal an den schwierigen Start in die
Legislaturperiode im Jahr 2005. Es war eine Zeit des Umbruchs, weil Hauptgeschäftsführer
Dr. Karl-Werner Ratschko in den Vorruhestand ging. Bartmann verwies auf
die Standards, die Ratschko in seiner langen Amtszeit gesetzt hatte. Um
die von ihm hinterlassene Lücke zu schließen, waren eine andere
Organisationsstruktur und Betriebskultur notwendig. Dieser Emanzipationsprozess
war schmerzhaft und dornenreich für alle Beteiligten, sagte
Bartmann. Die neuen Strukturen sind mit externer Unterstützung aufgebaut,
dieser Teil des Strukturprozesses ist abgeschlossen - und: Wir sind
zuversichtlich, die weiteren Schritte jetzt aus eigener Kraft umsetzen
zu können, so der Präsident. Optimistisch stimmt ihn,
dass in dieser Phase nicht nur die Alltagsroutine funktionierte, sondern
die Mitarbeiter auch in der Lage waren, zusätzliche Herausforderungen
wie Novellierung der Berufs- und Weiterbildungsordnung oder Nachweispflicht
für ärztliche Fortbildung zu meistern. Bartmann hob in seiner
Zwischenbilanz aber auch die bundesweit beachtete Arbeit der Segeberger
EDV-Abteilung und die erfolgreichen Angebote der Bildungseinrichtungen
hervor. Zeit, sich auf diesem Lob auszuruhen, sieht Bartmann für
die Kammer allerdings nicht: Als Herausforderung steht neben der Kammerwahl
die Ausgabe des elektronischen Heilberufeausweises an mehrere tausend
Ärzte bevor. Mittelfristig stehen weitere Herausforderungen an: 2011
wird der Deutsche Ärztetag in Kiel stattfinden. Im gleichen Jahr
gibt es in der Kammer erhebliche personelle Veränderungen, weil gleich
drei Mitglieder aus der hauptamtlichen Führungsspitze ausscheiden.
Trotz der Standortbestimmung
für die eigene Einrichtung - ohne Politik kam der Bericht des Präsidenten
nicht aus. Die finanzielle Lage in den Krankenhäusern ist nach seiner
Beobachtung so angespannt, dass er der Kammerversammlung eine Resolution
empfahl, die diese einstimmig verabschiedete. Darin wird auf die existenzbedrohende
Finanzsituation der Kliniken und deren Folgen wie Arbeitsplatzabbau, Arbeitsverdichtung
und Investitionsstau verwiesen. Bartmann befürchtet, dass damit die
Vielfalt an Krankenhausträgern gefährdet und das Ziel, gemeinnützige
Krankenhäuser regional vorzuhalten, erschwert wird. Die Kammerdelegierten
sprachen sich einstimmig für ein Ende der seit 15 Jahren bestehenden
Budgetdeckelung für Kliniken aus. Stattdessen forderten sie, den
stationären Sektor in Konjunkturprogramme aufzunehmen. Nicht zu beeinflussende
Kostensteigerungen sollen nach ihrer Ansicht vom Bund übernommen
werden.
Nach dem kurzen Abstecher in die aktuelle Standespolitik diskutierten die Delegierten den Beitrag von Prof. Dr. Christoph Fuchs besonders engagiert. Ärztliche Freiberuflichkeit heute und in Zukunft, so das Thema des Hauptgeschäftsführers der Bundesärztekammer, berührte Vorstandsmitglieder, Delegierte und Gäste gleichermaßen. Wohl auch, weil Fuchs in seiner
Doch die Rahmenbedingungen führen nicht nur zu einer Flucht aus dem Beruf, sie erschweren zugleich die Besinnung auf die Freiberuflichkeit. Denn die persönliche Verantwortung und Leistungserbringung, die Berücksichtigung der Individualität eines Patienten und die gemeinsame ethische Grundlage des Berufes drohen durch die äußeren Zwänge in den Hintergrund gedrängt zu werden. Wenn aber die Medizin unreflektiert abgleitet in die Produktwelt, warnte Fuchs, hat dies Folgen für die gesamte Gesellschaft. Gerade jüngeren Ärzten, so seine Beobachtung, ist nicht klar, was Freiberuflichkeit des Arztberufes wirklich bedeutet. Fuchs forderte eine Modernisierung der ärztlichen Institutionen und ein verstärktes Engagement für die Freiberuflichkeit und für die Werte des Arztberufes.
Ob aber die Ärzte den Bestrebungen der Politik - schließlich fordert Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, es müsse ein Ende haben mit der Ideologie der Freiberuflichkeit - etwas entgegenzusetzen haben, ist für die Kammerdelegierten keineswegs ausgemacht. Die Diskussion zeigte, wie unterschiedlich das Thema betrachtet wird. Der Kieler Delegierte Matthias Seusing berichtete, dass die ärztlichen Gremien sich ständig mit dem Thema auseinandersetzen. Wie aber im ärztlichen Alltag die Werte der Freiberuflichkeit zwischen Rabattverträgen und Disease-Management-Programmen beachten? Seusing sieht hier eine Lücke zwischen Anspruch und Realität. Auch Dr. Doris Hartwig-Bade sieht Ärzte so mit Arbeit zugeschüttet, dass sie gar keine Kraft mehr für Veränderungen haben können. Und selbst wenn - Dr. Frank Niebuhr aus Lübeck ist skeptisch, ob die Gesellschaft den Ärzten überhaupt folgen möchte. Er gibt zu bedenken, dass jeder zwar Gesundheit als höchstes Gut an-, sich aber zugleich nach der billigsten Krankenkasse umsieht. Dr. Karl-Werner Ratschko wiederum sieht die Ärzte viel stärker gefordert, um die ärztliche Freiberuflichkeit zu erhalten. Wir tun viel zu wenig, sagte Ratschko. Er erinnerte daran, dass kaum eine andere Berufsgruppe so viele Instrumente zur Verfügung hat, um sich zu wehren. Dr. Norbert Jaeger hat die Erfahrung gemacht, dass die schöne reine Lehre der Freiberuflichkeit niemanden interessiert. Wir tun viel zu viel - aber leider das Falsche, sagte Jaeger. Seine Begründung: Mit ihren ständigen Bemühungen stabilisieren Ärzte ein marodes System, das dieses Engagement nicht belohnt. Schlussfolgerung ist für ihn: Lassen wir das Schlechte geschehen - also zunächst durch gnadenlose Rationierung in der Staatsmedizin zeigen, dass Freiberuflichkeit doch der bessere Weg ist? Welche Strategie am Ende die beste ist, konnte die Versammlung nicht klären. Für Dr. Klaus Bittmann, Vorsitzender der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein, steht aber fest, dass sich viele Ärzte einer Kampagne der Bundesärztekammer zur Stärkung der Freiberuflichkeit anschließen würden.
Der letzte Punkt beschäftigte
die Delegierten besonders. Dr. Wolfgang Keil aus Kiel sieht in dem Glauben
seiner Kollegen, selbst etwas bewegen zu können, einen krassen Widerspruch
zum tatsächlich bestehenden - oft gering ausgeprägten - berufspolitischen
Engagement. Auch Raspe sprach von einem Selbstmissverständnis.
Dass dieses Engagement aber wichtig ist, steht für Andreas Stanisak
außer Zweifel. Er plädierte dafür, diesen offenbar vorhandenen
Willen der Ärzte, etwas verändern zu wollen, zu nutzen. |
Schleswig-Holsteinisches
S. 24-27 |
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